Freiwillige unterstützen den Suchdienst des Österreichischen Roten Kreuzes

Das ÖRK wird von acht engagierten freiwilligen MitarbeiterInnen der Landesverbände Tirol, Vorarlberg, Oberösterreich, Kärnten, Steiermark und Wien bei der Durchführung des AMD Projekts unterstützt:

Claudia Gössler ist in der Endphase ihres Psychologiestudiums und seit 5 1/2 Jahren beim Roten Kreuz als Einsatzfahrerin und Notfallsanitäterin im Rettungsdienst und Mitarbeiterin im Krisen Interventions- team (KIT) tätig.

Angelika Wille ist Psychologin. Seit vier Jahren arbeitet sie in einem Kriseninterventionszentrum für Kinder und Jugendliche (KIZ) in Innsbruck, seit drei Jahren ist sie KIT Mitarbeiterin.

Carin Summer ist Lehrerin und seit drei Jahren bei KIT Vorarlberg. Sie arbeitet auch ehrenamtlich beim „Netz für Kinder“ und unterstützt dort Jugendliche und junge Mütter aus schwierigen sozialen Verhältnissen.

Markus Ploner ist seit drei Jahren bei KIT in Innsbruck, ist Thanatologe in freier Praxis und arbeitet in der Familien- und Trauerberatung. Er ist der fachliche Leiter des AMD Projekts.

Dieter Koch aus Wien ist seit ca. 10 Jahren beim Roten Kreuz. Er ist Notfallsanitäter und Einsatzfahrer, Lehrbeauftragter für Erste Hilfe und war bis vor kurzem stellvertretender Heimleiter des Flüchtlingsquartiers „Jupiter“ des Landesverbandes Wien.

Elmar Dobernig ist Psychologe, Psychotherapeut, fachlicher Leiter des KIT Teams Kärnten und psychologisch therapeutischer Leiter der Reha Klinik für seelische Gesundheit in Klagenfurt.

Monika Freundlinger-Lewaschowa ist dem Roten Kreuz schon viele Jahre verbunden. Seit 2001 ist sie Mitarbeiterin im KIT Team. Die diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester ist Mediatorin, Ansprechpartnerin für Flüchtlinge und Kommunikationstrainerin.

Ulli Karpfen ist seit vielen Jahren Rettungssanitäterin, Katastrophenhelferin und KIT Mitarbeiterin im Landesverband Wien. Als Lehrbeauftragte für Erste Hilfe finanziert sich die Zoologiestudentin ihre Forschungsreisen nach Costa Rica.

 

Auszüge aus den Gesprächen mit den Personen, die Angehörige vermissen:

„...die Familie war sehr freundlich. Sie haben mir Café und Kekse gegeben und mir viel erzählt, Fotos gezeigt usw. Ich bin danach in der Straßenbahn gesessen und hatte das Gefühl, dieser Familie etwas Gutes getan zu haben und dadurch ging es mir auch gut…“

„…die Familie will einfach nur, dass endlich Frieden einkehrt …“

„…ich hoffe, dass ich damit meinen Teil dazu beitragen konnte, dieser Familie zu helfen, nicht mehr in dieser Ungewissheit leben zu müssen…“

„…der Mann war sehr aggressiv, hat mich beschimpft. Ich habe versucht, ihm zu vermitteln, dass ich seine Unzufriedenheit und Aggression verstehe, ich aber nicht für sämtliche Misstände zur Verantwortung zu ziehen bin. Auch wies ich auf die Freiwilligkeit des Interviews hin…“

„…die Frau hat mir erzählt, dass sie das ganze abgebrannte Haus nach der Zahnprothese ihrer Mutter abgesucht hat, weil sie gehört hatte, dass Prothesen nicht verbrennen. Sie hat aber nichts gefunden und ist dann mit einem Taxi aufs Feld gefahren und hat dort mit bloßen Händen in der Erde nach dem Leichnam gesucht. Diese Felder waren voller Minen, aber das war ihr völlig egal…“

„…viele sind schon sehr abgeklärt und sie wissen, dass die vermisste Person tot ist. Sie hätten aber alle gerne Gewissheit und ein Grab, bei dem sie Blumen ablegen können…“

„…in manchen Familien ist das Thema tabu und es war das erste Mal seit vielen Jahren, dass wieder darüber gesprochen wurde, in anderen Familien gehört es zum Alltag…“

„…ich habe immer erklärt, dass ich intellektuell nicht nachvollziehen kann, was damals passiert ist. Krieg ist aus unserem Kontext heraus nicht zu verstehen. Es ist unmöglich zu verstehen wie es ist, wenn jemand neben mir erschossen oder gefoltert wird…“

„…ich bin froh, diese Erfahrungen gemacht zu haben. Wenn man diese Bögen ausfüllt, wird alles sehr relativ. Da denkt man sich plötzlich: He, ich habe eigentlich keine wirklichen Probleme…“

„…sie selbst nennen sich Entwurzelte, um die Heimat Betrogene, Unverstandene (auch was ihre Religion, ihren Glauben betrifft), ausgeliefert den `Mächtigen` der Regierungen, ausgeliefert den vielen Lügen (besonders vor und während der Kriegszeit)…“

„…nach jedem Interview habe ich einen Spaziergang gemacht, um wieder in meine Welt zurückzukommen, weil man sich plötzlich fragt: Wo bin ich hier? Wie geht das Leben jetzt weiter?...“

„…er hat deutlich geäußert, dass er seit dem Verschwinden seines Bruders jeden Tag an diesen Augenblick denkt. Er hofft darauf, seinen Bruder wieder zu sehen…“

„…der Sohn - damals 10, heute 22 - hat sehr viel Schreckliches gesehen, z.B. geköpfte Menschen. Er wirkte noch traumatisiert, die Mutter hat insgesamt schon mehr über das Vorgefallene gesprochen und verarbeitet, möchte aber auch sehnlichst Gewissheit…“

„…eines wollen alle, dass ihre Angehörigen gefunden werden, um von ihnen Abschied nehmen zu können, um zu wissen, hier an diesem Grab kann ich mit ihnen reden, hier kann ich sie besuchen…“

„…es ist für sie nichts bedrückender als die Ungewissheit…“

„…eine Frau meint ihren vermissten Bruder immer in ihrer Nähe zu spüren - verbunden mit einem massiven Druck im Brustkorbbereich und Atembeschwerden - ihr Mann hat seit dem Krieg Alkoholprobleme. Nach außen hin ist sie eine sehr starke Frau, aber innerlich fast zerbrochen. Sie sagt, es hält sie noch aufrecht, für ihre Kinder da zu sein…“

„…sie versuchen in den letzten Jahren mehr Kontakt mit ihren Familien in ihren Heimatländern aufzunehmen, um sie zu unterstützen - finanziell (dies ist oft auch schwer, da sie in Österreich nicht soviel verdienen, bzw. keine Arbeit bekommen) und seelisch (soweit möglich).
Sie treffen aber auch auf Neid und Missgunst in ihrer Heimat, da sie nicht geblieben sind, nicht gekämpft haben und sich in ein ``reiches Land verdrückt haben``…“

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