Das Los von Vermissten und ihren Angehörigen gehört zwar zu den größten menschlichen Tragödien, findet aber nur selten Beachtung in der Öffentlichkeit. Nach Vermissten zu suchen und, wenn möglich, Kontakte zwischen Familienangehörigen wieder herzustellen, ist Teil des Mandats des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. In den Ländern des ehemaligen Jugoslawien gehören die Registrierung von vermissten Personen, das Klären der Umstände des Verschwindens und die Personensuche zu den Hauptaufgaben des IKRK. Das IKRK und andere nationale Rotkreuz-Gesellschaften arbeiten als Vermittler und Unterstützer in enger Verbindung mit den Behörden und verschiedenen Organisationen vor Ort zusammen, um die zahlreichen offenen Vermisstenschicksale zu klären.

Die Suche nach einer vermissten Person beginnt mit dem Einreichen eines Suchantrages bei Rotkreuz- oder Rothalbmondgesellschaften in den verschiedenen Ländern des ehemaligen Jugoslawien und in anderen Staaten (z. B: in Österreich). Darüber hinaus sammelt das IKRK, zusammen mit verschiedenen nationalen Gesellschaften, Behörden und Vereinen, Ante-Mortem-Daten von den Angehörigen und gibt das „Book of Missing“ und das „Book of Belongings“ heraus, um den Identifizierungsprozess von sterblichen Überresten zu beschleunigen.

 

Mädchen mit dem Foto ihrer Mutter im Vordergrund. Querformat

Ein wichtiger Teilbereich der Arbeit des IKRK in den ehemaligen jugoslawischen Provinzen ist die Koordinierung und Leitung von unterschiedlichen Projekten. Speziell entwickelte Programme sollen vor allem allein stehenden Müttern und Kindern von Vermissten helfen, ihren Alltag zu bewältigen und ihren Schmerz artikulieren zu können, denn der psychische Zustand von Angehörigen vermisster Personen wird meist hintan gestellt und psychologische Betreuung für Betroffene gibt es nur selten.

Gerade Alleinerzieherinnen sind mehrfach belastet. Viele wurden mit ihren Kindern aus der alten Heimat vertrieben und haben große finanzielle Schwierigkeiten, da das vermisste Familienmitglied meist Alleinverdiener war. Darüber hinaus müssen sie auch auf das Wohl ihrer Kinder achten. Die seelischen Probleme werden neben all den anderen Sorgen verdrängt, nehmen den Betroffenen aber mit der Zeit die „Luft zum Atmen“.

Das IKRK startete in Zusammenarbeit mit Familienpsychologen in den letzten Jahren verschiedene Projekte in den ehemaligen jugoslawischen Teilprovinzen, so z. B. einen speziellen Sommerurlaub für Kinder unter dem Titel „The Children of the Missing“ oder separate Kuraufenthalte für allein erziehende Mütter und deren Kinder. Für die meisten ist es der erste „Urlaub“ in all den Jahren und die einzige Möglichkeit „Seelenhygiene“ in einem geschützten Rahmen zu betreiben.

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