09.09.2015 12:21

Getrennte Flüchtlingsfamilie in Salzburg wieder vereint

Auf der langen Flucht werden Familien zerrissen - der Suchdienst des Roten Kreuzes stützt sich auf ein weltweites Netzwerk und ist darauf spezialisiert, Vermisste aufzuspüren.

Getrennte Flüchtlingsfamilie in Salzburg wieder vereint

Am Salzburger Hauptbahnhof wurde gestern die erste Suchdienst-Anlaufstelle für Flüchtlinge eröffnet. Aufgrund von Flucht und Migration verlieren sich immer wieder Familien aus den Augen. Das Österreichische Rote Kreuz kann im Bereich Suchdienst und Familienzusammenführung weltweit auf bestehende Strukturen und ein erfahrenes Netzwerk zurückgreifen.

 

"Deshalb hat das Rote Kreuz Salzburg jetzt seine Tätigkeiten im bestehenden Einsatz am Salzburger Hauptbahnhof erweitert und unterstützt die Behörden bei der Zusammenführung getrennter Familien", sagt der Salzburger Landesrettungskommandant Anton Holzer.

 

Dildar, verzweifelt gesucht

 

Die erste erfolgreiche Familienzusammenführung konnte die Salzburger Meldestelle gleich am ersten Tag verbuchen: Die Familie Ibrahim hatte im Durcheinander am Wiener Westbahnhof ihren ältesten Sohn Dildar Ali verloren. Als die Familie in Salzburg ankam, wendete sie sich gleich an die Rotkreuz-Mitarbeiter. Zum Glück wurde der 14-Jährige kurz darauf am Westbahnhof gefunden. Ein paar Stunden später war die Familie in Salzburg wieder vereint.



„Für viele Familien, die auf der Flucht getrennt werden, ist die Suche langwieriger“, sagt Claire Schocher-Döring, Leiterin des Rotkreuz-Suchdienstes. „Auf langen Fluchtwegen steigt die Gefahr, dass man sich verliert. Erschwerend kommt hinzu, dass die Flüchtlinge oft nirgends registriert werden und wir deshalb keine genauen Daten zur Verfügung haben.“



Der Suchdienst des Österreichischen Roten Kreuzes hilft in Österreich und über die Grenzen hinweg über sein internationales Netzwerk bei der Suche nach den Vermissten. Der Suchdienst forscht nach den Angehörigen in Österreich und gibt Fotos sowie Daten an Ungarn oder Deutschland weiter, wenn die Vermutung besteht, dass sich vermisste Angehörige dort aufhalten.

 

Zusätzlich durchforsten die Experten auch Internet-Seiten, die auf die Registrierung von vermissten Angehörigen spezialisiert sind. Erst vor kurzem konnte auf diese Weise ein syrischer Vater seinen fünfjährigen Sohn in Griechenland ausfindig machen. (Die Geschichte des verlorenen Sohnes lesen Sie hier.)

Unter www.familylinks.org und auf der neuen Seite www.tracetheface.org stellt die internationale Rotkreuz-Bewegung von überall in der Welt erreichbare Plattformen zur Verfügung.


„Trace the Face“ bietet besonders Flüchtlingen in Europa Unterstützung. Auf der Website werden Fotos der Suchenden gepostet, ihre Daten und Aufenthaltsorte sind nur dem Roten Kreuz bekannt und werden nicht veröffentlicht. 23 Rotkreuz-Gesellschaften in ganz Europa sind an diesem vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) unterstützten Projekt beteiligt.
 


Bereits mehr als 300 Fotos von Menschen im europäischen Raum, die ihre Liebsten suchen, wurden auf der neuen Webseite hochgeladen. „Die meisten Flüchtlinge, die zur Zeit durch die Veröffentlichung ihres Fotos auf ihre Suche aufmerksam machen, kommen aus Afghanistan, Somalia und Syrien“, erklärt Suchdienst-Leiterin Schocher-Döring.

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