11.01.2016 10:18

Vor sechs Jahren zerstörte ein Erdbeben Haiti

Weltweite Hilfsbereitschaft folgte auf die Zerstörung der verarmten Karibik-Insel. Am 12. Jänner jährt sich die Naturkatastrophe in Haiti zum sechsten Mal. Die langfristige Zusammenarbeit mit den betroffenen Gemeinden hat sich gelohnt.

©ÖRK

Am 12. Jänner 2010 um 16 Uhr 53 bebte die Erde in Haiti. Eine Stunde später ging die Sonne unter und ließ die mehr als drei Millionen vom Erdbeben betroffenen Menschen für eine Nacht bei weiteren Nachbeben in völliger Finsternis und Ungewissheit.

 

Das wahre Ausmaß des Erdbebens der Stärke 7,0 wurde erst am darauffolgenden Morgen bekannt. Ein Großteil der Hauptstadt und die umliegenden Gebiete wurden zerstört, 316.000 Menschen verloren ihr Leben und mehr als 1,5 Millionen Menschen wurden obdachlos. Die wirtschaftliche, soziale und politische Infrastruktur in den ohnehin bitterarmen Inselstaat und damit auch die Versorgung der betroffenen haitianischen Bevölkerung waren lahmgelegt.

 

Große, weltweite Hilfsbereitschaft




Das Haitianische Rote Kreuz leistete von Beginn an Hilfe, die lokalen Helfer waren aber auch selbst Betroffene des Bebens. Die internationale Rotkreuzbewegung reagierte daraufhin mit der bisher größten - in einem einzelnen Land stattfindenden - Hilfsaktion und einem Gesamtbudget von 1 Milliarde Euro. Auch in Österreich erreichte die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung enorme Ausmaße, die Menschen spendeten an Hilfsorganisationen und Nachbar in Not.


Das Österreichische Rote Kreuz beteiligte sich mit einem Budget von 9,5 Millionen Euro am Hilfsprogramm in Haiti. Ein Viertel der Mittel wurde davon für die Nothilfe und drei Viertel in Wiederaufbauprogramme eingesetzt.

 

Diese Hilfe beinhaltete unter anderem medizinische Versorgung für Verwundete und Kranke, die Zurverfügungstellung von Notunterkünften, Hilfs- und Hygienepakete, Wasserversorgung sowie wichtige mittel- und langfristige Hilfe beim Wiederaufbau der Häuser, Wasser- und Siedlungshygiene, Katastrophenvorsorge oder Ausbildungen von Bauern und Handwerkern, um Einkommensmöglichkeiten zu schaffen.

 

„Gemeinsam mit dem Deutschen und dem Haitianischen Roten Kreuz wurde in der Gemeinde Léogane, die Nahe dem Epizentrum liegt, ein Wiederaufbauprogramm für 15.000 Menschen durchgeführt“, sagt Michael Opriesnig, stellvertretender Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes. Trotz schwieriger Bedingungen vor Ort wurden 2.694 Unterkünfte, zwei Gemeindezentren, drei Schulen und ein Fakultätsgebäude der Universität wieder aufgebaut. Darüber hinaus wurden Familien mit Latrinen, Zugang zu Trinkwasser und Hygieneschulungen erfolgreich versorgt. Straßen, Wasserversorgung, Gesundheitsvorsorge und Schulen sind essentiell, aber dass die lokale Bevölkerung unabhängig weiterleben kann, ist das wichtigste.

 

"Ca roule"

 

So wurden zahlreiche Katastrophenvorsorgetrainings in den Gemeinden durchgeführt sowie Katastrophen-Einsatzteams speziell ausgebildet. "Wenn es gelingt, Menschen und Helfer in den Stand zu versetzen, vorausschauend zu leben und besser auf Katastrophen zu reagieren, ist Hilfe auch nachhaltige Hilfe", weiß Michael Opriesnig. Die Rotkreuz-Hilfe umfasste auch Ausbildungsprogramme, zum Beispiel für Handwerker oder Bauern, um den Menschen in dem verarmten Land auch wirtschaftlich auf die Beine zu helfen.

 

Zwischen 2010 und Ende 2013 verfolgte die österreichische Rotkreuz-Hilfe das Ziel, mit den betroffenen Gemeinden nach der Katastrophenhilfe über einen längeren Zeitraum zusammenzuarbeiten, sie beim Wiederaufbau ihrer Lebensgrundlagen zu unterstützen und langfristig sicherzustellen, dass sie Katastrophen und Krisen besser bewältigen können.

 

„Ca roule“ – ist die Standardantwort der Haitianer auf die Frage, wie es ihnen geht. Ein Volk, das sich ständig bewegt, nie still sitzt, immer „weiterrollt“, um das tägliche Leben irgendwie zu meistern.


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