09.01.2017 13:35

Winterhilfe für wohnungslose Menschen

Die herrschenden eisigen Temperaturen stellen besonders wohnungslose Menschen vor große Herausforderungen. Das Rote Kreuz versucht mit einigen Angeboten die Not der Obdachlosen zu lindern. In Wien und Tirol bieten Nachtquartiere zwischen 18 und 8 Uhr ein warmes Bett.

Winterhilfe für wohnungslose Menschen

In Wien sind die 375 Schlafplätze des Roten Kreuzes zurzeit ausgelastet. Das Haus Hermes ist eine ganzjährig geöffnete „Dauereinrichtung“, in der obdachlose Menschen übergangsweise unterkommen. 155 Männer, Frauen, Paare und auch Hundebesitzer finden dort ein warmes Bett, Verpflegung, Duschmöglichkeit und Ansprache.


Das Haus Hermes ist mehr als eine Notschlafstelle. Der Aufenthalt dort überbrückt die Zeit, bis eine andere Wohnform gefunden werden kann. Ergänzend werden akute Krisen abgefangen und die betroffenen Personen unterstützt, ihre Situation sowohl emotional als auch alltagspraktisch zu bewältigen.


Die Verschränkung von sozialarbeiterischer Beratung, mobiler Begleitung und Betreuung im Nachtquartier soll obdachlosen Menschen möglichst rasch einen Weg aus ihrer prekären Lebenssituation ermöglichen.


In den kritischen Wintermonaten werden die Schlafplätze zusätzlich zum Haus Hermes aufgestockt:  Zwischen November und April stehen im Sophienspital Nächtigungsmöglichkeiten für 120 Männer bereit, im Pavillion 35 des Otto Wagner Spitals können 100 Männer übernachten.


Aber auch tagsüber bringt die Kälte wohnungslose Menschen in Bedrängnis. Abhilfe schafft seit über einem Jahr das Wiener Beratungszentrum „Stern“. Angesiedelt in der Nähe des Pratersterns bietet es auf 200 Quadratmetern tagsüber Aufenthaltsmöglichkeit für 50 wohnungslose Personen. Die betroffenen Personen werden im „Stern“ beraten und betreut, bekommen Kaffee und Tee, haben die Möglichkeit selbst zu kochen und ihre Wäsche zu waschen.


 „Das Stern“ wird von Fachleuten der Wohnungslosenhilfe des Wiener Roten Kreuzes betreut und vom Fonds Soziales Wien unterstützt. Es ist an 365 Tagen im Jahr, jeweils von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Das 26-köpfige Team des „Stern“ – allesamt erfahrene SozialarbeiterInnen und BetreuerInnen – kümmert sich in dieser Zeit um die Bedürfnisse der wohnungslosen Menschen und unterstützt sie dabei, wieder ein eigenständiges Leben in einer eigenen Wohnung führen zu können.



Auch in der Tiroler Landeshauptstadt hat das Rote Kreuz Angebote für wohnungslose Menschen. In Innsbruck bietet die Notschlafstelle „Stille Not“ mit 30 Plätzen ein niederschwelliges Angebot für Obdachlose und in Not geratene Männer und Frauen. Neben der Bereitstellung einer Übernachtungsmöglichkeit werden, je nach Verfügbarkeit, ein warmes Essen sowie die Möglichkeit zu duschen angeboten. Das Angebot umfasst auch Beratung und Betreuung durch Sozialarbeiter. “Unser Ziel ist es, einen geschützten Raum zu schaffen, in dem die Not für einige Stunden gelindert werden kann.“


Mobile medizinische Hilfe


Gemeinsam mit der Caritas betreibt das Rote Kreuz in Tirol ein weiteres Hilfsprojekt für Menschen, die auf der Straße leben. „Medcare“ stellt eine medizinische Basisversorgung für Menschen auf der Straße sicher. In unmittelbarer Nähe des Innsbrucker Bahnhofs findet sich mit „Medcare“ eine stationäre Einrichtung, in der Ärzte, Pflegepersonal und Sanitäter zur Verfügung stehen. Das freiwillige Medizinpersonal ist auch mobil mit einem Bus in der Stadt unterwegs.  


„Wir richten uns an Menschen, die - aus welchen Gründen auch immer - keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben", beschreibt der Tiroler Rotkreuz-Chefarzt und Vizepräsident Dr. Thomas Fluckinger, Initiator und medizinischer Leiter von medcare, die Einrichtung. "Unsere Ärztegruppe, die freiwillig und kostenlos arbeitet, setzt sich aus Ärzten für Allgemeinmedizin und Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen. Darüber hinaus sind auch diplomierte Pflegekräfte und Sanitäter mit dabei, sodass immer ein Arzt, eine Diplomkraft und ein Rettungssanitäter vor Ort sind. medcare ist ein bewusst niederschwelliges Angebot, in dem es erfahrungsgemäß vor allem darum geht, Schmerzen zu behandeln sowie Infekte und Hauterkrankungen zu versorgen."


Ein ähnliches Projekt betreibt das Rote Kreuz, gemeinsam mit der Diakonie, auch in Wien. Die Ordination „Ambermed“ ist im Katastrophenhilfszentrum des Roten Kreuzes in Oberlaa untergebracht und steht Menschen ohne Krankenversicherung offen.

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