11.01.2017 09:30

Winter-Tristesse in Griechenland

Zugige Containerunterkünfte, eingefrorene Wasserleitungen und rauchende Kerosinöfen - die Kältewelle macht den Flüchtlingen in Griechenland sehr zu schaffen, wie zwei Rotkreuz-Delegierte aus dem Norden des Landes berichten.

Winter-Tristesse in Griechenland
Eingefrorene Wasserleitungen

Nach einem heißen Sommer mit Temperaturen um die 43 Grand im Schatten haben die Flüchtlinge in Griechenland nun mit arktischer Kälte zu kämpfen. In den vergangenen Tagen hat die Kältewelle den Norden Griechenlands errreicht. Dort, in einem dünn besiedelten Gebiet zwischen Thessaloniki und der Grenze zu Mazedonien ist das Österreichische Rote Kreuz in drei Flüchtlingslagern aktiv. Rund 1500 Menschen leben in diesen drei Lagern.

"Die Zelte sind zwar im Herbst durch Container ersetzt worden, dennoch sind wir für diese Temperaturen nicht gerüstet", berichtet der ÖRK-Delegierte Florian Haas. "Unter Tags hatte es minus sechs Grad und nachts minus 11. Bei Windgeschwindikeiten von bis zu 30 km/h fühlt sich das deutlich kälter an."

 

Dürftiger Schutz

 

Bei der derzeitigen Kältewelle bieten die dünnwandigen Baucontainer nur dürftigen Schutz. Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften hat Kerosinöfen und Dämmmaterial für die Container verteilt, um die Menschen irgendwie warm zu halten.

 

"Während im Sommer betriebsames Leben herrschte und die Kinder durch das ganze Camp gelaufen sind, sieht man jetzt keine Menschenseele. Die Menschen sitzten in ihren Containern rund um die kleinen rauchigen Kerosienheizungen und warten auf bessere Zeiten", sagt Florian Haas. Einziger Fixpunkt im Tagesablauf ist die Essensausgabe. "Wenn der LKW das Essen anliefert, stellen sich die Menschen bei Schnee und Wind an und warten auf ihre Mahlzeit."


„Durch die extreme Kälte sind die Wasserleitungen eingefroren und wir müssen Wasser in Flaschen und Lastwägen heranschaffen und verteilen“, sagt Christopher Bachtrog. Der Delegierte des Österreichischen Roten Kreuzes ist als Techniker für Wasser, Sanitär und Hygiene im Einsatz. Wirklich menschenwürdig sei die Situation nicht, sagt er. „Insgesamt ist die humanitäre Lage extrem angespannt. Wir helfen nach Kräften, aber können gewisse Rahmenbedingungen auch nicht ändern.“

 

Lichtblick und Menschenwürde

Das Rote Kreuz hat Freiwillige unter den Campbewohnern ausgebildet, die vor allem Hygiene- und Gesundheitsinformationen verbreiten. "Die 'community volunteers' sind jetzt auch im Camp unterwegs. Sie verteilen Informationen, Decken, Schlafsäcke, um  die Situation erträglicher zu machen. Sie leiden wie die anderen Menschen im Camp unter denselben Bedingungen, helfen aber trotzdem oder gerade deshalb. Ohne den unermüdlichen Einsatz dieser Freiwilligen, die selbst auf der Flucht sind, wäre unsere Operation vor Ort gar nicht möglich“, betont Florian Haas.


Ein Lichtblick dieser Tage ist, dass das Cashprogramm diese Woche angelaufen ist. Damit erhalten die Campbewohner direkte Hilfe durch kleine Geldbeträge, die es ihnen ermöglichen, die Dinge des täglichen Bedarfs tatsächlich nach ihrem Bedarf selbst zu besorgen. "Die Menschen sind dankbar für die Unterstützung durch das Rote Kreuz und erhoffen sich durch den kleinen Betragzum Beispiel ihren Kindern die eine oder andere Freude zu bereiten."

 

Rund 55.000 Menschen auf der Flucht befinden sich immer noch in Griechenland, davon ca. 10.000 in privaten Unterkünften, der Rest in rund 40 „permanenten“ Lagern. Derzeit gibt es rund 100 Ankünfte pro Tag. Auf den Inseln sind es rund 15.000 Menschen bei einer Lagerkapazität von rund 7000.

 

Aus Österreich sind vier Rotkreuz-Delegierte für die Menschen auf der Flucht im Griechenlandeinsatz. Das Hilfsprogramm wird aus Mitteln des EU-Büros für humanitäre Hilfe (ECHO) finanziert.

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