19.01.2017 13:39

Erdbeben Italien: Schnee und Eis erschweren Hilfe

Das Italienische Rote Kreuz ist mit hunderten Freiwilligen in der Erdebebenregion im Einsatz. Neuschneemassen und Kälte erschweren die Arbeit der Helfer.

Erdbeben Italien: Schnee und Eis erschweren Hilfe

Nach den gestrigen Erdbeben in Zentralitalien gestaltet sich die Einschätzung der Lage nach wie vor schwierig. Heftige Schneefälle und Vereisungen erschweren es, das Ausmaß des gestrigen Erdbebens zur Gänze einzuschätzen. Die Wetterbedingungen behindern laut italienischem Zivilschutz zusätzlich die anlaufenden Hilfen in dem Erdbebengebiet.

 

In den Regionen Latium und Abruzzen sei die Lage wegen den heftigen Schneefällen der vergangenen zwei Tage besonders problematisch. Tausende Haushalte seien ohne Strom, berichteten die Behörden. Bei einer durch die Erdstöße ausgelösten Lawine wurde ein Hotel im Grand-Sasso-Massiv in den Abruzzen verschüttet, mindestens 30 Menschen werden vermisst und 5 Personen getötet.

 

In der Stadt und der Provinz Rieti wurden zahlreiche Schulen geräumt. Die Bahnverbindungen zwischen L’Aquila und Rieti waren gesperrt, weil die Sicherheit der Strecken überprüft werden mussten. In der italienischen Hauptstadt Rom wurden vorsorglich U-Bahn-Stationen, Schulen und Bürogebäude evakuiert und auf mögliche Schäden überprüft.  

 

Im Abstand von etwa zwei Stunden kam es gestern zu mindestens vier starken Erdstößen. Das Epizentrum der Beben lag wie schon im August 2016 ganz in der Nähe der Stadt Amatrice (ca. 108km nordöstlich von Rom). Die Erdbeben wurden auch in Rom stark gespürt. Weitere Orte, die sehr nah an den Epizentren liegen, sind Ascoli Piceno, Terni und L’aquila. Am 24. August 2016 waren bei einem Beben der Stärke 6,2 in der Nähe von Amatrice 299 Menschen ums Leben gekommen. Es verursachte zudem immense Schäden an Gebäuden und Infrastruktur. Seither wurden mehr als 45.000 Erschütterungen registriert, darunter ein Beben der Stärke 6,6 im Oktober. Ca. 15.000 Menschen wurden seither aus den betroffenen Ortschaften evakuiert und in Notunterkünften und Hotels – hauptsächlich an der Küste – untergebracht.


 Die Regierung hatte schon vor den neuen Erdstößen Soldaten in die Abruzzen geschickt, um bei der Schneeräumung zu helfen; die Räumfahrzeuge kommen aber wegen der Schneemassen nur schlecht vorwärts. Die extremen Witterungsbedingungen hatten vor allem in den Regionen Marken und Abruzzen schon zu Beginn der Woche zu Stromunterbrüchen geführt: Am Dienstag waren insgesamt 300.000 Menschen ohne Elektrizität.

 

Von den Stromausfällen besonders betroffen waren jene Bewohner, die nach den Erdbeben vom vergangenen Jahr in die von der Regierung bereitgestellten Wohncontainer gezogen waren: Die Container werden elektrisch geheizt und konnten aufgrund des Stromausfalls nicht versorgt werden. Zahlreiche Menschen, die nach den Beben von August und Oktober ihre Häuser nicht verlassen mussten, verbrachten letzte Nacht bei klirrender Kälte im Zelt.

 

Rotkreuz-Hilfe in Italien


Die italienische Katastrophenschutzbehörde führt derzeit Lagebeurteilungen durch, die auch vom Italienischen Roten Kreuz unterstützt werden. Aus einigen Ortschaften kommen Rückmeldungen, dass Gebäude, die von den letzten Beben betroffen waren, weiter beschädigt wurden. Das Italienische Rote Kreuz koordiniert seine Aktivitäten aus Rieti und versucht trotz der Witterung, schweres Equipment in die Region zu verlegen.

 

Bis zu 5000 Freiwillige und Rotkreuz-Experten, vorwiegend im Sozialen und Medizinischen Bereich, können aktiviert werden. Über die nationale Hotline 118 werden betroffene Menschen psychologisch betreut. Ausserdem stellt das Rote Kreuz Notschlafstellen in Schulen und Turnhallen bereit. Die Feldküchen bereiten warme Mahlzeiten in Orten, die ohne Strom auskommen müssen.

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