19.01.2017 11:44

"Viel Arbeit, wenig Schlaf, viele positive Erlebnisse"

Rettung auf hoher See war gestern das Thema einer spannenden Begegnung im Generalsekretariat des ÖRK. Rotkreuz-Arzt Michael Kühnel und Markus Winhofer von Schiebel berichteten über ihren Einsatz im Mittelmeer.

"Viel Arbeit, wenig Schlaf, viele positive Erlebnisse"

Rettung auf hoher See war gestern das Thema einer spannenden Begegnung im Generalsekretariat des ÖRK. Rotkreuz-Arzt Michael Kühnel und Markus Winhofer von Schiebel berichteten über ihren Einsatz im Mittelmeer. Beide waren auf den Rotkreuz-Rettungsschiffen mit dem Auftrag, Flüchtlinge aus Seenot zu retten, unterwegs. Michael Kühnel als medizinischer Leiter auf der Responder und Markus Winhofer als Drohnenoperator auf dem Schwesternschiff Topas.


Die Firma Schiebel stellt mit einer unbemannten Kamera-Drohne quasi das verlängerte Auge der Rettungsschiffe. Die Schiebel-Drohne ist ausgeschwirrt, um Flüchtlingsboote im Meer zu entdecken. In der Podiumsdiskussion erläutert er den typischen Ablauf eines solchen Sucheinsatzes.



Für den Betrieb des „Camcopters“ sind zwei Personen notwendig, die als „Fernpiloten“ die fliegende Plattform steuern und den Einsatz mit den Behörden und der Schiffscrew koordinieren. „Der Camcopter fliegt vorher abgestimmte Bereiche des Meeres ab. Wir betreiben Seeaufklärung nach einem standardisierten Rastersystem. Ein Solcher Raster hat eine Seitenlänge von 65 Kilometern, den fliegen wir in fünf Stunden ab. Das entspricht in etwa der Größe des Burgenlandes.“


Die Drohne sendet Videobilder in Echtzeit an die Kontrollstation am Schiff, die dort ausgewertet werden. Zur Identifikation der Schiffe, um abzuklären, ob es sich tatsächlich um ein Flüchtlingsboot handelt, werden auch Infrarot-Wärmebilder eingesetzt. „Wir stehen auch in laufendem Kontakt mit der Einsatzzentrale in Rom, die eine Übersicht über den gesamten Schiffsverkehr in der betreffenden Region haben“, erklärt Winhofer. „Je nach Zustand des aufgefundenen Bootes werden Schiffe in der Nähe zur Rettung beordert.“


Dass die Kameradrohne ein äußerst hilfreiches Instrument für die Mission der Rotkreuz-Rettungsschiffe war, bestätigt Michael Kühnel. Der Wiener Arzt hat im November seine Ordination gegen den Mittelmeereinsatz getauscht. Der einsatzerprobte Rotkreuz-Delegierte war an Bord des Rettungsschiffs Responder für die medizinische Versorgung der Geretteten zuständig.



„Hoher Seegang gepaart mit kleinen Schlauchbooten machte es uns oft sehr schwierig, die Boote nicht zu übersehen. Eines haben wir zum Beispiel nur gefunden, weil eine Kollegin zufällig in der Nacht zum Telefonieren an Deck ging und die Hilferufe aus dem Meer gehört hat. Die meisten Bergungen fanden zwischen 4 Uhr 30 und sechs Uhr in der Früh statt“, berichtet er. Die frühe Tagwache hat sich jedenfalls gelohnt. Die beiden Rotkreuz-Schiffe haben während ihres Einsatzes über 9.000 Menschen aus den Fluten geborgen.


Oft schloss sich eine Bergung nahtlos an die nächste an. „Je nach Größe des Flüchtlingsbootes dauerten die Bergungen zwischen einer und vier Stunden. An Bord wurden unsere Gäste mit einem medizinischen Kurzcheck empfangen. Dann gab es Verpflegung, trockene Kleidung und warme Decken“, berichtet Kühnel. „Es gab wenig Schlaf, viel Arbeit, aber auch sehr viele positive Erlebnisse“, resümiert er seinen Einsatz.

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