24.04.2017 11:38

Ethik ist gefragt

Dr. Georg Semler, Vorsitzender vom Rudolfinerhaus, über die Freundschaft mit dem Roten Kreuz.

Ethik ist gefragt
Dr. Georg Semler, Vorsitzender vom Rudolfinerhaus
©Doris Kucera

Das Rudolfinerhaus und das ÖRK kooperieren seit 1912. Wie ist die Zusammenarbeit entstanden und in welche Richtung hat sie sich entwickelt?

Georg Semler: Bereits im Jahr 1912 schloss der Träger des Hauses, der Rudolfinerverein, ein Übereinkommen mit dem Patriotischen Hilfsverein vom Roten Kreuz in Österreich. Der Verein verpflichtete sich Pflegerinnen und Gebäude im Bedarfsfall zu Verfügung zu stellen und durfte im Gegenzug das Zeichen des Roten Kreuzes weitertragen. Schon kurz nach dem Abschluss dieses Vertrages brach der Krieg am Balkan aus und das Rudolfinerhaus entsandte im Namen des Roten Kreuzes Pflegerinnen zur gesundheitlichen Versorgung von Soldaten und der Bevölkerung nach Bulgarien, Montenegro und Albanien.

Mit Beginn des ersten Weltkrieges 1914 wurde das Rudolfinerhaus Lazarett des Roten Kreuzes. Um dem massiven Bedarf an Pflegerinnen für die Kriegskrankenpflege gerecht zu werden, wurde die Pflegerinnenausbildung forciert, halbjährlich bot das Rudolfinerhaus Ausbildungskurse an. Pflegerinnen, die im Rudolfinerhaus ausgebildet wurden, versahen an den verschiedenen Kriegsschauplätzen und Lazaretten Europas ihren Dienst.

Damals, wie heute ist der Zweck des Rudolfiner-Vereins die theoretische und praktische Aus- und Weiterbildung von Pflegepersonal, die Behandlung von Kranken und Verletzten, die Gesundheitsvorsorge und die Altenpflege. Der Vereinszweck wird durch die Führung der Bildungseinrichtung (Campus am Rudolfinerhaus), dem Betrieb des Krankenhauses Rudolfinerhaus Privatklinik sowie durch Kooperationen mit anderen Institutionen erfüllt.

Durch den Betrieb eines mit besonderer Rücksicht auf die Aus- und Weiterbildung von Pflegepersonen errichteten Krankenhauses wird der Vereinszweck im Sinne der praktischen Ausbildung auf höchstem Niveau (Evidence Based Nursing) umgesetzt.


Was verbinden Sie mit der Arbeit des Roten Kreuzes?

Semler: Der Rudolfiner-Verein trägt durch eine enge Kooperation mit dem Österreichischen Roten Kreuz dazu bei, das humanitäre Engagement seiner Gründer weiterzuführen und bekennt sich zur Beachtung der sieben Grundsätze der Rotkreuz- / Rothalbmondbewegung (Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität) und der damit verbundenen humanitären Gesinnung, welche wortgleich auch in den Statuten des Rudolfiner-Vereins abgebildet sind.

Was wünschen Sie sich als Rudolfinerhaus in punkto gesellschaftlicher Verantwortung von den Entscheidungsträgern?

Semler: Praxisnahe Humanität, überparteiliche Hilfe und Handeln nach ethischen Grundsätzen.

Welche sozialen Herausforderungen sind Ihrer Meinung nach besonders akut?

Semler: Aufgrund der globalen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen sind die Integration von Flüchtlingen und die Bekämpfung der Armutsfalle, für Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben, besonders aktuell.

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