04.05.2017 08:59

"Hilfe zur Selbsthilfe"

Walter Rothensteiner, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Raiffeisen Bank International, sieht Integration als Gemeinschaftsprojekt.

"Hilfe zur Selbsthilfe"
Walter Rothensteiner von der RBI unterstützt den Rotkreuz-Benefizabend.©Pia Morpurgo

Sie sind dem Roten Kreuz persönlich seit vielen Jahren verbunden. Welche Gemeinsamkeiten sehen Sie zwischen Raiffeisen und dem Roten Kreuz?

Walter Rothensteiner:
Ich sehe vor allem zwei: Beide haben den Menschen im Mittelpunkt des Tuns. Und ich weiß schon, das klingt jetzt - zumindest was Raiffeisen betrifft - nach Standardaussage aus dem Unternehmensleitbild. Triebkraft für unsere rund 1.500 selbständigen Genossenschaften im ganzen Land ist aber nach wie vor das alte Motto von Friedrich Wilhelm Raiffeisen "Was einer allein nicht schafft, dass schaffen viele." Und das zeigt auch bereits die zweite Gemeinsamkeit: Rotes Kreuz und Raiffeisen werden - auch - vom ehrenamtlichen Engagement unzähliger Frauen und Männer getragen. Nur so gelingt eine derart große Verwurzelung und Präsenz im ganzen Land.

Warum engagieren Sie sich anlässlich des Benefiz-Abends für Integrationsprojekte des Roten Kreuzes?

Rothensteiner: Weil auch im Thema Integration nicht einer allein alles leisten kann. Kein Minister, keine Behörde. Integration lebt - neben der generellen Bereitschaft dazu - von vielen kleinen Schritten im Alltag, letztlich von der Begegnung mit Menschen. Unsere Raiffeisen Bank International betreut 17 Millionen Kunden in 15 Ländern - also mit Begegnung kennen wir uns aus.

Was wünschen Sie sich als engagiertes Unternehmen in punkto gesellschaftlicher Verantwortung von den Entscheidungsträgern?

Rothensteiner: Von denen in der Politik, dass sie uns nicht zu Tode regulieren. Ich würde viele der dafür aufgewandten Ressourcen gerne sinnvoller für soziale, kulturelle und ökologische Vorhaben einsetzen. Und von allen Entscheidungsträgern bei Raiffeisen wünsche ich mir, dass sie bei allem nötigen Über- und Weitblick nie den Menschen übersehen, der gerade jetzt vor ihnen steht.

Welche sozialen Herausforderungen sind Ihrer Meinung nach besonders akut?

Rothensteiner: Neben vielen anderen scheint mir das Thema "working poor" immer drängender. Wenn also Menschen trotz Vollzeitbeschäftigung arm oder von Armut bedroht sind. Das hat Auswirkungen, die weit über das Schicksal des Einzelnen hinausgehen. Daher muss es unser aller Ziel sein, Menschen zu einem möglichst gelungenen Leben aus eigener Kraft zu befähigen. Auch in diesem Punkt kann der genossenschaftliche Ansatz der "Hilfe zur Selbsthilfe" eine gute Handlungsanleitung sein.

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