22.06.2017 10:22

Mossuls Bevölkerung eingekesselt

Die Flucht aus der Altstadt Mossuls bedeutet oftmals den Tod, das Ausharren aber auch. Die Rolle medizinischer Helfer ist extrem beslatend.

Mossuls Bevölkerung eingekesselt
Kinder sind die unschuldigsten Opfer des Krieges ©ICRC

Die Kämpfe in Mossul werden jeden Tag schlimmer. In den engen Straßen in der Altstadt sitzen immer noch zehntausende Zivilisten fest. Bleiben könnte den Tod bedeuten, ein Fluchtversuch wäre ebenso ein Todesurteil. Um aus der Stadt hinauszukommen, müssen Männer, Frauen und Kinder einen Spießrutenlauf durch Granaten, Bomben und Kugelhagel auf sich nehmen.

ICRC in Mossuls Krankenhaus

Das Internationale Komittee vom Roten Kreuz (ICRC) unterstützt das Krankenhaus in Mossul, das nur wenige hundert Meter von den Kämpfen entfernt liegt. Die Patienten strömen geradezu in das Krankenhaus. "Diese und vergangene Woche sind die meisten von ihnen Kinder", sagt Guido Versloot, Psychotherapeut vom ICRC. "Wir sehen hier so viele Kinder, so viele Opfer. Die meisten von ihnen wurden auf ihrer Flucht aus Mossul heraus verwundet. Manche kehrten auch in ihre Häuser zurück, in denen explosive Stoffe waren", fügt er hinzu.

Einst wurden in Mossuls Krankenhaus verstauchte Handgelenke behandelt und Babies geboren. Heute ist praktisch jeder Patient im Krieg verwundet worden. Die Kriegsverletzungen sind furchtbar, wie die ICRC-Krankenschwester Ruth Mudasisan erklärt: "Die meisten unserer Patienten sind Opfer von Explosionen und Schüssen". 

Kinder verlieren alles

Das ICRC ruft erneut alle Parteien dazu auf, alles dafür zu tun um Zivilisten zu schützen. Die physischen und psychischen Narben sind vor allem für die Kleinsten prägend. "Jeder kommt mit seiner persönlichen Geschichte zu uns, vor allem die Kinder", so Versloot und fügt hinzu: "Sie wollen von uns wissen ob ihre Eltern und Geschwister überhaupt noch am Leben sind". Mossuls Kinder brauchen Unterstützung, viele von ihnen haben ihr zu Hause und ihre Familie im Krieg verloren. Ihr Leben hat sich dadurch für immer verändert, das ICRC versucht sie auf ihrem schwierigen Weg zu unterstützen.

Krankenschwester Ruth kennt das aus ihrem Alltag: "Die Kinder weinen, sie wollen zu ihrem Vater oder ihrer Mutter und nach Hause". Die Helfer im Krankenhaus müssen ihnen dann sagen, dass es das alles nicht mehr gibt. "Wir müssen aber stark bleiben, weil wir den Kindern den Mut geben müssen, weiterzumachen", fährt sie fort. Mossuls Kinder spielen keine Rolle im Konflikt, sie sind keine Angreifer, sie sind keine Verteidiger, sie sind einfach Kinder. Alle Parteien wären dafür zuständig, dass ihnen nichts passiert.

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