30.08.2017 09:10

Wenn Menschen verschwinden

Am 30. August ist Tag der Verschwundenen. Noch nie gab es so viele Vermisste: Praktisch jedes Land ist betroffen.

Wenn Menschen verschwinden
Weltweit gelten mehr als zwei Millionen Menschen als Verschwunden.©ÖRK/Holly Thomas Kellner

Wenn Menschen nicht wissen, wo sich ihre Angehörigen befinden und was mit ihnen passiert ist, lässt ihnen das keine Ruhe. Die Ungewissheit ist eine Qual. Die Zahl der Menschen, die aufgrund von Kriegen und Konflikten gewaltsam von ihren Familien getrennt wurden, geht in die Hunderttausende. Andere werden unbegründet durch staatliche Organe festgehalten oder verschleppt, zum Gedenken an sie wurde der Tag der Verschwundenen ins Leben gerufen.

"In Westeuropa gibt es zum Glück keine Staaten mehr, die Menschen verschwinden lassen", sagt Rotkreuz-Generalsekretär Werner Kerschbaum. "Aber es kommen Menschen aus Ländern zu uns, wo das noch passiert. Viele von ihnen werden auf der Flucht von ihren Angehörigen getrennt und haben dann dasselbe schreckliche Gefühl, nicht zu wissen, wo ihre Verwandten sind." Der Suchdienst des Österreichischen Roten Kreuzes hilft den Betroffenen dabei, sie zu finden.

Trace the Face

Sekeriye zum Beispiel, der mit seiner Familie vor einer Bedrohung in Somalia fliehen musste, landete alleine - im Alter von 16 Jahren - 2015 in Österreich. Als er sich an das Rote Kreuz wandte, lud der Suchdienst ein Foto von ihm auf www.tracetheface.org hoch - und jemand aus seiner Heimat erkannte ihn. So erfuhr er, dass sein Mutter in einem Camp im Dorf Ferfer lebte. "Ich war so froh, das kann ich gar nicht beschreiben. Obwohl ich nicht happy war zu erfahren, dass meine Mutter in einem Camp lebt. Seitdem telefonieren wir oft. Dafür bin ich sehr dankbar."

Auf der Web-Plattform trace the face sind mehr als 3.300 Fotos zu finden. Der Suchdienst wird aber auch offline tätig und leistet kostenlose Detektivarbeit. 2016 hat das Österreichische Rote Kreuz 2.177 Personen gesucht. Zwei Drittel der Fälle betreffen aktuelle Konflikte und Migrationsbewegungen. Die meisten Personen kommen aus Afghanistan, Somalia, und Syrien und die Aufklärungsquote liegt bei rund 10 Prozent.

Ein Drittel der Fälle betreffen ältere Konflikte bis zurück zum Zweiten Weltkrieg: Dabei sind die Erfolgschancen weit höher. Von Flucht und Vertreibung sind weltweit 65 Millionen Menschen betroffen, darunter 22,5 Millionen internationale Flüchtlinge - das ist der höchste jemals registrierte Stand. Weltweit gelten mehr als zwei Millionen Menschen als verschwunden.

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