25.10.2017 10:23

Ein Kurs, der Türen öffnet

Migrants Care gibt Migranten die Möglichkeit, in der Pflege und Betreuung Fuß zu fassen.

Ein Kurs, der Türen öffnet
Sima aus Afghanistan in einem Kurs von Migrants Care. ©ÖRK/LV Wien/Holly Kellner

Sima N. aus Afghanistan hatte eigentlich Design studiert, bevor das Leben sie mit dem Thema Pflege in Berührung brachte. "Nachdem mein Vater einen Herzinfarkt erlitten hatte, war ich lange Zeit für ihn zuständig. Ich hätte ihn auf keinen Fall allein gelassen. In Afghanistan gibt es keine Pflegeheime. Wenn jemand intensive Betreuung braucht, kümmern sich seine Angehörigen um ihn, niemals fremde Menschen", erzählt die 27-Jährige. Sima berichtet von der Zeit, in der sie sich um ihren Vater kümmerte, wobei sie die Probleme der älteren Generation und den Umgang mit ihnen lernte. "Ich war bis zum letzten Tag bei ihm", sagt sie.

Ausbildung zur Pflegeassistentin


Sima kam im Jahr 2012 mit ihrer Mutter nach Österreich und zog eine Ausbildung im Pflegebereich in Erwägung. 2015 entschied sie sich, in Wien das Projekt Migrants Care zu besuchen und die Erfahrungen, die sie mit ihrem Vater gemacht hatte, einzubringen. Nach einem Jahr des intensiven Deutschlernens begann sie 2016 ihre Ausbildung zur Pflegeassistentin, die sie im Frühjahr 2017 abschloss.

Kollegen als wichtige Stütze


Zuvor hatte Sima eine erneute Belastung zu bewältigen: Ihre Mutter erlitt einen Schlaganfall und war von da an auf Hilfe angewiesen - also pflegte sie während der Ausbildung auch noch ihre Mutter. Doch ans Aufgeben dachte sie nie: "Natürlich war es schwer, aber ich hatte das Ziel, den Kurs abzuschließen. Außerdem waren mir meine Kollegen von Migrants Care eine wichtige Stütze. Manchmal habe ich sie gebeten, mich einfach in den Arm zu nehmen. Wir gehen zwar alle anders mit Problemen um, aber wir haben alle ein Herz."

Derzeit bewirbt sich Sima in Spitälern und wird bald zur Studienberechtigungsprüfung antreten. Sie möchte Sozialpädagogik oder Krankenpflege studieren und weiß, dass ihre Entscheidung für den Pflegebereich richtig war. In Österreich sind rund 25.400 Migranten in Betreuungsberufen tätig. Das ist mehr als ein Viertel aller Fachkräfte in diesem Bereich. Beim Versuch, sich in diesem Berufsfeld einzubringen, sind oft fehlende Deutschkenntnisse hinderlich.

Was ist Migrants Care?

In sechswöchigen Kursen werden Menschen mit nicht deutscher Muttersprache auf eine Ausbildung im Pflege- und Betreuungsbereich vorbereitet. Neben dem Besuch von Deutschkursen des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) erhalten die Menschen im Ausbildungszentrum des Wiener Roten Kreuzes einen Einblick in den Schwerpunkt Pflege. Auf dem Lehrplan stehen Schnupperpraktika, Gastbesuche in Berufsausbildungsstätten, Bewerbungscoachings und ein Anti-Rassismus-Training. Projektträger ist die BundesarbeitsgemeinschaŽft Freie Wohlfahrt (Österreichisches Rotes Kreuz, Hilfswerk, Caritas, Volkshilfe und Diakonie). Seit 2012 wird das Projekt vom Außenministerium finanziert und vom Wiener Arbeitnehmer-Förderungsfonds, dem Arbeitsmarktservice und dem ÖIF unterstützt.

socialshareprivacy info icon