27.11.2017 11:09

Jemen: Höchste Zeit zu handeln

Rotes Kreuz hilft vor Ort – Lockerung der Blockade nur Teil der Lösung.

Jemen: Höchste Zeit zu handeln
Seit Mai herrscht Notstand in Jemens Hauptstadt Sanaa. ©EPA

Es ist ein Hoffnungsschimmer, aber nicht mehr: Erstmals seit drei Wochen sind in Jemens Hauptstadt Sanaa wieder Flugzeuge mit Hilfslieferungen und Mitarbeitern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz eingetroffen. In dem arabischen Land herrscht Krieg, und eine von Saudi Arabien angeführte Koalition hatte eine Handels-Blockade verhängt. Die Lage bleibt weiter dramatisch: Immer noch sind 20 Millionen Menschen, also über 80 Prozent der Bevölkerung, auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Seit April 2017 sind außerdem über 940.000 Menschen an Cholera erkrankt, die aufgrund der zerstörten Infrastruktur nur schwer versorgt werden können. Nicht abtransportierter Müll und Abfälle sowie die mangelnde Wasserversorgung führen in den Städten zu katastrophalen hygienischen Bedingungen. Darüber hinaus sind 17 Millionen Menschen mit dem Problem unzureichender Nahrungsmittelversorgung konfrontiert. Mehr als drei Millionen Menschen, darunter 2,2 Millionen Kinder, leiden an Mangelernährung.

"Jemen muss für die Lieferung von Hilfsgütern weiter zugänglich bleiben, sonst wäre es für viele Menschen zu spät", sagt Christopher Jahn, Leiter der Abteilung Internationale Katastrophen und Krisen des Österreichischen Roten Kreuzes. "Der Einlass von Hilfsgütern kann nur ein Teil der Lösung der Jemen-Krise sein. Kommerzielle Importe werden darüber hinaus dringend gebraucht." Das Land, in dem sich die Preise seit Beginn des Konflikts 2015 mehr als verdoppelt haben, ist auf den Import von Nahrungsmitteln angewiesen.

Aufgrund der Blockade war in vielen Städten die Bereitstellung von sauberem Wasser wegen fehlenden Treibstoffes eingestellt worden, was die Gefahr eines erneuten Ausbruchs von Cholera und anderen durch Wasser übertragene Krankheiten erhöht. Auch Österreich hatte dazu beigetragen, dass die internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung im Jemen helfen kann: Aus dem Auslandskatastrophenfonds waren insgesamt 1,5 Millionen Euro zur Finanzierung dringender Hilfe bereitgestellt worden.

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