Weltkatastrophenbericht 2011
Humanitäre Katastrophen haben viele Ursachen: Die schweren Katastrophen der Jahre 2010 und 2011 verdeutlichen, wo die größten Herausforderungen für die humanitäre Hilfe liegen.
"So unterschiedlich etwa das Erdbeben in Haiti, die Überflutungen in Pakistan, das Erdbeben und der folgende Tsunami in Japan oder die noch immer andauernde Hungerkatastrophe in Ostafrika auch sind, eines ist ihnen gemeinsam: ihre Ursachen sind multikausal – das heißt ein ganzes Bündel an Ursachen hat die Katastrophe ausgelöst", sagt Max Santner, Leiter der Internationalen Hilfe im Österreichischen Roten Kreuz.
Zum Beispiel die aktuelle Hungerkatastrophe in Ostafrika: "Die Kombination aus Dürre, ungerechter globaler Agrarpolitik und bewaffneten Konflikten verschärft die Situation enorm."
Nachhaltige Sicherheit
"Kriegerische Auseinandersetzungen und Umweltkatastrophen machen etwa 10 Prozent der Ursachen von Hunger und Unterernährung aus", erklärt die Sozioökonomin Petra Gruber von der Kepler-Universität Linz. "Sie sind allerdings dazu angetan, die strukturellen Ursachen von Hunger und Unterernährung zu verschärfen."
Grubers Forschungsschwerpunkt ist das Thema nachhaltige Ernährungssicherung. "Armut und fehlende Zugangsberechtigungen der Menschen zu den Ressourcen wie fruchtbarer Boden, Wasser und Saatgut sowie zu Informationen, Einkommen und Kapital, als auch der mangelnde Zugang zu sozialer und materieller Infrastruktur führen zu Hunger und Unterernährung", pflichtet sie Santner bei. "Berücksichtigt man neben den natürlichen Grundlagen und der materiellen Basis auch das erforderliche Human-, Sozial- und Finanzkapital, dann sind jene Ressourcen benannt, die es für eine nachhaltige Ernährungssicherung braucht."
Links
Der Report erscheint seit 1993 mit jährlich wechselnden Schwerpunktthemen. Heuer stehen Hunger und Mangelernährung im Zentrum. Zusätzlich beinhaltet der World Disasters Report umfassendes Datenmaterial zu den Katastrophen der vergangenen zehn Jahre.
Rotkreuz-Forderung
Die humanitäre Hilfe in Österreich ist chronisch unterfinanziert.
Ein Anfang wäre es, den Auslandskatastrophenfonds mit 20 Millionen Euro zu dotieren und die Mittel für bilateral gestaltbare Entwicklungszusammenarbeit auf 200 Millionen Euro aufzustocken.
