Hauptversammlung 2016

Die Hauptversammlung des Roten Kreuzes ist traditionell eine Rückschau auf das vergangene Jahr und gleichzeitig eine Vorschau auf zukünftige Herausforderungen.

 

Wie Rotkreuz-Präsident Schöpfer in seiner Rede bilanzierte, hat und wird die Flüchtlingshilfe das Rote Kreuz in großem Ausmaß beschäftigen: "Oft hat uns die Flüchtlingsfrage bis zur Erschöpfung beschäftigt. Ihre Dimension war mit dem herkömmlichen politischen Instrumentarium nicht zu bewältigen. Aber wer gedacht hat, dass auch der Zivilgesellschaft rasch der Atem ausgeht, der wurde eines Besseren belehrt. Deshalb sollte uns auch die künftige Entwicklung nicht entmutigen." 

 

1,2 Millionen Menschen sind im Vorjahr durch Österreich gekommen. Inzwischen sind die Transitquartiere leer. "Jetzt geht es um den nächsten Schritt, die Integration", betonte Schöpfer. "Auch dabei wird es ohne Zivilgesellschaft nicht gehen. Es ist noch ein weiter Weg, bis alle, die zu uns gekommen sind, auch hier angekommen sind."

 

Wie wichtig es sei, den Neuankömmlingen von Anfang an Bildungs- und Berufschancen zu eröffnen, auch zum Nutzen der eigenen Bevölkerung, betonte auch Flüchtlingskoordinator Christian Konrad in seiner Ansprache.

 

"Besonders die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge liegen mir am Herzen. Das sind rund 11.000 junge Menschen, die muss man ordentlich betreuen, denn die sind die Keim- und Brutstätte für schwierige soziale Situationen in der Zukunft, um es vorsichtig auszudrücken. Das sind die Leute, die dann für revolutionäre Ansätze viel leichter zugänglich sind", führte Konrad aus. "Jugendliche, die schon Monate da sind und aus Ländern kommen, die eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für Asyl haben, die müssen in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden. Wenn sie keine Beschäftigung haben dürfen, sind sie anfällig für destruktive Ideen und dann haben wir das Problem. Und zwar wir. Ein Sicherheitsproblem. Daher sind wir gut beraten, aktiv zu werden und uns dieser Jugendlichen anzunehmen und sie entsprechend zu betreuen."

 ...bitte lesen Sie nach der Bildergalerie weiter.

Ehrenmitgliedschaft für Bruno Wögerer

Durch die Flüchtlinge sind etwa 13.000 Schulkinder hinzugekommen. "Als einen Schwerpunkt für die Integrationsarbeit haben wir die Lernhilfe als Angebot beschlossen", so Schöpfer. "Das Asylverfahren darf nicht zu verlorenen Jahren verkommen. Angebote wie gemeinnützige Arbeit helfen auch bei der Vermittlung europäischer Werte. Bedarf und Bereitschaft sind da."

Beide Redner waren sich einig, dass das zum Teil "übermenschliche Engagement" in der Rotkreuz-Familie einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen der Flüchtlingshilfe geleistet hat. Im Angesicht von hunderten Ertrinkenden im Mittelmeer seien wir ohnmächtig. "Was wir aber tun können ist, in unserem unmittelbaren Bereich zu helfen. So weit der eigene Arm reicht, kann man etwas tun. Euer Beispiel beim Roten Kreuz ist wunderbar, daher tragt ihr zu Recht Euren schönen Spruch 'Aus Liebe zum Menschen'", schloss Christian Konrad. 

 

Im Rahmen der Hauptversammlung wurde der scheidende Präsident des Rotkreuz-Landesverbandes Burgenland, Bruno Wögerer, zum Ehrenmitglied ernannt. "Bruno Wögerer hat seine zahlreichen Fähigkeiten in den Dienst des Roten Kreuzes gestellt. Die des Kaufmanns, des Soldaten, des Lehrers, des Politikers, des Psychologen und vor allem die Ausdrucksfähigkeit seiner humanistischen Bildung", so Präsident Schöpfer in seiner Laudatio.

 

Im Zuge der Hauptversammlung wird auch der Rotkreuz-Jahresbericht von der Geschäftsleitung präsentiert. Für das Jahr 2015 zeugt der gedruckte Bericht in neuer Form mit Reportagen und Zahlen von der Vielfältigkeit der Rotkreuz-Arbeit. Hier geht es zur Online-Version. Weiters werden besonders verdiente Mitarbeiter mit den Ehrenpreisen aus der Dr. Lauda-Stiftung ausgezeichnet. Zu den Bildern der Preisträger geht es hier. 

socialshareprivacy info icon