„Generation Facebook“ im Einsatz für den Menschen
„Jugendliche zeigen grundsätzlich eine sehr große Bereitschaft zu freiwilligem Engagement und nennen Spaß, anderen zu helfen, Menschen zu treffen und Freunde zu gewinnen als Gründe für ihre freiwillige Tätigkeit“, gibt Dr. Werner Kerschbaum, stv. Generalsekretär einen ersten Einblick in das Thema Freiwilligenarbeit, Schwerpunkt Jugend. Nachstehende Zahlen sollen dies noch verdeutlichen:
Jugendliche stark engagiert
Unter Jugendlichen (15 bis 29-Jährigen) ist freiwilliges Engagement stark verbreitet, mit einer Beteiligungsquote von 44, 5 % entspricht sie fast jener der Erwachsenen. Bezogen auf die formelle Freiwilligkeit (= im Kontext einer Organisation) liegt dieser Wert bei 30 %. (Quelle Mikrozensus-Zusatzerhebung 2006 des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz).
Allgemein festgehalten werden kann, dass Burschen im Vergleich zu Mädchen eher freiwillig tätig sind, allerdings sinkt das Engagement mit zunehmendem Alter, während es bei Mädchen zunimmt. Das Engagement der Jugendlichen ist am Land stärker als im städtischen Raum.
Künftige Herausforderungen
Stephanie Hofer vom Kompetenzzentrum Jugend des Schweizerischen Roten Kreuzes (kurz SRK) fasst die aus ihrer Sicht künftigen Herausforderungen im Bereich der Nachwuchsarbeit sowie mögliche Strategien aus Sicht des Kompetenzzentrums wie folgt zusammen:
Die Herausforderung der Partizipation: Die jungen Menschen sollen sich an den Aktivitäten und Entscheidungen der Organisation beteiligen können. Es muss ihnen die Möglichkeit geboten werden, über die Themen, die sie betreffen, sowie über die Gegenwart und Zukunft der Organisation mitzuentscheiden. Sie sollen merken, dass sie wichtig sind für die Organisation.
Die Herausforderung des Handelns: Die jungen Freiwilligen sollen ihre Stärken in ihr Engagement einbringen können und Mitentscheider sein in den Aktivitäten, in denen sie sich engagieren.
Die Herausforderung der Werte: Viele Junge sind motiviert, sich für humanitäre Anliegen einzusetzen und können sich mit den Werten und Grundsätzen der Internationalen Rotkreuz-Bewegung identifizieren. Das Schweizerische Rote Kreuz und seine Organisationen sind für die Verbreitung dieser Werte und Grundsätze, für die Arbeit an der Basis sowie für die freiwillige Tätigkeit in Organen und Gremien auf junge, engagierte Menschen angewiesen. Die Förderung der Jugendarbeit ist daher von großer Bedeutung. Gelingen kann dies, lt. der Expertin aus der Schweiz, durch nachstehende Bemühungen:
Mögliche Strategien
- Wir bauen die Möglichkeiten für junge Menschen aus, sich bei uns zu engagieren. Dazu entwickeln unsere Organisationen lokal verankerte, partizipative Jugendstrukturen. Sie stellen Bildungsangebote bereit, welche die Jungen zur Freiwilligenarbeit befähigen.
- Zur Förderung der Jugendarbeit in den einzelnen Organisationen stellt das Kompetenzzentrum Jugend die Vernetzung, den Wissensaustausch und die Koordination zwischen diesen sicher. Sie berät und unterstützt interessierte Organisationen bei Bedarf.
- Bei der Besetzung von Ämtern in Organen, Gremien und Delegationen streben unsere Organisationen eine angemessene Vertretung junger Menschen an.
- Wir fördern die Zusammenarbeit mit anderen Jugendorganisationen innerhalb und außerhalb der internationalen Rotkreuzbewegung.
Freiwilligkeit verändert sich
Als klarer Trend erkennbar ist die veränderte zeitliche Dimension freiwilligen Engagements: D.h. alternative Konzepte und Angebote werden gebraucht – besonders erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist das sogenannte „Event-Volunteering“ (Beispiel „Team Österreich“). Auch genannt werden sollten in diesem Zusammenhang Begriffe wie:
- Voluntourism: FW-Engagement wird zu einer biografisch integrierbaren Form des Globalen Wirkens. Urlaubszeiten, Sabbatical, Karrierelücken werden mit FW-Engagement vor dem Hintergrund der globalen Vielfalt genützt
- Tauschzirkel: für FW-Leistung erhält man selbst Einheiten an freiwilliger Leistung,
z. B. Gartenarbeit gegen Lernhilfe - Projekt Vernetzte Welten: Mitarbeiter von Wirtschaftsunternehmen arbeiten für ein Projekt bei einer Problemstellung einer NPO mit
Potenziale verstärkt nützen
„Wir im Österreichischen Roten Kreuz sehen in punkto Freiwilligengewinnung vor allem zwei große Chancen. Befragungen zeigen uns, dass als Argumente, sich nicht freiwillig zu engagieren – neben den Zeitfaktor – Antworten wie „niemals gefragt worden zu sein“ bzw. „nie darüber nachgedacht zu haben“ im Vordergrund stehen. Ein Potenzial, dass es künftig verstärkt zu nützen gilt und das beispielsweise in Oberösterreich bereits vorbildmäßig umgesetzt wird“, lobt Kerschbaum beispielsweise die Bemühungen des OÖ Roten Kreuzes mit der kürzlich erfolgreich umgesetzten Freiwilligenkampagne „Wir haben die passende Jacke für dich!“. „Weiters gilt es, den Wandel der Freiwilligenarbeit aktiv zu begleiten, indem ein professionelles Freiwilligenmanagement etabliert wird.“ Auch hierbei nimmt das Land ob der Enns eine Vorreiterrolle ein:
Vorreiter OÖ Rotes Kreuz
Das OÖ Rote Kreuz blickt in punkto Freiwilligenzahlen bis dato – hingegen des allgemeinen österreichweiten Trends – auf eine wahrlich positive Entwicklung zurück: „Wir konnten die Zahl unserer freiwilligen Mitarbeiter seit 1998 um rund 60 % steigern – für diese positive Entwicklung haben wir auch einiges getan. So setzen wir seit vielen Jahren auf ein konsequentes Freiwilligenmanagement mit einem Maßnahmen-Mix aus:
- regelmäßigen Schwerpunktkampagnen zur Gewinnung neuer freiwilliger Mitarbeiter
- Servicierung und Beratung der Interessenten mit Hilfe unserer Freiwilligenkoordinatoren, die an den Ortsstellen jederzeit für Fragen, Wünsche und Anregungen zur Verfügung stehen
- optimale Integration und Ausbildung der Freiwilligen
- regelmäßige Aktivitäten und Veranstaltungen zur langfristigen Bindung
(z.B. der jährliche Rotkreuz-Skitag) - Förderung der Freiwilligkeit durch intensive Lobbyingarbeit (z.B. unser jährliches Freiwilligen-Symposium oder unsere HENRY-Ausschreibung, wo freiwilligenfreundliche Unternehmen prämiert werden)
„Allen gemeinsam ist die Tatsache, dass wir uns nie auf unseren Lorbeeren ausgeruht, sondern uns immer aktiv um Freiwillige bemüht haben. Und das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft, wie uns Markforschungen bestätigen:
So geben etwa 25 bis 30 % der derzeit freiwillig nicht aktiven Oberösterreicher an, sich eine freiwillige Mitarbeit vorstellen zu können. Aktuell ist 1 % der oö. Bevölkerung freiwillig im Roten Kreuz. Wir sehen darin eine große Chance für uns, neue freiwillige Mitarbeiter zu gewinnen“, ist Rotkreuz-Präsident Leo Pallwein-Prettner überzeugt.
Jugendarbeit im OÖ Roten Kreuz
Für das Jugendrotkreuz steht die Arbeit mit und für Kinder und Jugendliche nun seit über 60 Jahren im Mittelpunkt der Bemühungen. Egal ob mit Erste-Hilfe-Programmen, Radfahrprüfungen oder den unterschiedlichen Jugendrotkreuz-Zeitschriften – das Jugendrotkreuz zählt im Schulbereich zum fixen Bestandteil pädagogischer Arbeit. Auch abseits der Schule ist das Jugendrotkreuz mit 130 Jugendgruppen in ganz Oberösterreich aktiv. Ziel ist es, jungen Menschen so früh wie möglich mitmenschliches Verhalten und eine gesunde Lebensweise nahe zu bringen. Mit den vielfältigen Angeboten will das Jugendrotkreuz junge Menschen dabei unterstützen, Eigeninitiative zu entwickeln, Hilfsbereitschaft zu zeigen und Verantwortung für sich und die Mitmenschen zu übernehmen.
130 Jugendgruppen – etwa 2.200 Mitglieder
„Das OÖ Rote Kreuz hat derzeit 130 Jugendgruppen mit etwa 2.200 Mitgliedern im Alter zwischen 8 und 17 Jahren, verteilt auf ganz Oberösterreich. Uns ist in diesem Bereich in den letzten Jahren einiges gelungen: So konnten wir beispielsweise in den letzten fünf Jahren die Anzahl der Gruppenmitglieder um 10 % steigern, von 2.000 auf 2.200 aktive Mitglieder“, freut sich OÖRK-Präsident Leo Pallwein-Prettner.
Innerhalb der Jugendgruppen gibt es viele Möglichkeiten, sich einzubringen und anderen zu helfen: Im Bereich der Ersten Hilfe, wo auch Landeswettbewerbe abgehalten werden, bei der Überreichung des Friedenslichtes in Krankenhäusern oder der Durchführung von sozialen Projekten – helfen hat viele Gesichter. Ebenso am Programm stehen gemeinsame Ausflüge, die Teilnahme an Zeltlagern, sportliche Aktivitäten, basteln, zeichnen, tanzen und vieles, vieles mehr – der Spaß soll dabei keinesfalls zu kurz kommen.
Helfen macht Spaß
„Viele unserer Jugendlichen bleiben der Rotkreuz-Familie auch später noch treu. Ich höre immer wieder Jugendgruppenmitglieder sagen: Ich kann es gar nicht mehr erwarten bis ich 17 bin und endlich die Rettungssanitäterausbildung machen kann.
Erste Hilfe zu leisten ist für die Kids so selbstverständlich, sie möchten ihr umfangreiches Wissen, das sie sich im Laufe der Jahre in ihrer Jugendgruppe spielerisch erarbeitet haben, endlich auch in der ‚Realität‘ anwenden und damit ihren Mitmenschen helfen. Das ist für uns die schönste Bestätigung, dass wir uns mit unserer Jugendarbeit auf dem richtigen Weg befinden. Aktuell bleiben uns 90 Jugendliche pro Jahr als freiwillige Mitarbeiter erhalten. Schwerpunktmäßig bringen sich diese oftmals selbst in der Jugendarbeit ein und werden Jugendbetreuer und/oder widmen sich – wie oben bereits erwähnt – mit Leidenschaft dem Rettungs- und Krankentransport“, beschreibt Pallwein-Prettner.
Die Jugendgruppe Kirchschlag
„Meine Gruppe trifft sich beispielsweise jede zweite Woche. Ich und meine Kollegin betreuen derzeit zehn Kinder im Alter zwischen 11 und 13 Jahren. Ich habe gerade wieder mit einer neuen Gruppe gestartet. D.h. wir haben jetzt einmal viele Kennenlern-Spiele mit den Kids gemacht und sind nun in die Erste Hilfe eingestiegen. Das Thema Erste Hilfe kommt einfach total gut an, die Kinder und Jugendlichen sind extrem neugierig und wissbegierig. Besondere Freude macht es den Kids, wenn sie auf ein konkretes Ziel hinarbeiten können, wie zum Beispiel einen Erste Hilfe-Bewerb. Auch ein von uns durchgeführter Foto-Wettbewerb ist sehr gut angekommen. Highlights bilden natürlich auch gemeinsame Ausflüge“, erzählt die 24-jährige Mag. Katrin Rechberger, Jugendgruppenleiterin und angehende Pädagogin aus Hellmonsödt. Sie selbst ist als 14-Jährige Jugendgruppenmitglied geworden und seit 2003 freiwillig als Jugendgruppenleiterin aktiv.
Vom Jugendgruppenmitglied zur freiwilligen Rettungssanitäterin
Julia Peyreder ist bereits seit zehn Jahren aktives Jugendgruppenmitglied in Kirchschlag: „Wir haben in der Volksschule erstmals von den Jugendgruppen gehört, sind dann einmal hin gegangen und dabei geblieben. Vor allem das Thema Erste Hilfe hat es mir persönlich angetan, mir macht das Helfen unglaublich viel Spaß. Auch das Basteln für Weihnachtsmärkte oder das Mithelfen bei der Organisation von Rotkreuz-Bällen mache ich persönlich sehr gerne. Natürlich auch die Gruppe an sich möchte ich nicht mehr missen, da haben sich echte Freundschaften ergeben. Mit zwei weiteren Mädels aus meiner Gruppe mache ich beispielsweise im Sommer den Sani-Kurs. Es wird höchste Zeit, dass wir endlich im realen Leben zeigen können, was wir gelernt haben“, so die 17-jährige Schülerin des Akademischen Gymnasiums in Linz über ihre Zukunft in der Rotkreuz-Familie.

