03.01.2012

Europäisches Jahr der Freiwilligkeit: OÖ. Rotes Kreuz zieht Bilanz und übt Kritik am Freiwilligengesetz

Knapp 17.500 freiwillige Mitarbeiter stellten im vergangenen Jahr ihre Freizeit in den Dienst des OÖ. Roten Kreuzes. Knapp die Hälfte davon im Rettungs- und Krankentransport. Künftige Herausforderung ist der Ausbau der 'Gesundheits- und Sozialen Dienste'.

Mit dem Jahr 2011 endete  zugleich auch das ‚Europäische Jahr der Freiwilligkeit‘. Das OÖ. Rote Kreuz verfolgte in diesem neben der Gewinnung von freiwilligen Mitarbeitern das Ziel, Politik und Bevölkerung auf die Bedeutung von Freiwilligkeit aufmerksam zu machen: "Freiwilliges Engagement ist in unserer Gesellschaft ein unersetzbares Gut. Viele Dienste könnten schlichtweg nicht angeboten werden, würde sich nicht knapp die Hälfte der oberösterreichischen Bevölkerung freiwillig engagieren", erklärt der OÖ. Rotkreuz-Präsident Dr. Walter Aichinger.

 

Freiwilligengesetz bringt nicht den erwarteten Rückenwind
Als keinen großen Wurf, gar herbe Enttäuschung, sieht der Präsident der größten humanitären Hilfsorganisation des Landes das vorgesehene Freiwilligengesetz. Vor allem inhaltlich bietet dieses keine Perspektiven: „Wir als Rotes Kreuz forderten ein Gesetz, das freiwilliges Engagement sichert und dieses darüber hinaus ausbaut. Im vorliegenden Entwurf finden sich jedoch keinerlei Ansatzpunkte zur Weiterentwicklung der Freiwilligkeit. Schon im Rahmen der Begutachtungsfrist übten wir Kritik, aber offensichtlich ohne Wirkung.“ 

 

Im Kern regelt das Freiwilligengesetz das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) - dessen Verankerung wir im Roten Kreuz prinzipiell begrüßen - welches derzeit rund 400 junge Menschen absolvieren: „Laut Freiwilligenbericht engagieren sich rund drei Millionen Österreicherinnen und Österreicher für die Gesellschaft. Das Gesetz hat somit eindeutig die falsche Stoßrichtung“, so Aichinger.

 

Einen weiteren Kritikpunkt stellt die Regelung dar, dass Absolventen des Freiwilligen Sozialen Jahres generell keine Tätigkeiten ausüben dürfen, die auch von bezahlten Dienstnehmern übernommen werden. Das bedeutet, FSJ-Teilnehmer dürfen nur für sinnlose, unnötige Aufgaben eingesetzt werden: „Diese Regelungen sind für uns und die Freiwilligenarbeit generell eindeutig kontraproduktiv“.

 

Schwerpunkt im Jahr 2012 bildet Pflege und Betreuung
Laut Aichinger spielt Freiwilligkeit in den kommenden Jahren eine größere Rolle als je zuvor. Umso wichtiger wäre hierfür gesetzlicher Rückhalt: Bereits in 20 Jahren wird ein Drittel der österreichischen Bevölkerung über 60 Jahren alt sein. Dadurch steigt der Anteil an hochbetagten Menschen, die einer Betreuung bedürfen: „Wir müssen uns bereits jetzt auf den Ausbau des Leistungsbereiches ‚Pflege und Betreuung‘ konzentrieren um künftig flächendeckend in unserem Bundesland soziale Dienste anbieten zu können.

 

Viele Angebote, wie beispielsweise Essen auf Rädern, der Besuchsdienst oder aber auch psychosoziale Betreuungen werden zumeist von freiwilligen Mitarbeitern übernommen“, erklärt Aichinger. Aber auch die noch „jungen“ freiwillig organisierten Bereiche wie Hospiz oder Sozialmärkte werde man ausbauen müssen, um die künftige Nachfrage befriedigen zu können.

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