OÖ. Jugendrotkreuz baut Angebot der "Peergroup-Education" aus
"Junge Menschen so früh wie möglich zu humanitärer Gesinnung, zu mitmenschlichem Verhalten und zu gesunder Lebensweise hinzuführen", so lautet die Mission des Oberösterreichischen Jugendrotkreuzes. Mit den vielfältigen Angeboten werden junge Menschen unterstützt Eigeninitiative zu entwickeln, Hilfsbereitschaft zu zeigen sowie Verantwortung für sich und Mitmenschen zu übernehmen. Eines dieser Angebote bildet die sogenannte 'Peergroup-Education': Ein modernes, pädagogisches Modell, bei dem Jugendliche in speziellen Seminaren zu bestimmten Themen ausgebildet werden. Migration sowie die Förderung von Jugendlichen bilden zudem künftige Schwerpunkte.
Seit mittlerweile 15 Jahren bildet die sogenannte ‚Peergroup-Education‘ einen fixen Bestandteil in der Jugendarbeit des OÖ. Jugendrotkreuzes (OÖ JRK). In speziellen Workshops erhalten dabei interessierte Jugendliche Informationen zu Themen wie HIV oder AIDS: „Während der dreitägigen Ausbildung wird den Peers vermittelt, wie sich die Krankheit ausbreitet und welche Auswirkungen AIDS auf Jugendliche und Erwachsene haben kann. Auch psychosoziale Aspekte spielen in der Ausbildung eine wesentliche Rolle, wie das Einbringen in einer Gruppe oder die Enttabuisierung der Themen „Sex“ oder „HIV“, erklärt der Präsident des OÖ. Roten Kreuzes Dr. Walter Aichinger den Hintergrund der Peer-Education. Das in diesen Seminaren erworbene Wissen geben die Jugendlichen in Form von Vorträgen oder persönlichen Gesprächen an Gleichaltrige weiter.
Konfliktlösung in Schulen durch Schüler
Einen weiteren Ausbildungsschwerpunkt bildet zudem die Peergroup-Mediation: „Wo Menschen mit unterschiedlichen Meinungen, Gefühlen oder Zielen zusammenkommen, sind Konflikte vorprogrammiert. Mit dem Angebot der Peer-Mediation wollen wir den Schülerinnen und Schülern Möglichkeiten aufzeigen, diese Konflikte gewaltfrei zu lösen. Wesentlich dabei ist es den Jugendlichen beizubringen, wie Enttäuschungen verarbeitet sowie Interessen und Wünsche artikuliert werden könnten, um die gegenseitige Beziehung zu verbessern“, so Aichinger weiter. Kommunikation, Körpersprache, Einfühlungsvermögen sowie Respekt bilden dabei wesentliche Grundlagen.
Bereits 1.332 Peers ausgebildet
Vor allem im Bereich der Aids-Prävention hat sich dieser Ansatz bewährt: „Seit Anbeginn des Angebotes wurden in Oberösterreich bereits 1.332 Peers ausgebildet. 64 AIDS- sowie 42 Mediations-Peers nahmen im vergangenen Schuljahr diese Vorbildfunktion für sich in Anspruch. Im diesjährigen Schuljahr verbuchten wir bereits 26 neue AIDS- sowie 38 Mediation-Peers. Zudem stehen uns 126 AIDS-Peers-Vertrauenslehrer zur Verfügung“, weiß der Landesleiter des OÖ. Jugendrotkreuzes LSI Franz Payrhuber.
Professionelle Hilfeleistung auch am Telefon
Ein zusätzliches, vom OÖ. Jugendrotkreuz nicht mehr wegzudenkendes Angebot bildet der Telefonberatungsservice „time4friends“ – täglich von 18:00 bis 22:00 Uhr unter 0800 / 644 530 kostenlos erreichbar. Dabei stellen sich Jugendliche freiwillig als Gesprächspartner zur Verfügung, um Erfahrungen mit gewissen Problemstellungen weiterzugeben bzw. diese zu lösen. Sollte das Anliegen des Anrufers den Gesprächspartner vor eine zu große Hürde stellen, sind professionelle Psychologen zur Stelle: „Das notwendige Wissen der „time4friends“-Peers wird im Rahmen einer Grundausbildung erlernt. In dieser werden Grundlagen der Kommunikation, des Jugendrechts, von Lebens- und Gesundheitskompetenzen sowie ein Überblick über die Jugendszene vermittelt. Auch mögliche Problemfälle wie Essstörungen, Suizid oder Suchtprävention werden dabei angesprochen“, so Payrhuber.
Einfach zusammen leben
Einen künftigen Schwerpunkt bildet im OÖ. Jugendrotkreuz die Thematik ‚Integration‘. Anders als bei den HIV/AIDS- bzw. Mediation-Peers bilden dabei die Betroffenen selbst die ‚Peergroup`. Ziel dieser Initiative ist es, interessierten Schülerinnen und Schülern mit Hilfe dieser Peers eine andere Sicht auf das Thema Integration und Migration zu vermitteln. Wichtige Fragen wie „Was bedeutet Migration?“, „Was bedeutet Diskriminierung?“ oder „Warum wandern Menschen aus?“ werden dabei diskutiert: „Unter dem Motto ‚Einfach zusammen leben‘ wollen wir den Jugendlichen mitteilen, dass Menschen mit Migrationshintergrund eine Bereicherung für die Gesellschaft sind. Viele Bereiche unseres täglichen Lebens wären ohne den Beitrag dieser Menschen gar nicht mehr denkbar. Eine Kernbotschaft bildet zudem, dass Menschen mit Migrationshintergrund unser Leben und unsere Kultur bunter machen“, so Payrhuber.
Jugendrotkreuz als Basis der Freiwilligengewinnung
Mehr als 2.000 junge Oberösterreichinnen und Oberösterreicher engagieren sich bereits in diesen Jugendgruppen: „Die Jugendarbeit des OÖ. Jugendrotkreuzes sehen wir als Basis aller Leistungsbereiche des OÖ. Roten Kreuzes. Wir vermitteln den Jugendlichen die Grundwerte sowie die Mission unserer Hilfsorganisation. Dadurch versuchen wir, die Jungen langfristig für eine freiwillige Mitarbeit im OÖ. Roten Kreuz zu begeistern. Der Spaß kommt bei den jeweiligen Treffen selbstverständlich auch nicht zu kurz“, erklärt der stellvertretende Landesleiter des OÖ. JRK Mag. Rudolf Lehner. Um auch künftig das gewohnte Leistungsspektrum der größten humanitären Hilfsorganisation des Landes anbieten zu können, müsse man jetzt bereits verstärkt auf Nachwuchsförderung setzen. Vor allem die Bereiche ‚Rettungs- und Krankentransport‘ sowie ‚Gesundheits- und Soziale Dienste‘ werden bereits in wenigen Jahren, bedingt durch die demographische Entwicklung, vermehrt von der Bevölkerung in Anspruch genommen.
Gemeinsame Vorgehensweise von OÖ. JRK sowie OÖ. RK
„Der Auftrag an das OÖ. Jugendrotkreuz lautet somit zum Einen relevante, gesellschaftspolitische Themen aufzugreifen und den Jugendlichen zu vermitteln und zum Anderen müsse man Aufbauarbeit in der Freiwilligenarbeit leisten,“ resümiert Lehner. Dabei spielt die gemeinsame Vorgehensweise des OÖ. Jugendrotkreuzes sowie des OÖ. Roten Kreuzes eine wesentliche Rolle. Die Weichen für die Umsetzung der Schwerpunkte wurden bereits vor zwei Jahren gestellt. Die Arbeit ist an den Werten, Inhalten, Zielen und Leistungen des Jugendrotkreuzes sowie des Roten Kreuzes ausgerichtet um junge Menschen zu sensibilisieren bzw. auf Basis der humanitären Werteerziehung ein Fundament zu legen.
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