03.09.2015 12:29

Zu 99% passiert nix... was aber, wenn doch?

Das Kind nur kurz aus den Augen gelassen, ein falscher Handgriff, ein ungeschickter Schritt, ein plötzlicher Schmerz – nicht jeder weiß, was im Notfall zu tun ist. So schnell die Rettungskräfte auch am Einsatzort eintreffen, entscheidend sind die ersten Minuten.

Zu 99% passiert nix... was aber, wenn doch?

Etwa 33.000 Oberösterreich absolvierten im Jahr 2014 einen Erste-Hilfe-Kurs beim OÖ. Roten Kreuz. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren eine leichte Steigerung. Dennoch zeigt sich OÖ. Rotkreuz-Präsident Dr. Walter Aichinger besorgt: „Hochgerechnet absolvieren pro Jahr etwa 50.000 Oberös-terreicher einen Erste-Hilfe-Kurs. In Relation zu den über 18-Jährigen (ca. 1.2 Mio) bedeutet dies, dass im Schnitt nur alle 24 Jahre ein solcher lebensrettender Kurs absolviert wird“, so Aichinger. Bezirkshauptmann Ing. Mag. Werner Kreisl bestätigt ähnliche Zahlen für den Bezirk Perg.

Wenig Theorie, mehr Praxis

Angefangen vom Erste-Hilfe-Kurs für Eltern, über Outdoor-Kurse bis hin zu maßgeschneiderten Kursen für Vereine, Organisationen und Unternehmen - das Portfolio des OÖ. Roten Kreuzes ist sehr umfangreich. „Uns ist es ein großes Anliegen, auf die Bedürfnisse der Bevölkerung einzugehen. Daher sind unsere Kurse sehr individuell und praxisorientiert. Wer denkt, dass ein Erste-Hilfe-Kurs aus einem langweiligen Frontalvortrag besteht, der irrt. Der Großteil der Zeit wird zum Üben aufgewendet“, beschreibt Kreisl. Etwa alle vier Jahre sollte das Erst-Hilfe-Wissen aufgefrischt werden. Dazu bietet das OÖ. Rote Kreuz spezielle Kurse im Ausmaß von acht Stunden.

Jede Minute verschlechtert sich der Zustand

Auch wenn die Rettungskräfte des OÖ. Roten Kreuzes rasch zur Stelle sind, im Ernstfall zählen die ersten Minuten. „Das warme Wetter war für viele Menschen sehr belastend. Zahlreiche Hitzeschläge, Kreislaufkollapse oder Herzprobleme waren die Folge. Bei der Versorgung solcher Patienten sind die ersten Momente entscheidet. Jede verstrichene Minute verschlechtert den Zustand um 10%. Eine kürzlich in Deutschland publizierte Studie zeigte auf, dass auf 100.000 Einwohner, 81 plötzliche Herztode entfallen. Ein Herzstillstand führt innerhalb von 10 Minuten zum Hirntod, nach etwa 4 Minuten beginnt die Schädigung des Gehirns“, erläutert Rotkreuz-Chefarzt Prim. Dr. Oskar Kwasny und ergänzt: „Aber auch im Falle einer allergischen Reaktion, aufgrund eines Bienenstichs oder bei einer Verletzung mit großem Blutverlust hängt das Leben der Patienten von den Ersthelfern ab.“

Lehrmeinung ändert sich alle fünf Jahre

Beinahe täglich wird von neuen medizinischen Erkenntnissen berichtet. Auch die Erste Hilfe ist davon betroffen: „Etwa alle fünf Jahre passen wir die Lehrmeinung an. Davon betroffen sind neben den Ersthelfern natürlich auch die Rettungs- und Notfallsanitäter sowie auch Notärzte. Ersthelfer sind ein wesentliches Glied einer funktionierenden Rettungskette. Hier gilt es alles daran zu setzen, die Qualität in der Versorgung zu erhöhen“, erklärt der Chefarzt.

In 80% der Fälle muss Erste Hilfe im näheren Umfeld angewendet werden

„Es wird schon nichts passieren“, oder „bevor ich etwas falsch mache, mache ich lieber gar nichts“ – diese Vorurteile kennt Bezirksstellenleiter Ing. Mag. Werner Kreisl nur zu gut. „Viele verbinden Erste Hilfe mit einem schweren Verkehrsunfall. Die Realität jedoch zeigt, dass in 80% der Fälle, Erste Hilfe im näheren Umfeld angewendet werden muss – bei den eigenen Kindern, bei Verwandten, Bekannten, Freunden, Bürokollegen, im Rahmen von Ausflügen, Hausarbeiten, im Büroalltag, etc. Diese Tatsache sollte jeden dazu animieren, sein Erste-Hilfe-Wissen ehrlich zu hinterfragen und im Bedarfsfall einen Kurs zu besuchen. Nichts zu tun bzw. davon auszugehen, dass schon nichts passieren wird, hat schwerwiegende Folgen“, führt Kreisl weiter aus.

Erste-Hilfe-Kurs bringt Ruhe

Je länger der Besuch eines Erste-Hilfe-Kurses aus ist, desto schwieriger ist es für die Ersthelfer richtige Hilfe zu leisten. „Erste Hilfe ist Stress – sowohl für den Ersthelfer als auch für den Patienten. Je besser der Ersthelfer geschult ist, desto besser und ruhiger wird er die Erste-Hilfe-Maßnahmen durchführen. Dies wirkt sich natürlich wiederum auf den Patienten aus. Mit einem Erste-Hilfe-Kurs können natürlich nicht alle Ängste beseitigt werden, aber man ist automatisch ruhiger, weil man weiß, was zu tun ist“, sagt Kreisl.

Raiffeisen ist einmal mehr der starke Partner

Auch heuer sind die Raiffeisenbanken wieder als Partner des Roten Kreuzes mit an Bord. „Wir waren immer schon von der Wichtigkeit und Sinnhaftigkeit der Erste-Hilfe-Ausbildung überzeugt. Mit dem Roten Kreuz als Partner wissen wir, dass unsere Unterstützung zum Wohle und zur Sicherheit unserer Bevölkerung eingesetzt wird und diese Werte sind auch uns als Geldinstitut sehr wichtig. Die Wichtigkeit über Erste Hilfe Wissen zu verfügen, ist uns heuer am 17. Juni einmal mehr und ganz hautnah bewusst geworden.“ so Dir. Mag. Karl Fröschl von der Raiffeisenbank.

Landesweite Erste-Hilfe-Kurse

Kursstart am 24. September

Mit einem großangelegten Schwerpunkt will das Rote Kreuz auf die Bedeutung eines Ersthelfers hinweisen und möglichst viele Menschen zum Besuch eines Erste-Hilfe-Kurses bewegen. Ab dem 24. September werden an allen 87 OÖ. Rotkreuz-Ortsstellen Erste-Hilfe-Kurse angeboten.
So auch im Bezirk Perg. An jeder Rotkreuz-Ortsstelle startet am 24. September 2015 um 19.00 Uhr ein EH-Grundkurs. Marc Hofer – der Ausbildungsleiter des Roten Kreuzes im Bezirk ist überzeugt, dass diese Grundausbildung Sicherheit schafft und das ideale Handwerkszeug für couragierte Ersthelfer ist.

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"Zu 99% passiert nix … was aber wenn doch?" – ein Beispiel aus dem Bezirk Perg

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