11.09.2017 01:28

Die größten Mythen bei Kindernotfällen

Eltern sind naturgemäß nervös, wenn ihren Kindern etwas passiert. Die gute Nachricht ist, dass die Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Kindern im Wesentlichen jenen bei Erwachsenen ähneln.

Die größten Mythen bei Kindernotfällen
75 Prozent der Kinderunfälle passieren zu Hause oder in der Freizeit. Credit: ÖRK/Markus Hechenberger

Nichts zu tun, aus Angst etwas falsch zu machen, ist das größte Risiko. Eltern sollten aber wissen, was sie bei Kindernotfällen beachten müssen und welche die gängigsten Mythen der Ersten-Hilfe bei Kindernotfällen sind.


• Der Ersthelfer muss den Puls fühlen. Falsch, denn das ist vor allem bei Kindern sehr schwierig. Richtig ist die Konzentration auf die Feststellung der Atmung, durch hören, sehen, fühlen.


• Bei der Herzdruckmassage brechen die Rippen. Falsch, Rippen brechen selten, falls doch, bei einem älteren Menschen. Dann brechen die Rippen aber nicht in der Mitte durch, sondern lösen sich vom Knorpel am Brustbein – eine Verletzungsgefahr der inneren Organe besteht dadurch nicht. In der Regel gilt bei Kindern, dass bei der Herzdruckmassage der Brustkorb mit zwei Fingern etwa ein Drittel eingedrückt werden sollte.


• Ersthelfer werden verklagt, wenn sie etwas falsch machen. Falsch, es muss sofort gehandelt werden. In Österreich gibt es keinen einzigen Fall wegen „falscher“ Erster Hilfe, aber zahlreiche Klagen wegen unterlassener Hilfeleistung. Nichts zu tun, aus Angst etwas falsch zu machen, wäre das größte Risiko.


• Verschluckt ein Kind Putzmittel oder Tabletten, muss es einen Liter Milch nachtrinken. Falsch, im Notfall müssen im Mund befindliche Substanzen sofort ausgespuckt und der Mund ausgespült werden. 144 rufen und das Kind in eine bequeme Seitenlagerung bringen. Wenn die giftige Substanz bekannt ist, für weitere Tipps die Vergiftungszentrale unter 01/406 43 43 kontaktieren, bis die Rettung eintrifft.

 

Gefahrenquellen entschärfen
Laut Kuratorium für Verkehrssicherheit passieren 75 Prozent der Kinderunfälle zu Hause und in der Freizeit. Daher sind Schutz und Prävention wichtig, um Unfälle zu reduzieren. „Messer sollten für Kinder unerreichbar aufbewahrt werden, Löcher im Garten abgedeckt, Schwimmbecken oder Behälter mit Wasser gut eingezäunt werden“, sagt Dr. Aichinger Walter, Präsident des OÖ. Roten Kreuz. Stürze aus dem Fenster oder von Möbeln ereignen sich meist im unbeobachteten Moment. Speziell gefährdet sind Kleinkinder im zweiten Lebensjahr, da Eltern die Geschicklichkeit ihres Sprösslings gerade in diesem Alter oft unterschätzen. „Wenn möglich sollen Fenstersperren oder Fenstergitter angebracht werden“, sagt Aichinger. „Elektrogeräte müssen immer den Sicherheitsvorschriften entsprechen und dürfen von Kindern niemals alleine bedient werden.“

 

Erste-Hilfe-Kurse lohnen sich
Erste-Hilfe-Kenntnisse können Leben retten. In einem Kurs des Roten Kreuzes lernen die Teilnehmenr, wie in Notfällen richtig reagiert wird. Das bringt auch Eltern Beruhigung für das ganze Jahr. „In 99 Prozent der Fälle passiert nichts, ein Erste-Hilfe-Kurs lohnt sich zu 100 Prozent“, verweist Aichinger auf die flächendeckenden Erste-Hilfe-Kurse, die mit 27. September auf den Rotkreuz-Dienststellen starten. Mehr: www.erstehilfe.at

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