
Sie sind hier: Österreich:Gesellschaftspolitik:governmentWATCH.at:IN ARBEIT:Arbeitsmarkt
IN ARBEIT
Zwei Punkte in Umsetzung
1. Die Einstellungsstiftung für 2000 Jugendliche kommt
Wegen des Emporschnellens der Arbeitslosenrate unter den Jugendlichen wird eine Stiftung eingerichtet. Es handelt sich dabei um einen Kompromiss, weil vor allem Minister Hundstorfer und der ÖGB auf eine Stiftung für Leiharbeitskräfte gedrängt haben. Nun sollen rund 2000 Jugendliche, vor allem Leiharbeitskräfte ohne Job, dort Aufnahme finden. Dieses Modell ist für die Jahre 2009 und 2010 befristet geplant. Neben AMS und Ländern leistet auch die Wirtschaft einen Beitrag zur Finanzierung dieser Stiftung.
2. Befristet bis 2012 wird der Zugang zur Altersteilzeit erleichtertDie Die Altersteilzeit ermöglicht seit dem Jahr 2000 den gleitenden Übergang in die Pension. Älteren Beschäftigten, die ihre Arbeitszeit reduzieren, wird dabei fünf Jahre lang bis zur Pensionierung ihr Gehalt aus AMS-Mitteln aufgefettet. Angesichts der Krise auf dem Arbeitsmarkt kommt es jetzt befristet bis 2012 zu Erleichterungen. Das Zugangsalter wird „eingefroren“: Männer können dann die Altersteilzeit ab 58 Jahren nutzen, Frauen ab 53 Jahren. Bisher stieg das Nutzungsalter für die Altersteilzeit parallel zur Anhebung des regulären Frühpensionsalters (derzeit 62 Jahre und zehn Monate für Männer bzw. 57 Jahre und zehn Monate für Frauen im ASVG). Die Altersteilzeit kann bisher jeweils fünf Jahre vor der Grenze genützt werden.
Weitere Punkte, etwa die Möglichkeit der Kombination von Teilzeit mit Weiterbildung, wurden vertagt.

Mag. Robert Dempfer, Leiter der Abt. Gesellschaftspolitik
Kommentar
Die Menschen aus den Bevölkerungsprognosen der Demografen sind alle schon da: Die Schulkinder des Jahres 2015, die Erwerbstätigen des Jahres 2025, die Pensionisten des Jahres 2050. Wenn die Bevölkerungsforscher recht haben, dann wird es künftig ein Problem geben: Die Anzahl der Älteren nimmt zu, und bald werden immer weniger erwerbstätige Einzahler in die Systeme der sozialen Sicherung immer mehr nicht mehr Erwerbstätigen gegenüberstehen, die Leistungen daraus beziehen – zum Beispiel ihre Pensionen.
Der Demograf Rainer Münz macht sich um den Sozialstaat trotzdem keine Sorgen. „Das Pensionssystem kann durchaus im Gleichgewicht gehalten werden“, sagt er. „Es würde ausreichen, das Pensionsalter im Tempo des Anstiegs der Lebenserwartung anzuheben.“
Erwerbstätige, die bis 65 (oder darüber hinaus) arbeiten – das setzt aber auch einen funktionierenden Arbeitsmarkt für Ältere voraus, und von dem kann heute in weiten Teilen Europas noch keine Rede sein.
Ohne einen solchen Arbeitsmarkt verschiebt sich das Finanzierungsproblem bei steigendem Renteneintrittsalter aber bloß: von der Rentenversicherung hin zur Arbeitslosenversicherung.
Zur kurzfristigen Bekämpfung der Arbeitslosigkeit kann die Altersteilzeit erfolgreich sein, um Arbeitsplätze für Junge „freizumachen“ und Personalkosten zu sparen (bestehende Lohn- und Gehaltsschemata, die sich in erster Linie an der Dauer der Betriebszugehörigkeit und am Lebensalter orientieren, machen ältere Arbeitnehmer automatisch teurer als jüngere). Mittel- und langfristig ist sie keine geeignete Maßnahme, um dem Druck auf die sozialen Sicherungssysteme zu begegnen.

