22.03.2018 09:21

Weltwassertag: Trinkwasser für Cox’s Bazar

Christopher Friedrich war mit dem Katastrophenhilfsdienst des WRK in Bangladesch. Sein Ziel: Möglichst viele Menschen mit möglichst gutem Wasser versorgen.

Weltwassertag: Trinkwasser für Cox’s Bazar

Im letzten Jahr flohen über eine Million Menschen vor Gewalt aus Myanmar. Im größten Flüchtlingscamp der Welt, nämlich in Cox’s Bazar (Bangladesch), leben sie unter schweren Umständen: Ein wichtiger Punkt ist die unzureichende Wasserversorgung – hier kommen der 28-jährige Vorarlberger Christopher Friedrich und sein Team ins Spiel. Sie sind Teil der „Emergency Response Unit for Water and Sanitation“ vom Wiener Roten Kreuz und sorgen vor Ort dafür, dass möglichst viele Menschen mit möglichst gutem Wasser versorgt sind.

 

Keime und Schlamm

Die Wasserquellen vor Ort sind extrem verschmutzt, der Boden ist lehmig und viele Menschen teilen sich wenig Raum – das Resultat ist eine überdurchschnittliche hohe mikrobielle Belastung des Wassers. Die Anzahl der BewohnerInnen von Cox’s Bazar steigt stetig, weshalb die Anzahl benutzbarer Brunnen derzeit aufgestockt wird. Da laut internationalen Standards im Katastrophenfall pro Person und Tag 15 Liter Wasser zur Verfügung gestellt werden sollten, und bereits sehr viele Menschen Grundwasser entnehmen, müssen die neuen Brunnen 200 m tief gebohrt werden. So ist auch in der Trockenzeit ein Funktionieren des Brunnens sichergestellt. Christopher hat die Aufgabe, das Wasser auf infektionserregende Keime zu testen und zu dem zu machen, was dringend benötigt wird: Trinkwasser.

 

Für den Ernstfall gerüstet

Woher er das kann? Während seines Studiums „Umwelt- und Bioressourcenmanagement“ an der BOKU Wien und seinem Master in „Environmental Sciences in Europe“, besuchte er zahlreiche Weiterbildungen der WRK-Abteilung „Water and Sanitation“. Deren Ziel ist es, im nationalen und internationalen Katastrophenfall Trinkwasser und Sanitäranlagen zur Verfügung zu stellen. Um sich bestmöglich auf Hilfseinsätze vorzubereiten, trainieren sie während der Weiterbildungen vorwiegend auf offenem Gelände. So werden sie für den Ernstfall vorbereitet und wissen, wie man an Trinkwasseraufbereitungsanlagen arbeitet, Wassertestungen im Labor durchführt oder eine Latrine baut. „Das Rote Kreuz legt viel Wert darauf, dass wir bei einem Notfall in Österreich einsatzbereit sind. Bis wir auch internationale Einsätze absolvieren können, vergehen in der Regel einige Jahre, in welchen wir ständig Trainings absolvieren – auch im Ausland“, erzählte Christopher, während er über seinen ersten Einsatz nachdachte. In dem Flüchtlingsquartier sind mehrere Organisation im Einsatz, vom „Water and Sanitation“-Team des Roten Kreuz werden circa 43,336 Menschen betreut. Die Verantwortung, die ihm im Zuge dessen zugetragen wird, ist ihm durchaus bewusst: „Bei einem Einsatz wird dir klar, dass man viel Wissen aufgebaut hat und viel von dir erwartet wird. Man kommt nach Bangladesch und muss für 43,336 Menschen Trinkwasser zur Verfügung stellen. Das ist eine große Herausforderung. Dennoch freue ich mich darauf, mein Wissen einsetzen. Für mich wäre es ein Erfolg, wenn ich zurück komme und sagen kann, dass ich die Situation der Menschen verbessern konnte“, erzählt Christopher.

 

Doppelt hält besser

Vor kurzem ist Christopher ein zweites Mal nach Bangladesch geflogen, um vor Ort zu helfen. Haben sich seine Erwartungen seit dem letzten Mal verändert? Beim ersten Einsatz habe er nicht mit der unglaublichen Größe des Lagers gerechnet. Dies sei etwas, das man erst begreifen kann, wenn man es vor Augen hat. Erst wenn man auf einem der unzähligen Hügel steht und das endlose Meer an Zelten vor Augen hat, wird einem wirklich bewusst, was für eine große Aufgabe man da eigentlich vor sich hat. Jeder Tag stehe unter dem Motto ‚Erwarte das Unerwartete‘. Dennoch hat er sich für seinen zweiten Aufenthalt den einen oder anderen Trick vorbereitet: „Ich konnte mich jetzt besser vorbereiten, da ich schon wusste, was auf mich zukommt. Deshalb habe ich mich dieses Mal besser ausgestattet und zum Beispiel ein paar Packungen Tee und gute Kopfhörer mitgenommen, um am Abend nach getaner Arbeit etwas abschalten zu können.“

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