21.01.2009

Der neue henri zum Thema Migration und Integration

Fredy Mayer, Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes, auf der Pressekonferenz zur Vorstellung des Magazins henri zum Thema Migration und Integration.

Still geworden ist es um den vor genau einem Jahr präsentierten Integrationsbericht des Innenministeriums. Doch gerade beim Thema Migration und Integration ist Kontinuität gefragt. Das Rote Kreuz hält eine offene Debatte zum Thema Migration und Integration für notwendig. Denn wir wissen eines: Die Bevölkerungsentwicklung, die Alterspyramide und der Arbeitsmarkt erfordern mehr Zuwanderung nach Österreich. Migration und Integration dürfen nicht noch länger sich selbst überlassen bleiben, sondern sie müssen als ein gemeinsames Ganzes aufgefasst werden. Sie müssen geplant und gesteuert werden. Unser Land braucht anstelle von Quoten ein Zuwanderungssystem, das sich nach Kriterien richtet.
Schon vor einigen Monaten haben wir eine Migrations- und Integrationscharta ausgearbeitet. Dass viele Vorschläge aus unserer Charta – z.B. das verpflichtende letzte Kindergartenjahr – Eingang ins Regierungsprogramm gefunden haben, freut uns. Wir werden der Regierung bei der Umsetzung auf die Finger schauen und sie nötigenfalls wieder und wieder an ihre Vorhaben erinnern.

Im Regierungsprogramm wurde die Zivilgesellschaft eingeladen, an einem „Nationalem Aktionsplan für Integration“ mitzuarbeiten. Diese Einladung nehmen wir gerne an. Noch bevor es zu Arbeitskreisen, Sitzungen und Verhandlungen kommt, präsentieren wir Ihnen in unserem Magazin „henri“, welche Aufgaben das Rote Kreuz bereits von sich aus übernimmt, welche Herausforderungen in Sachen Migration und Integration schon gemeistert sind und welche uns noch bevorstehen. Die Bildung gehört zu einer dieser Herausforderungen. Überverhältnismäßig viele Kinder mit Migrationshintergrund – auch jene der zweiten Generation - erhalten nie die Chance auf eine höhere Bildung. Hier muss so früh wie möglich der Spracherwerb  gefördert und Chancengleichheit geschaffen werden. Und apropos Chancen: Wir sollten uns endlich auf die Chancen konzentrieren, die Migration mit sich bringt. Als Beispiel fallen mir wieder die Sprachen ein: Zwei Sprachen sind doppelt so viele wie eine. Mehrsprachigkeit ist ein soziales Asset. Nur muss es möglichst früh auf Schiene gebracht werden.

Österreich ist ein Zuwanderungsland – nicht unbedingt freiwillig und selbstbestimmt, sondern durch die Bevölkerungsentwicklung und die Anforderungen des Arbeitsmarktes. Unsere Forderung ist, dass das endlich akzeptiert wird. Integration soll zur Normalität werden. Für das Gelingen dieses Vorhabens spielen auch Medien eine bedeutende Rolle. Sie können nämlich wesentlich zu einer Entideologisierung und Versachlichung der Migrations- und Integrationsdebatte beitragen.

Icon Drucken