23.01.2012

Nepal: Sauberes Wasser stärkt das Selbstbewusstsein

In Nepals Chaukhabang Region sorgt das Rote Kreuz für Dorfentwicklung und stärkt mit sauberem Wasser Gesundheit und Selbstbewusstsein.

Nepal ist mit vielen Herausforderungen konfrontiert – einerseits gibt es Traditionen, Sitten und Bräuche, andererseits hält die Modernisierung Einzug.  Sauberes Trinkwasser ist eines der grundlegendsten menschlichen Bedürfnisse. 

 

Zugang zu Wasser und Sanitäranlagen spielt eine entscheidende Rolle in der gesamten sozialen und ökonomischen Entwicklung einer Gemeinschaft. Aufgrund der kaum vorhandenen Infrastruktur sind die Menschen im Land schwer zu erreichen. Jedes Jahr sterben in Nepal rund 45.000 Kinder unter fünf Jahren, an Problemen in Zusammenhang mit unzureichender Versorgung  mit Wasser und/oder dessen schlechter Qualität.

 

Dil Kumari Magar hat einen großen Teil ihres Lebens damit verbracht, Trinkwasser zu holen. Seit ihrer Kindheit wurde sie von ihrem Dorf geschickt, um den täglichen Wasserbedarf ihrer Familie zu decken. Sie war jeden Tag vier Stunden unterwegs. 

 

Selbstständigkeit stärken

 

Vor ein paar Monaten wurde Trinkwasser in ihr Dorf geleitet … und veränderte Dils Leben. „Mit dem Trinkwasseranschluss im Dorf ist das Leben um so vieles einfacher. Früher mussten wir für einen Weg zwei Stunden gehen, um Wasser zu holen. Jetzt verwenden wir die überschüssige Zeit für Arbeiten wie zum Beispiel die Pflege des Gemüsegartens, Schweine hüten, “ sagt Dil.

 

Trinkwasser in abgelegene Dörfer zu bringen ist Teil der Dorfentwicklungsprogramme, das vom Nepalesischen Roten Kreuz implementiert wird. Ziel ist es, die Selbstständigkeit der Menschen zu erhöhen und die sozio-ökonomische Verwundbarkeit zu reduzieren. Das Programm wird in Form einer operationellen Allianz durchgeführt, um verschiedene  Ansätze und Partner in Einklang zu bringen. Mit der Hilfe unterschiedliche Partner deckt es unterschiedliche Bezirke im ganzen Land ab.

 

Das Österreichische Rote Kreuz unterstützt mit einer Förderung des Opec Funds für Entwicklung (OFID) das Dorfentwicklungsprogramm in der Region Rukum von 2009 bis 2013. Rund 4000 Menschen in neun Dörfern werden mittels dieser Aktivitäten erreicht.


Die Leistungsempfänger leben in sehr abgelegenen Gebieten unter härtesten Umständen. Was wir als selbstverständlich erachten, ist für diese Menschen schwer zugänglich – Wasser, Gesundheitseinrichtungen und Bildung.

 

Händewaschen mit Schlamm

 

Das Programm inkludiert die Menschen in ihren Rechten, nämlich ihre Bedürfnisse zu äußern, zu unterstützen. Wasser ist eines der wichtigsten Grundbedürfnisse. Nahe gelegener Zugang zu Wasser ermöglicht den Frauen und Kindern mehr Zeit für andere Aktivitäten,  wie zum Beispiel die Pflege des Gemüsegartens, Lesen zu lernen und sich zu bilden wie an Frauen-Selbsthilfegruppen teilzunehmen. 

 

Für Dil Kumari hat das Wasser mehr als nur hygienische und ernährungsverbessernde Effekte gebracht. Es befähigte sie dazu, lauter zu sprechen. „ Ich konnte nicht mit Fremden sprechen. Jetzt kann ich es, das ist eine signifikante Veränderung, die ich in mir bemerkt habe. Jetzt kann ich zweimal wöchentlich ein Bad nehmen und vor dem Essen und nach dem Benützen der Toilette meine Hände mit Seife waschen. Bevor das Rote Kreuz gekommen ist, habe ich  Schlamm benutzt, um meine Hände zu waschen“, sagt sie.

 

„Abgesehen von der Installation von Wassersystemen und Latrinen, ist es sehr wichtig die Kompetenz der Menschen selbst zu stärken, damit sie sowohl das Knowhow als auch das Selbstbewusstsein haben, um sich selbst einzusetzen“, sagt Gerlinde Astleithner vom Österreichischen Roten Kreuz. Ein weiteres Ziel ist die Aufklärung der Menschen über ihre Rechte im Allgemeinen und im speziellen über die Nichtdiskriminierung aufgrund der sozialen Kaste. 

 

“Danke an euch alle, dass ihr mein Leben um so vieles besser gemacht habt”, sagt Frau Dil Kumari Magar abschließend bei ihrem Bericht über die Bedeutung die das Dorfentwicklungsprogramm für sie hat. 

 

Komponenten des Programmes auf Dorfebene:


• Erweiterung des Gesundheits- und Ernährungswissens
• Verbesserung von Hygiene und sanitären Anlagen
• Verbreitung des Trinkwasserzugangs 
• Verminderung der sozialen Diskriminierung und der häuslichen Gewalt
• Aktivitäten für den Lebensunterhalt konzentriert auf Frauen und Randgruppen
• Kapazitäten Entwicklung des Nepalesischen Roten Kreuzes auf allen Ebenen

 

Länderinfo

 

Nepal ist ein Binnenstaat zwischen China und Indien gelegen. Die Fläche beträgt fast das Doppelte Österreichs und hat rund 30 Mio Einwohner (fast viermal so viele wie Österreich). In Nepal befinden sich acht der zehn höchsten Berge der Welt, einschließlich des Mount Everests.

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