08.10.2017 10:25

Lage in Ost-Ukraine weiter dramatisch

Der Konflikt fordert weiter Menschenleben und spaltet die Kriegsparteien. Deshalb ist die neutrale Arbeit des Internationalen Komitees vom Roten Kreuze wichtig.

Lage in Ost-Ukraine weiter dramatisch
IKRK-Vizepräsidentin Christine Beerli beurteilt den Konflikt in der Ostukraine als sehr aktiv.

Es ist ein fast vergessener Krieg vor der Haustür Europas: Aber im Osten der Ukraine fordert der Konflikt zwischen prorussischen Separatisten und dem ukrainischen Militär weiterhin Todesopfer - und das Leben der Zivilbevölkerung ist hart und beschwerlich. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) investiert umgerechnet 51 Millionen Euro pro Jahr in seine Arbeit vor Ort und bekommt dafür Lob von allen Seiten. Am Donnerstag war IKRK-Vizepräsidentin Christine Beerli in Wien beim Österreichischen Roten Kreuz zu Gast um mit Rotkreuz-Präsident Gerald Schöpfer und dem Sektionschef des Außenministeriums, Peter Launsky, über die Ost-Ukraine zu sprechen.

Dieses Jahr gab es dort bereits 80 tote Zivilisten und mehr als 450 Verletzte. "Es ist ein sehr aktiver Konflikt", sagt Beerli, "und wir bewegen uns auf einer feinen Linie. Wenn wir nur einmal ein Wort zugunsten der einen oder andere Partei sagen würden, wäre unser Einsatz vorbei. Weil wir aber wirklich die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt stellen und dabei strikt neutral sind, haben wir weiterhin Zugang in die Konfliktgebiete."

Das IKRK ist mit 430 Mitarbeitern an sieben Standorten tätig und hilft etwa jenen 10.000 Menschen, die täglich die Frontlinie überqueren müssen, um zur Arbeit zu gehen oder sich bei Behörden zu melden um weiter ihre Sozialleistungen zu bekommen. "Kaum vorstellbar, unter welchen Bedingungen die Leute leben", sagt Schöpfer. "Industrie und Wirtschaft sind zusammengebrochen, die Arbeiter sind weg. Rund 2,2 Millionen Menschen sind auf medizinische Versorgung angewiesen. Ein Fünftel ist von Mindestsicherung abhängig und versucht irgendwie über die Runden zu kommen." Die Bezieher von Mindestsicherung erhalten 45 Euro, Pensionisten 60 Euro im Monat - und das bei relativ hohen Lebenshaltungskosten. "Es ist eine Frage der Vernunft, in der Ost-Ukraine zu helfen", sagt Schöpfer.

Das IKRK verteilt medizinisches Material, hilft beim Aufbau der Häuser, kümmert sich um Minenopfer und schützt kritische Infrastruktur. Insgesamt konnten 49 Schulen und Kindergärten instand gesetzt und sicherer gemacht werden - etwa mit Spezialfolien an den Fenstern, die ein Splittern des Glases bei Explosionen verhindern. Lugansk und Donezk gehören längst zu den gefährlichsten Städten der Welt. Peter Launsky begrüßte, dass sich die UNO stärker in der Schlichtung des Konflikts einbringen will. Am Ende werde es aber im Bemühen, einen dauerhaften Frieden zu erreichen, auf die Kompromissbereitschaft der Konfliktparteien ankommen.

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