Lebensrettung in 28 Minuten
Was passiert nach dem Absetzen des Notrufs? Wie kommt die Rettung zum Unfallort, wie der Patient ins Krankenhaus? Das Rote Kreuz Steiermark bietet einen Blick hinter die Kulissen.
Es ist Montagmorgen. Ein Handwerker stürzt bei Bauarbeiten vom Dach. Der Arbeiter ist bewusstlos, blutet aus Mund, Nase und Ohren. Außer Ihnen ist niemand da, der dem Verletzten helfen könnte. Geistesgegenwärtig alarmieren Sie das Rote Kreuz (144). Ab jetzt tickt die Uhr. Jede Minute zählt.
9.02 Uhr: Der sogenannte „Calltaker“ – ein eigens ausgebildeter Sanitäter – nimmt den Anruf entgegen, bleibt am Telefon und gibt Erste-Hilfe-Anweisungen. Gleichzeitig leitet ein weiterer Leitstellenmitarbeiter – der „Dispatcher“ – die notwendigen Rettungsmaßnahmen ein: In diesem Fall entsendet er einen Rettungstransportwagen und den Notarzt des Stützpunktes Graz-West (UKH).
9.03 Uhr: Ausfahrt der Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht und Folgetonhorn.
9.07 Uhr: Nachdem der Anrufer die Ankunft der Einsatzfahrzeuge bestätigt hat, beendet der „Calltaker“ das Gespräch.
9.08 Uhr: Bereits sechs Minuten nach dem Unglück beginnt die professionelle Versorgung des Patienten.Sie können zurücktreten, mit dem Bewusstsein, alles richtig gemacht zu haben. Falsch wäre nämlich nur, nichts zu tun. Der
Patient wird von den Sanitätern stabilisiert, die Vitalfunktionen
werden laufend überprüft. Erst wenn der Notarzt entscheidet, dass die Transportfähigkeit gegeben ist, wird der Mann ins UKH transportiert. Das kann mitunter einige Zeit in Anspruch nehmen, was bei „Schaulustigen“ und Angehörigen oft auf Unverständnis stoßt. Durch die Maßnahmen der Notärzte und Sanitäter können aber vielfach Spät- oder Folgeschäden verhindert werden.
9.15 Uhr: Die Rotkreuz-Landesleitstelle erhält eine qualifizierte Rückmeldung über den Zustand des Patienten und kündigt ihn im UKH an. Dort werden Vorbereitungen für die Übernahme getroffen.
9.20 Uhr: Der Patient ist stabilisiert und wird im Konvoi ins UKH gebracht.Während der Fahrt wird Kontakt mit der zuständigen Klinik gehalten. Ärzteteams können sich so optimal auf den Patienten vorbereiten.
9.27 Uhr: Der Konvoi passiert die UKH-Einfahrt.
9.28 Uhr: Behutsam wird der Verletzte ausgeladen. Jetzt muss jeder Handgriff sitzen. Der Zustand des Verunglückten ist kritisch.
9.30 Uhr: Im Schockraum wird der Patient an das Ärzteteam übergeben. Durch den ständigen Informationsaustausch ist dieses bestens vorbereitet. Dank schneller und zielgerichteter Hilfe wird der Mann überleben.
Die Landesleitstelle Steiermark
Derzeit sind 121 Mitarbeiter in der Landesleitstelle beschäftigt – 85 von
ihnen arbeiten unentgeltlich. Tagtäglich gilt es für die Disponenten 7000 Telefonkontakte zu bewältigen. In Stoßzeiten kommt es zu mehr als 300 Gesprächen pro Stunde. Und im Schnitt sind davon wiederum 20 Notfälle –
bei denen jede Sekunde über Leben und Tod entscheidet.
Insgesamt werden von der Rotkreuz-Landesleitstelle in Graz-Straßgang zirka 75 Prozent der steirischen Bevölkerung versorgt – also mehr als 900.000 Menschen!


