03.04.2017 13:03

So gefährlich leben (Nieder-)Österreichs Heimwerker

Über 80 Prozent der Österreicher führen – zumindest hin und wieder – zu Hause handwerkliche Tätigkeiten aus. Statistisch gesehen muss in Niederösterreich alle drei bis vier Stunden eine Person nach einem Heimwerk-Unfall im Krankenhaus behandelt werden. Insgesamt verletzten sich in Niederösterreich im Vorjahr rund 2.300 Personen (Österreich: 14.200 Personen) beim Heimwerken, gab das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Roten Kreuz bekannt.

So gefährlich leben (Nieder-)Österreichs Heimwerker

Die Österreicher sind Naturtalente beim Heimwerken – zumindest wenn man ihrer persönlichen Einschätzung glaubt. Jeder zweite Österreicher sieht sich selbst einer aktuellen KFV-Erhebung zufolge als Heimwerk-Naturtalent. Dennoch geben zwei von drei Befragten an, sich bereits einmal im Zuge von Heimwerk-Arbeiten verletzt zu haben. Knapp neun Prozent davon mussten demnach ambulant, etwas mehr als ein Prozent sogar stationär im Krankenhaus behandelt werden. „Der überwiegende Teil der Heimwerkerunfälle ist auf Unachtsamkeit, Fehleinschätzung oder Überforderung zurückzuführen“, so KFV-Experte DI Christian Kräutler. „Wer merkt, dass er müde oder unaufmerksam wird, sollte unbedingt auf seinen Körper hören und eine Pause machen.“

 

Finger und Hände besonders gefährdet

Ein falscher Schlag mit dem Hammer oder ein falscher Handgriff und schon ist es passiert: Finger und Hände sind beim Heimwerken besonders gefährdet. 52 Prozent der Österreicher gaben in einer Befragung des KFV an, sich bereits einmal mit dem Hammer auf den Daumen geschlagen zu haben. Und auch die KFV-Unfalldaten zeigen: Die Hälfte aller Verletzungen, die im Vorjahr beim Heimwerken entstanden sind, betrafen Finger oder Hände. Die häufigsten Verletzungsarten sind offene Wunden, Knochenbrüche, Sehnen- und Muskelverletzungen sowie Prellungen. Aber auch Amputationen kommen immer wieder vor. 

 

Von der Leiter bis zur Motorsäge

Motorsägen, Bohrer und Schlägel sorgen nicht nur in Horrorfilmen für den Extra-Gruseleffekt, sondern können schnell auch einfache Heimwerker-Tätigkeiten in ein kleines Massaker verwandeln. Der häufigste Unfallauslöser ist aber ein ganz anderes Arbeitsmittel: die Leiter. „Nach wie vor passieren viel zu viele Leiterstürze – und das, obwohl diese so leicht vermeidbar wären. Wir können hier nicht oft genug dazu mahnen, vor Beginn der Arbeiten die Standfestigkeit der Leiter zu kontrollieren und die Leiter nur mit festem Schuhwerk zu verwenden“, empfiehlt Kräutler.

 

Sind Männer die besseren Heimwerker?

Sowohl Männer als auch Frauen sind sich einig: Männer sind die besseren Heimwerker. Neun von zehn Befragten vertreten diese Ansicht. Begründet wird dies vor allem mit der größeren Kraft von Männern (22,5%). Aber auch höheres Interesse, bessere technische Fähigkeiten und die Annahme, dass sich Männer eher bereits als Kinder mit dem Thema Heimwerken beschäftigen, wurden als Begründung für die höhere Einschätzung der handwerklichen Geschicklichkeit von Männern genannt. Aber auch für alle männlichen Heimwerker-Talente gilt: Geschicklichkeit allein schützt nicht vor Unfällen. Eigenverantwortung und Risikobewusstsein müssen immer an erster Stelle stehen – hier besteht durchaus noch Handlungsbedarf: Nur zwei Drittel der Befragten geben an, bewusst auf Sicherheit beim Heimwerken zu achten. Jeder Zwanzigste gibt sogar zu, sich überhaupt keine Gedanken um die Sicherheit zu machen.

 

Mit sich zufrieden sind die österreichischen Heimwerker im Übrigen nicht immer:  Knapp 90 Prozent der Heimwerker hatten schon einmal den Eindruck, dass nach der Fertigstellung nicht alles so geworden ist, wie geplant. Vier von zehn Heimwerker entschieden sich dann auch dazu, nichts mehr zu ändern – ganz nach dem Motto „egal – ich lass‘ das jetzt so“.

 

KFV-Sicherheitstipps fürs Heimwerken:

·      Hobbyhandwerker sollten sich an Handwerks-Profis orientieren und sich von Profis beraten lassen.

·      Sich nicht überfordern – bei anstrengenden Arbeiten öfter Pausen machen.

·      Unbequeme Arbeitspositionen vermeiden.

·      Immer auf angemessenen Arbeitsschutz achten.

·      Schutzbrille, Atemschutz, Gehörschutz, Schutzhandschuhe tragen.

·      Bestehende Schutzeinrichtungen bei Geräten niemals abmontieren.

·      Nie unter Zeitdruck arbeiten.

·      Auf qualitativ hochwertiges Werkzeug achten.

·      Ringe und anderen Schmuck ablegen, lange Haare zusammenbinden.

·      Keine weite Kleidung tragen.

 

 

Erste Hilfe ist einfach und rettet Leben

„Mehr als 70 Prozent der Unfälle passieren in der Freizeit und zu Hause. Meist sind es die eigenen Kinder, Eltern oder Freunde, die Erste Hilfe brauchen. Erste Hilfe ist nicht schwer, kann aber Leben retten“, meint Dr. Elfriede Wilfinger, Chefärztin und Vizepräsidentin des Roten Kreuzes Niederösterreich. „Das Einzige, was man in der Ersten Hilfe falsch machen kann, ist nichts zu tun. Jede Maßnahme, die eine Ersthelferin und ein Ersthelfer unternimmt, erhöht die Überlebenschancen des Patienten.“

Viele Menschen haben dennoch Angst, Erste Hilfe zu leisten. Damit möglichst viele Männer und Frauen im Notfall beherzt und ohne zu zögern helfen, hat das Rote Kreuz die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen noch weiter vereinfacht:

1.      Den Notruf 144 wählen, dort bekommen Sie Hilfe und Rettungs-Profis machen sich sofort auf den Weg zu Ihnen.

2.      Ist die Person nicht ansprechbar, atmet aber normal, drehen Sie sie auf die Seite.

3.      Ist die Person nicht ansprechbar und atmet nicht, so drehen Sie die Person auf den Rücken und beginnen Sie mit der Wiederbelebung. Komprimieren Sie dazu den Burstkorb in der Mitte 30mal und beatmen Sie im Anschluss den/die Betroffene(n) 2mal.

4.      Wiederholen Sie diese Maßnahmen so lange, bis die Person entweder wieder normal atmet, oder professionelle Hilfe eintrifft, oder Sie vor Erschöpfung unterbrechen müssen. Ist eine zweite Person in der Nähe – wechseln Sie sich ab.

Wer sein Erste-Hilfe-Wissen regelmäßig in einem Kurs auffrischt, fühlt sich sicher und hilft ohne Angst, wenn es darauf ankommt. Das Rote Kreuz bietet in ganz Österreich Erste-Hilfe-Kurse an und empfiehlt eine Auffrischung alle fünf Jahre. Weitere Infos unter www.erstehilfe.at

„Sinnvoll ist es aber jedenfalls auch beim Heimwerken, das nötigste Verbandmaterial immer parat haben“, meint Wilfinger. „Im Werkzeugkoffer hat das „Minimal Equipment“ immer Platz:  Pflaster, sterile Wundauflage, Verbandpäckchen. Das reicht für die erste Wundversorgung, ersetzt aber nicht einen vernünftig ausgestatteten Verbandkasten, der in unmittelbarer Nähe leicht zu finden sein sollte. Und dazu auch gleich ein Tipp: schreiben sie mit einem wasserfesten Stift die Notrufnummern auf den Verbandkasten. So haben herbeigerufene Ersthelfer sofort die richtige Notrufnummer immer zu Hand und müssen – wenn sie verständlicher Weise nervös sind – nicht erst überlegen.“

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