Ortsstelle Gföhl

Männer mit Weitblick unter dem Gföhler Bürgermeister Wilhelm Kugler, Hofrat Dr. Filz (Bezirkshauptmann und Bezirksstellenleiter von Krems) und dem Kremser Rettungskommandanten Walter Doppler, gründeten am 15. Okt. 1972 die Ortsstelle Gföhl des Österreichischen Roten Kreuzes. Zahlreiche schwere Verkehrs- und Arbeitsunfälle haben diese Männer dazu bewogen, zumal wegen der schlechten Verkehrsverhältnisse die Hin- und Rückfahrt von Gföhl in das nächste Krankenhaus Krems 45 Minuten dauerte. Am 15. Oktober 1972 wurde das erste Rettungsauto von der Bezirksstelle Krems/Donau nach Gföhl überstellt und der Gföhler Gemeindebeamte Johann Loidl mit der Organisation und dem Einsatz des Gföhler Rettungswesens beauftragt. Bereits am nächsten Tag führte der 1. Einsatz zu einem schweren Verkehrsunfall bei Wegscheid/Kamp. Der „Mann der ersten Stunde“ des Gföhler Rettungswesens Johann Loidl scharte noch im Gründungsjahr 23 freiwillige Helfer um sich und verrichtete mit diesen rund um die Uhr Rettungsdienst. Tagsüber erfolgte die Koordinierung über die Marktgemeinde Gföhl (Johann Loidl), und nicht selten verließ der Gföhler Kaufmann Anton Huber seinen Kaufmannsbetrieb und stellte sich uneigennützig für das Rettungswesen zur Verfügung. 

 

An Wochenenden und Feiertagen sowie zur Nachtzeit bzw. außerhalb der Amtsstunden der Marktgemeinde Gföhl übernahm die Koordinierung der Rettungseinsätze die Gföhler Gendarmerie. Diese Tätigkeit hat sich bewährt und war auch für die Gendarmerie vorteilhaft, weil sie bei Delikten mit Fremdverschulden sofort Kenntnis hatte und unverzüglich die erforderlichen Schritte einleiten konnte. Im April 1993 mußte diese Vermittlertätigkeit der Gendarmerie eingestellt werden, da der Gföhler Posten nicht mehr ständig besetzt war. Seit dieser Zeit erfolgt die Alarmierung der diensthabenden Gföhler Rettung einheitlich im Wege der Bezirksstelle Krems/Donau über „Rettungspiepser mit Sprachdurchsage“. 

 

Ortsstellenausschuss Gföhl 2008
Ortsstellenausschuss 2008

Seit Gründung der Einsatzzentrale LEBIG nunmehr „144-Notruf-Niederösterreich“ wird die Einsatzkoordination derzeit von Tulln aus durchgeführt. Zur Gewährleistung einer 100% igen Alarmierung wird diese zugleich über Funkpager und Handy durchgeführt. Alle Gföhler RettungssanitäterInnen verfügen über die erforderlichen Kurse und Prüfungen. Aber auch die techn. Ausrüstung ist immer auf dem neusten Stand. So ist es selbstverständlich, dass das allradbetriebene Auto in Gföhl mit Einrichtungen wie: Vakuummatratze, Schaufeltrage, Defibrillator, Blutdruckmesser, Blutzuckermessgerät, elektronisches Pulsmessgerät und ein Gerät zur Messsung der Sauerstoffsättigung des Blutes ausgestattet ist. Laufende Aus- bzw. Weiterbildung steht bei der Gföhler Rettung im Vordergrund. Der Unterricht dazu wird vom Lehrpersonal der Bezirksstelle Krems bzw. vom Landesverband mit Sitz in Tulln erteilt. Dank der freiwilliger HelferInnen und einiger rüstiger Pensionisten ist bei der Gföhler Rettung ein Dauerbetrieb rund um die Uhr möglich. In den letzten 35 Jahren hat sich die reine Männermannschaft zu einem Team von 50% Frauen und 50% Männern entwickelt. Weiters ist der Anteil der nicht in Gföhl wohnenden Mitglieder auf fast 40% gestiegen. Überörtliche Einsätze nach Wien bzw. Dialysefahrten werden derzeit von der Gföhler Rettung nicht durchgeführt, weil dadurch die ständige Einsatzbereitschaft für Rettungseinsätze nicht gegeben sein würde. Pro Jahr werden ca. 1.500 Einsätze durchgeführt und dabei rund 60.000 km zurückgelegt. 

 

Der am 16. 10. 1972 nach Gföhl überstellte Rettungstransportwagen wurde für kurze Zeit im alten Haus der FF Gföhl eingestellt. Nach Ankauf des Edhofer-Hauses durch die Gemeinde Gföhl wurde 1972 das Rettungsauto bis zum Umbau des Gemeindehauses in dessen ehemaligen Stall untergebracht.

Anschließend wurde die Garage in der Bezirksbauernkammer (Einfahrt Oberes Bayerland = heutiger Standort) und die alte Postgarage (Unteres Bayerland) als Einstellort zur Verfügung gestellt.

Nach Ankauf eines Teiles des ehemaligen Areals von Rudolf Hagmann in der Feldgasse wurde wieder ein provisorischer Abstellplatz gefunden.

Dann gab es wieder eine Garage bei der alten Straßenmeisterei in der Bergstraße, wo das Auto bis 1994 eingestellt war.

In der Festschrift „20 Jahre Ortsstelle Gföhl“ war zu lesen: „Da es sich nach nunmehr 20 Jahren noch immer um eine notdürftige Unterbringung des Rettungswagen handelt, wäre es der sehnlichste Wunsch aller Gföhler RK-Mitarbeiter, endlich eine wirklich geeignete und fixe Räumlichkeit zu finden, wo nicht nur das Auto abgestellt werden kann, sondern auch die erforderlichen Einrichtungen (Heizung, Telefon, Warmwasser, WC und Schreibraum) enthalten sind.“

 

Mannschaft Gföhl 2012
Mannschaft 2012

Im Jahre 1994 ging dieser Wunsch in Erfüllung. Unter Ortsstellenleiter Karl Braun konnte vorerst die provisorische Anmietung einer Unterkunft samt Garage vom Gföhler Gemeindearzt Dr. Dietmar Gamper in Gföhl, Oberes Bayerland 6 erfolgen. Schließlich wurden diese Räumlichkeiten im Jahre 1999 mit großer Unterstützung des Bezirksstellenleiters Dr. Hetzer gekauft. Die Umbauarbeiten dazu wurden von Mitgliedern der Ortsstelle Gföhl in ihrer Freizeit gratis durchgeführt. Diverse Gföhler Firmen bzw. Persönlichkeiten kamen für die Materialkosten auf. Dieses Anwesen (neue Adresse: Oberes Bayerland 4a) verfügt nun über einen Schulungsraum, sanitäre Anlagen und eine beheizte Garage.

Doch schon ein paar Jahre später zeigte sich, dass ein größerer Ausbau erforderlich ist. Es mussten für die immer höher werdende Anzahl von Mitgliedern welche nicht im Ortsgebiet von Gföhl zu Hause sind, entsprechende Aufenthalts- und Schlafräume errichtet werden. Außerdem fehlte dem Gebäude eine zeitgemäße Wärmedämmung und das Dach war undicht. Nach einer Bauzeit von 8 Monaten konnte im Mai 2007 das Gebäude eröffnet werden. Die Finanzierung des Umbaues erfolgte zum Großteil durch das Rote Kreuz, aber auch durch finanzielle Unterstützung der Gemeinden und durch Spendengelder aus dem Betreuungsbereich der Ortsstelle Gföhl. Im Rahmen eines Festaktes, bei dem zahlreiche Ehrengäste begrüßt werden konnten, wurde das Gebäude von Stadtpfarrer Mag. Thomas Pichler gesegnet. Bürgermeister Ökonomierat Karl Simlinger betonte in seiner Festansprache die Wichtigkeit dieser Organisation und dankte allen Mitgliedern der Ortstelle Gföhl für ihren feiwilligen Einsatz im Dienste der Mitmenschen. 

 

Eröffnung der Umbaus in Gföhl 2007
Eröffnung der neuen Ortsstelle 2007

Die Gföhler Rot-Kreuz-HelferInnen sind mit einer modernen Einsatzbekleidung (bundeseinheitlich) ausgestattet und treten in dieser auch bei diversen Anlässen (Fronleichnamsumzug, Begräbnisse von Rot-Kreuz-Mitgliedern und diversen Persönlichkeiten) auf.

Bei der jährlichen Weihnachtsfeier im Gasthaus Haslinger in Gföhl erfolgt ein ausführlicher Rechenschaftsbericht des Bezirks- und Ortsstellenleiters - sowie Ernennungen, Beförderungen und Verleihungen von Auszeichnungen.

Johann Loidl war auch bei der Organisation von Blutspendeaktionen „Mann der ersten Stunde“ Bereits in den Nachkriegsjahren wurden die Blutspender mit LKWs der Firmen Baldt und Stärk zur Abnahmestelle in das Krankenhaus Krems gebracht.

Seit 1973 werden in Gföhl zwei Mal pro Jahr Blutspendeaktionen organisiert. Seit Gründung dieser Aktion haben in Gföhl 16.500 Personen freiwillig Blut gespendet. Bis 1995 war Johann Loidl dafür verantwortlich, dann übernahm Emmerich Damberger diese Tätigkeit. Derzeit wird die Blutspendeaktion sehr umsichtig von unserem Rot-Kreuz-Kollegen und Polizeiinspektionskommandant Karl Simlinger organisiert. 

 

Erster Ortsstellenleiter in Gföhl war Johann Loidl, gefolgt von Bürgermeister Dipl.-Ing. Friedrich Fassler und Karl Braun.

Seit dem Jahre 1996 übt diese Funktion mit großem Einsatz Ing. Werner Hagmann aus. Als Stellvertreter steht ihm der Gemeindebeamte Erich Hagmann zur Seite, dieser organisiert zur Vertiefung der Beziehungen untereinander auch den jährlichen Gemeinschaftsausflug der RK-Mitglieder. 

 

Im August 2002 fand das 30-jährige Gründungsjubiläum der Ortsstelle Gföhl mit einer Feier statt. Dazu wurde eine Festschrift aufgelegt.

Der Besonnenheit und Ausdauer der Gföhler Rot-Kreuz-MitarbeiterInnen ist es zu verdanken, daß diese Organisation im Großraume Gföhl hohes Ansehen genießt und nicht mehr wegzudenken ist. Trotz der schweren und zahlreichen Verkehrsunfälle im Einzugsbereich, vor allem auf der B 37, waren Rettungsfahrzeuge der Ortsstelle Gföhl in Verkehrsunfälle mit Personenschäden bisher nicht verwickelt. 

 

Besonderer Dank gebührt den Gföhler Bürgermeistern Kugler, Fassler, Reiter und Simlinger, die für den Dienstbetrieb der Ortsstelle Gföhl und der Blutspendeaktion immer Verständnis zeigten.

Um die Einsatzbereitschaft - Tag und Nacht, 365 Tage lang und das seit 40 Jahren - aufrecht zu erhalten brauchen wir laufend neue Mitarbeiter, die einen großen Teil ihrer Freizeit für den Dienst an in Not geratenen Mitmenschen opfern. Daher sind wir laufend bemüht, neue ehrenamtliche Helferinnen und Helfer für die Ortsstelle Gföhl zu gewinnen.

 

Wir wenden wir uns daher mit der dringenden Bitte an Sie: Helfen Sie uns und allen Bewohnern der Region und werden Sie Rettungssanitäter beim Roten Kreuz Gföhl !

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