19.09.2017 12:08

Eröffnung des Such- und Therapiebegleithundezentrums

Das Rote Kreuz Niederösterreich startet ab sofort ein neues Ausbildungsangebot: die Ausbildung für Therapiebegleithunde-Teams. Mit der Eröffnung des neuen Ausbildungszentrums in Mannswörth (Bezirk Bruck/Leitha) am Samstag stehen nun auch die entsprechenden Räumlichkeiten zur Verfügung. Derzeit läuft die erste Ausbildung Rotkreuz-intern – ab Jänner wird der erste Kurs auch für externe Teilnehmer/innen angeboten

Eröffnung des Such- und Therapiebegleithundezentrums

„Das neue Ausbildungszentrum für Such- und Therapiebegleithunde ist aktuell das größte Areal, das uns für Kurse zur Verfügung steht“, erklärt Präsident Josef Schmoll, Rotes Kreuz Niederösterreich. „Unsere freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben dieses Zentrum in zahlreichen Stunden hergerichtet – allein das ist schon eine Leistung, auf die wir stolz sein können. Mit dem Angebot der Ausbildung von Therapiebegleithunden können wir aber noch dazu künftig eine Leistung anbieten. Gerade der Besuch von älteren Menschen, Kindergruppen oder auch von Menschen mit besonderen Bedürfnissen mit einem Tier wird immer mehr angefragt, daher haben wir uns entschlossen, hier ebenfalls ein qualitativ hochwertiges Angebot zur Verfügung zu stellen.“

 

Die Planung und Vorbereitung des neuen Ausbildungszentrums hat insgesamt 18 Monate in Anspruch genommen und wurde von 20 freiwilligen Rotkreuz-Mitarbeiter/innen in mehr als 7.000 Stunden umgesetzt. Unterstützt wurde das Rote Kreuz dabei von freiwilligen Helfer/innen der Stadtfeuerwehr Schwechat und der Betriebsfeuerwehr Schwechat Industriepark sowie durch die Unternehmen Borealis Polyolefine GmbH, Habau Hoch- und Tiefbaugesellschaft mbH, Uhl Bau GmbH, ASFINAG sowie von Markus Horwath und Erich Moller. „Wir bedanken uns bei unseren Partnern und Unterstützern, ohne die es nicht möglich gewesen wäre, diesen Platz umzusetzen“, erzählt Organisatorin Eli Stidl, Rotkreuz-Suchhundestaffel Purkersdorf. „Jetzt stehen uns hier Unterordnungsplätze, ein Geräteplatz zum Trainieren der Gewandtheit und Motorik, Physiogeräte, Trümmerschadstellen, diverse Kulissen und vieles mehr auf insgesamt vier Hektar zur Verfügung.“

 

Neues Angebot: Therapiebegleithunde

 

Mit dem neuen Übungsgelände kann auch das neue Angebot der Therapiebegleithunde-Ausbildung umgesetzt werden. „Wir planen diese Module bereits seit drei Jahren“, sagt Stidl. „Jetzt können wir es endlich starten. Die ersten Rotkreuz-Teams werden bereits ausgebildet, um auch in der Praxis noch weitere Erfahrungswerte zu sammeln, ab Jänner können dann auch Nicht-Rotkreuz-Mitglieder diese Ausbildung starten, der erste Kurs wird ab dem Spätherbst buchbar sein.“

 

Insgesamt umfasst die Ausbildung 88 Stunden. Ziel ist es, das Team auf die Einsätze entsprechend vorzubereiten. Künftig können die Hunde dann sowohl bei Besuchsdiensten – zum Beispiel bei älteren Menschen, Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen oder auch in Kindergärten – als auch in Zusammenhang mit Kriseninterventions-Einsätzen eine wertvolle Unterstützung bilden.

 

„Wir haben uns für die duale Ausbildungsmöglichkeit in Mannswörth entschieden, weil viele Hunde für die Suchhundeausbildung nicht geeignet sind, sehr wohl aber andere Veranlagungen mitbringen“, erzählt Projektleiterin Stidl. „Die Ausbildung zum Therapiebegleithund dauert etwa ein halbes Jahr und wird mit einer offiziellen Prüfung an der Veterinärmedizinischen Universität abgeschlossen.“ In der Ausbildung ist es vor allem wichtig, dass Tier und Mensch lernen, mit den unterschiedlichsten Situationen umgehen zu können. Gerade für Hunde sind Rollstühle, Krücken aber auch viele Kinder oder der Umgang mit in der Mobilität eingeschränkten Bewegung nicht selbstverständlich, wenn sie es nicht bereits früh lernen. „Gerade auch im Bereich der Demenz kommen heute oftmals Tiere zum Einsatz und sind manchmal die einzige Möglichkeit, zu den Menschen durchzudringen und ihnen ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern“, sagt die Trainerin. „Das ist auch der Grund, warum wir uns so für dieses Angebot einsetzen – das Lächeln eines Menschen, der sonst nur noch in seiner eigenen Welt lebt, gibt oft mehr zurück als tausend Worte.“

 

Rotkreuz-Suchhundeteams in Niederösterreich

 

Die Suchhundestaffeln des Roten Kreuzes werden gerufen, wenn ein Mensch vermisst wird und eine erste Suche erfolglos blieb. Sie sind 365 Tage im Jahr, sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag einsatzbereit und können jederzeit über Notruf 144 alarmiert werden. Die Mitglieder der Rotkreuz-Suchhundestaffel sind ehrenamtlich im Einsatz, der Einsatz selbst ist mit keinerlei Kosten verbunden.

 

Die auch unter erschwerten Bedingungen hohe Erfolgsrate führen die Rotkreuz-Suchhundeführer/innen u.a. auf ihre gut ausgebildeten Suchhunde zurück – denn dank dem ausgeprägten Geruchssinn der vierbeinigen Kollegen konnte schon vielen Menschen rechtzeitig geholfen werden. Aktuell stehen in Niederösterreich 25 einsatzbereite Suchhundeteams sowie 80 ausgebildete Einsatzhilfskräfte an acht Standorten (Wr. Neustadt, Neunkirchen, Tulln, Haag, Poysdorf, Purkersdorf, St. Aegyd/Neuwalde und Weitra) und damit flächendecken für ganz Niederösterreich zur Verfügung.

 

Bis ein Suchhund einsatzbereit ist, braucht es ca. 2-3 Jahre an Ausbildungszeit, wobei zweimal pro Woche mindestens vier bis fünf Stunden lang trainiert wird. Nach dieser Ausbildung absolvieren die Teams die Prüfung zur Flächensuche, der sich über zwei Tage erstreckt und erfolgreich bestanden werden muss. Erst dann dürfen die Hundeführer mit ihren Vierbeinern bei Einsätzen tätig werden. Nach rund einem Jahr weiterer Ausbildung können die Teams nach einer Überprüfung (Mission Readiness Test) auch bei Trümmersucheinsätzen wie Erdbeben und Gasexplosionen national und international entsendet werden.

 

National werden die Suchhunde am häufigsten für die Flächensuche eingesetzt. Dabei werden meist Menschen gesucht, die aufgrund von Krankheiten oder Unfällen nicht nach Hause gekommen sind – oder auch ältere Personen, die nicht mehr zurückfinden. Aber auch für die Trümmersuche wird trainiert, beispielsweise zur Suche nach vermissten Personen nach Gebäudeeinstürzen, Gasexplosionen oder international nach Erdbeben. So waren die niederösterreichischen Suchhundeteams beispielsweise nach den Erdbeben in der Türkei, in Algerien oder im Iran im Einsatz.

 

Weitere Informationen über die Suchhundestaffel des Roten Kreuzes Niederösterreich unter suchhunde.n.roteskreuz.at

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