Üben am Limit
Am 9. Juli fand in Klosterneuburg Weidling die jährliche Notfallgroß-Übung gemeinsam mit den RK Dienststellen Purkersdorf und Schwechat, sowie den Feuerwehren Weidling und Weidlingbach statt. 20 Verletzte mussten von den Einsatzkräften gerettet und versorgt werden.
Normalerweise ist das Waldstück in Weidling ein Idyll für Spaziergänger und Reiter. Nicht jedoch an jenem Samstag. Da waren ein Traktor samt Anhänger, voll mit Besuchern eines Volksfestes, eine kleine Radfahrergruppe und zwei PKW unterwegs. Einer der PKW setzt zu einem Überholmanöver an. Auf Höhe des Traktors erkennt der Lenker, dass ihm eine Gruppe Radfahrer entgegenkommt. Er versucht noch einen Unfall zu verhindern, aber es gelingt ihm nicht mehr. Er touchiert zuerst den Traktor und rast dann in den Gegenverkehr. Das Auto samt seinen Insassen und ein paar Radfahrer stürzen in einen angrenzenden, zwanzig Meter tiefen Graben. Auch das nachfolgende Fahrzeug kann nicht mehr rechtzeitig bremsen und kollidiert mit dem Anhänger.
Dieses Szenario erdachte sich Übungsleiter Thomas Wordie gemeinsam mit den Kollegen der Feuerwehr. Die Realistikteams ("Schminker") aus Klosterneuburg, Korneuburg und Herzogenburg leisteten ganze Arbeit und verwandelten 20 Statisten in die Opfer dieses verheerenden Unfalls. Schürfwunden, Brüche, eine Pfählungsverletzung und auch eine Amputation wurden so realistisch geschminkt, dass dem einen oder anderen der Anblick nicht ganz geheuer war.
Reglos liegen die Verletzten im Wald, unter den Fahrzeugen, sind eingeklemmt oder finden sich im Graben wieder. Einige irren planlos und verwirrt umher. Ihre verzweifelten Hilfeschreie sind weithin zu hören.
Dann der erste Hoffnungsschimmer. In der Ferne ist das Martinshorn eines Feuerwehrfahrzeuges zu hören. Zwischen Verzweiflung und Freude schwankend läuft eine junge Frau den nahenden Rettern entgegen. Die Mannschaft des ersteintreffenden Rüstlöschfahrzeuges der Weidlinger Feuerwehr sind noch kaum ausgestiegen, da werden sie auch schon in Beschlag genommen. Händeringend versuchen sie, sich von den Patienten loszureißen, um einen Eindruck der Situation zu bekommen. Das Ausmaß des Unfalls wird rasch klar.
Kurze Zeit später treffen auch schon die ersten Fahrzeuge des Roten Kreuzes Klosterneuburg ein. Ein Notarztwagen gefolgt von einem RTW. Sanitäter Dominik Binder übernimmt die Rolle des Einsatzleiters. Vom Einsatzleiter der Feuerwehr wird er über die Situation unterrichtet und fordert umgehend weitere Einsatzmittel an. Weitere Fahrzeuge aus Klosterneuburg, Purkersdorf und Schwechat werden alarmiert.
Maximilian van Erp übernimmt in seiner Rolle als Notarzt gemeinsam mit Sanitäter Christoper Klambauer die erste Triage der Betroffenen. Schnell muss er sich einen Überblick über die Verletzungen der Opfer machen.
In der Zwischenzeit hat Marion Steiner als Leiterin der Material- und Meldestelle die Koordination der nachfolgenden Fahrzeuge übernommen. Gekonnt werden die KTWs und RTWs eingewiesen und die Mannschaften samt ihrem Material zugeteilt. Ein kleiner Teil zur Unterstützung im Schadensraum, der Rest wird mit dem Aufbau der SanHist unter der Führung von Fritz Eppel zugewiesen. Jetzt muss es rasch gehen, denn die ersten Verletzten wurden bereits von der Feuerwehr befreit und werden an die 50 Meter entfernte Versorgungsstelle gebracht.
Eine besondere Herausforderung stellen die Opfer im Graben dar. Die Steckleitern der Feuerwehr reichen nicht bis zu den Verletzten. Die Helfer müssen sich daher den steilen und rutschigen Hang hinab abseilen. Anfangs zwei Feuerwehrmänner, dann zwei weitere Sanitäter.
Die Feuerwehr Weidlingbach ist zu diesem Zeitpunkt ebenfalls bereits eingetroffen und unterstützt die Rettungsmaßnahmen.
In der schon weit ausgebauten SanHist ist der Notarzt mit Sanitäterinnen und Sanitätern alle Hände voll zu tun. Ein Verletzter nach dem anderen wird auf Schaufeltragen oder in Korbtragen gebracht. Untersuchen, behandeln und auf die einzelnen Stationen zuweisen. Eine anstrengende Arbeit bei über 30 Grad Hitze.
Zwei Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams kümmern sich um jene, die keiner akuten Behandlung bedürfen. Um den betroffenen Kindern die bange Zeit zu verkürzen, wird kurzer Hand eine Runde UNO gespielt.
Nach gut zwei Stunden ist die Übung beendet. Das letzte Opfer wird von der Feuerwehr aus dem Graben gerettet.
Erschöpft, aber sichtlich von der Anspannung befreit, fand eine kurze Abschlussbesprechung aller Beteiligten statt. Was hat gut funktioniert? Wo gibt es Verbesserungspotential?
Es waren sicher extreme Umstände, unter denen die heurige Übung stattfand. Die Hitze brachte manchen Teilnehmer an seine körperlichen Grenzen. Aber auch das war eine wichtige Erfahrung.
Danke an alle, die diese Übung durch ihren Einsatz möglich gemacht haben.




