Lia´s Wahrnehmung

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Als wir im Messegelände ankamen, waren  noch keine Flüchtlinge dort. Das war gut, denn so konnten wir perfekt unsere Kinderecke zusammenräumen. Nach einer Stunde hieß es:“ Sie kommen bald“ Ich war sehr aufgeregt. Wir nahmen einen Korb mit Spielsachen und stellten uns nach draußen um die Flüchtlinge „Herzlich Willkommen“ zu heißen. Es waren 900 erschöpfte Menschen die eine lange Reise hinter sich hatten. In den ersten 30 Minuten haben wir schon einige lächelnde Kindergesichter gesehen, weil sie sich so über die Spielsachen gefreut haben.

Als alle da waren gingen wir zurück in die Kinderecke. Sofort, als die Kinder die Halle betraten rannten sie zu der Spieleecke und begannen zu spielen. Eine Frau nahm Blickkontakt mit mir auf, gab mir ihr zwei Jähriges Kind und fragte ob das okay sei. Ich nickte und setzte mich mit der Kleinen zum Maltisch. Doch nach kurzer Zeit bemerkte ich, dass das Kleinkind sehr müde war und fast einschlief. Ich nahm sie und setzte mich mit ihr in die Babyecke wo Decken aufgelegt waren. Sie schaute mich immer wieder mit einem schiefen Lächeln an, doch gab kein Geräusch von sich. Sie setzte sich verkehrt auf meine Schoss und schlief ein. Ich war gerührt, dass sie mir so viel Vertrauen entgegen brachte. Nach einer kurzen Zeit kam die Mutter wieder, schloss mich fest in ihre Arme, gab mir einen Kuss auf die Wange und bedankte sich geschätzte 10Mal.

Die ganze Nacht über gab es Kinder die keine Socken und Schuhe trugen, wenn das der Fall war rannten wir sofort zur Kleidungausgabe und suchten die jeweiligen passenden Klamotten und Schuhe aus. Immer wieder kamen dazwischen Eltern zu mir und bedankten sich sehr. Nun war es schon sehr spät.

Wir packten unsere Sachen und machten uns bereit Nachhause zu fahren, doch dann setzten sich vier syrische Burschen zu uns. Sie waren alle sehr gebildet und konnten fließend Englisch sprechen. Wir hatten viel Spaß mit ihnen und ihren kleinen Geschwistern. Sie waren schon bald wie meine großen Brüder. Wir tauschten mit ihnen Facebook-kontakte. Doch dann mussten wir Nachhause gehen und versprachen nächsten Tag wiederzukommen und das Versprechen hielten wir auch.

 

Ein Mädchen, mit der ich mich sehr gut verstanden habe kam zu mir und schenkte mir ein rosa Haarband, als Erinnerung an unsere gemeinsame Zeit.

Als sie abreisten, war ich sehr traurig und sehr viele Tränen flossen. Zum Abschied schossen wir alle sehr viele Fotos. Ich habe die zwei Tage sehr viele neue Freunde kennengelernt und viel für mein Leben mitgenommen.

Ich bin zwölf Jahre alt, ein Mädchen, war unter all den fremden Menschen und hatte keine einzige Sekunde Angst, sag mir warum haben manche Leute Angst, und wovor genau?

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