Peace4Refugees - Eindrücke vom Flüchtlingscamp Messegelände Tulln

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Dienst in guter Sache!

Mit der Ankunft der vielen schutzsuchenden Menschen in Österreich ist humanitäre Nächstenhilfe eine Sache die außer Frage steht. Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen - von JEDEM! Ich habe mich aus diesem Grund für die Unterstützung der Rot Kreuz KollegInnen am Messegelände Tulln entschieden, nachdem bekannt wurde, dass etwa 1000 Personen zu erwarten sind. Die Entscheidung auch neben dem Rettungsdienst Freizeit zu entbehren, um Schutzsuchende betreuen und versorgen zu können, war für mich daher selbstverständlich.

 

Bei meiner Ankunft am Abend im Camp Tulln waren standen zahlreiche Heeresbusse mit Menschen bereits vor Ort Schlange. Durch den Einsatzleiter bekam ich meine Aufgabe zugewiesen und besetzte gemeinsam mit einer Kollegin von einer anderen Dienststelle den Sanitätseinsatzwagen. Dieser wurde von der Bezirksstelle Tulln zu Verfügung gestellt. Unsere Aufgabe bestand darin, Menschen in den wartenden Bussen medizinisch zu versorgen und gegebenenfalls abzutransportieren. Viel Zeit für eine Erkundung der Lage blieb jedoch nicht, da wir sofort die Meldung: „bevorstehende Geburt im Bus“ erhielten. Aus Respekt vor dieser anderen Kultur nahm ich bei jenem Einsatz eine eher passive Rolle ein, so betreuten vorrangig weibliche Kolleginnen die werdende Mutter. Nachdem dieser Einsatz beendet war, kümmerten wir uns um die Insassen der anderen Busse. Mit den Busfahrern des Bundesheeres kamen wir ebenfalls ins Gespräch und fragten sie über ihre Befindlichkeiten – auch sie leisten schließlich anstrengende und fordernde Arbeit. Im gesamten Einsatz war die Kommunikation sehr wichtig, da aufgrund von Sprachbarrieren ein direktes Gespräch mit den Betroffenen äußerst schwierig war. Dolmetscher vor Ort  waren hier eine sehr große Hilfe. Wir tauschten uns auch mit Personal von Polizei und Bundesheer sehr intensiv und zweckmäßig aus, um diese Herausforderung gemeinsam bestmöglich bewältigen zu können.

 

Besonders beeindruckt war ich von der professionellen Organisation und Koordination der Einsatzkräfte seitens des Roten Kreuzes. So kamen rund um die Uhr Spenden und Güter im Camp an, sowohl durch Privatpersonen als auch durch Organisationen. Nachdem die Schutzsuchenden in Tulln angekommen waren, bekamen sie einen Schlafplatz zugewiesen. Unter ihnen waren viele Familien mit Kindern, die von den Strapazen der langen Reise sehr geschwächt waren. Die Kinder hatten häufig grippale Infekte, Fieber oder Bauchkrämpfe. In der Sanitätshilfsstelle versorgte ich auch häufig Fußverletzungen bei Erwachsenen. Eine enorme Leistung erbrachten auch die zahlreichen  Notärzte, die ebenfalls ehrenamtlich Dienst im Camp Tulln leisteten. Jeder half so viel wie möglich und jeder war bemüht, für unsere Gäste auch individuell Wünsche zu erfüllen. So richteten wir eine eigene Baby-Schlafstation ein, nachdem Mütter mit Babys diese Bitte äußerten. Mit den vorhandenen Materialien konnte dies realisiert werden.

 

Sofort ins Herz geschlossen

Die Betreuung der Kinder ist mir persönlich sehr nahe gegangen. Durch eine Vielzahl an Kinderspielzeug von der Bevölkerung, hatten die Jüngsten die Möglichkeit Dinge kennenzulernen, die es in ihrer Heimat offensichtlich nicht gab.  Ich spielte mit den Kindern bis in die frühen Morgenstunden, denn scheinbar kannten diese neugierigen und begeisterten jungen Menschen keine Müdigkeit – zumal sie in einer so kurzen Zeit viele neue Eindrücke sammelten. In diesen Tagen bekam ich in der kühlen Atmosphäre der Messehallen eine der schönsten Sprachen auf dieser Welt zu hören: Kinderlachen. Zahlreiche Zeichnungen, die sie für mich gemalt haben, bleiben als Erinnerung und es stimmt mich sehr traurig, dass ihr weiteres Schicksal so ungewiss ist. Ein sehr berührender Moment war, als sie zum Abschied aus den Bussen gewunken und voller Vertrauen auf eine bessere Zukunft ihre „nicht freiwillige“ Reise fortgesetzt haben. Ich bin glücklich meinen Beitrag geleistet zu haben und werde diese Begegnungen nie vergessen.  

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