-Penso positivo perche son vivo-

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?Warum so und nicht anders?

Ich habe mich entschieden diesen Bericht etwas anders zusammenzufassen als dies die Herrschaften vor mir taten. Große rührende Erzählungen, welche ich am Messegelände in Tulln erlebt haben soll, werde ich hier nicht fest gehalten haben. Da sehr viele schon das emotionale Empfinden in ihren Berichten zu Sätzen machten, dachte ich mir, ich mache es zur Abwechslung nicht so ganz. Nicht, dass ich ein Mensch ohne Emotion bin, aber wenn ich ehrlich mit mir und mit euch bin, ich habe kein spezielles Gefühl für nur eine Menschengruppe, nur eine Menschenmasse, welches ich nicht für all die anderen habe, die mit Leid und Elend zu kämpfen haben.

Das Erlebte am Messegelände in Tulln war für mich persönlich keine Erleuchtung, nichts Neues, welches ich schon vorher nicht gewusst habe. Ich glaube, mich auf diesem Gebiet schon vor Jahren gebildet zu haben und mittlerweile gibt es selten Taten und Untaten, welche meinen Mund weit offen stehen lassen. Durch Vieles gegangen, Vielem begegnet. All diese meine Wege und Begegnungen lehrten mich – was es wirklich bedeutet Mensch zu sein. Sehr oft gelingt mir das, selten aber doch misslingt es. Wer an sich bereit ist zu arbeiten, dem wird das Gelingen immer schmackhafter und nach diesem strebe ich.

!Tage wie all die anderen!

Unser Alltag, der selbstverständliche Stress, welcher sich mit dem Aufwachen in jedem neuen Tag bemerkbar macht.

Wecker läutet, verlassen wir die Träume…die Fahrt zur Arbeitsstätte, Ampel, Stau – der Stress im Anfangsstadium. In der Arbeit färbt man langsam von den - schon längst von Frust zerfressenen -Arbeitskollegen/Kundschaften/Patienten/Gästen ab. Schlimmstenfalls hatte der Wecker nicht genügend Kraft, uns rechtzeitig munter zu bekommen, und wenn noch Kinder im Haushalt vorhanden sind, ist der Wahnsinn schon vorprogrammiert. Wo war ich denn stehen geblieben? Gott, kaum angefangen und die Vergesslichkeit macht sich bemerkbar, ja sie auch noch - !Ärgernis!  Ach ja, bei der Arbeit und den von Frust Zerfleischten, stimmt.  Was soll ich sagen, euch erzählen, was ihr schon längst nicht selbst in Erfahrung gebracht habt.

Man kommt spät nachmittags oder gar abends ins vertraute Heim, in welches man sich bald fast nicht mehr reinzugehen traut, denn die Gewissheit hat uns gelehrt, dass dieses „mein zu Hause“ auch kein Ort ist, an welchem man die Schuhe auszieht und den „OFF“-Knopf, welcher unauffindbar ist, drückt. Das Vorgekochte vom Vortag oder vor Ewigkeiten das Eingefrorene in die dafür gedachte Mikrowelle hineinbitten, den Kindern/dem Partner die ungesunde Mahlzeit auf den Tisch servieren, diese hinunterschlingen und ran an die Haushaltsverpflichtungen.

Ach du Dreck, Kinder, Schule, die Aufgaben. Schulsachen, Klamotten, Ausflüge, Exkursionen ? Geld. Gott! Sie stehlen uns alles. Die Zeit, den Nerv, nein alle Nerven, die Geduld, das hart verdiente Geld, einfach alles. Sinkende Natalitätsrate. Nicht dass wir heutzutage keine Männer als Erzeuger und keine Frauen als Gebärende hätten, nein. Gedanke an eine Familiengründung wird heutzutage immer mit Geld verbunden. Kann man sich eine Familie denn leisten?! Die guten alten Verhütungsmitteln. Ja, auch sie kosten, doch bei Weitem nicht so viel, wie ein Spermium, das auf dem guten Wege, ein Kind zu werden, ist.

Wie auch immer – unser Tag endet oft, so wie er auch anfängt. Kaum Zeit für lange erholsame Bäder, für viele gelesene Zeilen eines guten Buches, kaum Zeit für gesunde Konversationen, kaum Zeit für das Zeigen der Gefühle, Austausch der Zärtlichkeiten, nicht einmal Nachdenken fällt uns leicht.

!Fühlen! Nachdenken! Kommunizieren!

Und genau das brauchen wir, all das fehlt der breiten Masse unserer (westlichen) Welt. Als Mensch fühlen, wie ein Mensch denken und mit Menschen kommunizieren. Egal wie „schlecht“ es uns geht, es gibt immer die, welche das Schicksal noch schlimmer herausfordert und gegenüber welchen wir uns verpflichtet fühlen sollen unsere Hände auszustrecken und sie auch ausgestreckt zu lassen, um sowohl uns selbst als auch die Anderen mit Gutem zu beschenken.

Ich selbst kenne kein anderes kein besseres Gefühl, als zu wissen, dass man für den Anderen da ist. Kein Gefühl löst mehr Schönheit/Zufriedenheit im Tiefsten meiner Seele aus, als das Gefühl des Gebens.

!September 2015 – mein langersehnter Urlaub!

Der langerwartete gebuchte Bella-Italia Urlaub  blieb nur eine Illusion. So wusste ich, Österreich ich verlasse dich nicht. Vielleicht ein paar Tage Balkan auf Besuch zur Oma, aber das wird es heuer für mich gewesen sein. Dem war auch so. Am 04. September fuhr ich meine Oma über das Wochenende besuchen. Nach verbrachten 1 ½ Tagen machten wir uns, am Sonntag, den 06. September 2015, auf dem Weg nach Hause. Kurz vor der Abreise erreichte mich die Meldung aus Österreich, Grenzübergang Nickelsdorf sei geschlossen. Flüchtlinge sollen zu Fuß die Grenze überqueren. Nach langem Überlegen wagten wir es trotz der Info doch Nickelsdorf als Grenzübergang zu beanspruchen. Auf gut Glück so zu sagen. Ich dachte mir nur „geh bitte, wegen paar hundert Flüchtlingen werden sie ja nicht stundenlang einen Grenzübergang blockieren, bis wir angekommen sind, wird sich das alles geregelt haben“. Dem war auch so. Als wir Nickelsdorf erreichten, war nicht viel anders, als bei der Hinfahrt – außer, dass ein paar Dutzend LkWs am Pannenstreifen still standen und die Grenze zu Ö nicht passieren durften. Am Grenzübergang direkt war ein Zelt zu sehen, 2 Wagen des ÖRKs und 4-5 Flüchtlinge, welche in Schlafsäcken auf dem Betonboden schliefen. Und das Schild „Vorsicht – Personen auf der Fahrbahn!“.

!Das Geschehen am Messegelände!

In Tulln angekommen bekam ich mit, dass Flüchtlinge in der Landesfeuerwehrschule untergebracht seien. Durch Privates, welches ich noch meine 2 restlichen Urlaubstage zu erledigen hatte, nahm ich das ganze Geschehen bis Donnerstag, den 10.September, gar nicht so wirklich mit. Als meine Freundin/Arbeitskollegin Sandra Macho mich über die Lage im Notquartier wissen ließ, wusste ich, abgesehen davon, mit welchem Auge ich das Weltgeschehen betrachte, ich muss dahin. Es geht um Menschen, es geht um Leben.

Freitag früh – Augen auf -Gewand/Schuhe/Schals/Decken einsammeln - einpacken! Nichts wie hin!

Am Messegelände angekommen, ließ ich mich von einem „M“ (Material- und Personalkoordinator) in die Liste eintragen. Verstaute meine Sachen, ging hinaus, rauchte eine Zigarette, bevor mich Sandra einweiht, was zu tun sei. Erst da nahm ich all die Menschen wahr, an welchen ich auf dem Weg zur Halle schon mal vorbei ging. Für mich war es nicht das erste Mal, die Gesichter der unzähligen Geflüchteten zu beobachten und doch waren die Gesichter anders, als diese, die ich aus der Vergangenheit kannte.

Männer, Frauen, Kinder jeden Alters waren am Freitag bereit für die Weiterfahrt. Sie saßen da, aßen die Snacks, tranken und tauschten Erlebtes auf den Bus für den Weitertransport wartend. Ich begab mich ins Innere der Halle, wurde zur Tee-Ausgabe eingeteilt. Busse kamen. Aus der Menschenmasse wurden nur noch vereinzelte Gruppen sichtbar. Noch ein zwei Busse und sie alle sind ihrem Ziel einen Schritt näher. An diesem Freitag dachte ich über den Einzelnen nicht nach. Außer Blicke tauschten wir nicht viel mehr aus. Ich sah immer noch sie – die Flüchtlinge als eine Einheit, ich sah die Menschen und nicht den Menschen.

Nachdem sich die Halle und das Gelände geleert hatte – wurde die Halle gereinigt und die „Betten“ für die Nächsten gemacht. Kurz nach 13.00 Uhr machte ich mich an diesem Tage auf dem Weg nach Hause – die Nachtschicht wartete.

Es wurde uns gesagt, dass weitere 900 Flüchtlinge zu erwarten sind. Die Telefonnummern und Facebook-Gruppe „Tulln hilft“ wurden bekannt gegeben, bei welchen wir am ehesten die aktuellsten Informationen erfragen konnten.

Sie kommen!

Als wir am Messegelände mit dem Shuttlebus ankamen, konnte ich sehen, dass jeder, aber wirklich jeder aktiv mithalf, ausnahmslos. Jeder war mit seinem Tun schwer beschäftigt. Bei der Essensausgabe wurde Schwarztee, Kaffee gekocht, Trinkbecher mit dem Saft und Wasser befüllt und Essbares für die leeren Mägen hergerichtet.

Die Damen und Herren bei der Gewandausgabe, wo auch ich eingeteilt war, kämpfen damit, Gewand so gut es möglich war nach Damen-, Herren- und Kinderbekleidung zu trennen und da dann auch möglichst nach Größen zu sortieren, damit man halbwegs einen Überblick hat, bei welchem Gewandstapel sich die einzelnen Flüchtlinge am ehesten neu einkleiden können. „Betten“ wurden im Nu in der zweiten Halle aufgestellt, zu jedem „Bett“ ein Einweg-Packerl mit Unterlage, Decke und Kopfkissen und gespendetem Bettzeug. Da nicht ausreichend „Betten“ vorhanden waren, mussten einige auf Matten schlafen.

 

Ich habe gestaunt, wie alles in kürzester Zeit bereit stand und jeder das Beste von sich gab, um voran zu kommen. Dieses Gefühl versetzte mich in das Land der Träume, in ein Schlaraffenland. In das Land, in welchem jeder Gedanke, jeder Wunsch, jeder Traum, solange man dem Anderen keine psychischen/physischen Schäden zufügt, gelebt werden kann. Das Land, in welchem wir als Einheit alles schaffen ohne „warum“ zu fragen, ohne „für wen“ zu hinterfragen. Das Land, wo die Gier und der Neid zwei Unbekannte sind, die der Mensch nie erklären nie definieren wird können, da keiner von uns diesen Beiden je begegnet ist. Ein Land, in welchem man nicht in Not geraten muss, um Hilfe zu erhalten, sondern wir uns alle gegenseitig Hilfe anbieten, in diesem Land sind wir alle gleich und besitzen gleich viel. Wo der Mensch ohne das Lieben, Ehren, Akzeptieren und Tolerieren erst gar nicht geboren werden kann. Ich verfiel in dieses Ländle, das keine Abgrenzungen, keine Ausgrenzungen kennt. Keine düsteren Geheimnisse hat, keine hinterlistigen Spielereien, keine korrupte Gesellschaft kennt. Land, welchem der Mensch und nicht die Politik regiert. Ich verfiel!

 

Irgendwann rüttelte mich das Reelle wieder wach. Ich stand mit Sandra Lamberg zwischen den zwei Containern – Männer/Damen-Duschen! Gespendete Badetücher, Handtücher, Babybadetücher. Durch die Duschbrausen floss das Wasser unaufhörlich. Draußen zogen die Männer das alte stinkende Gewand aus, rein in den Container mit nackten vom Schweiß und Gestank bedeckten Körpern. Neue Gewänder. Frauen mit ihren Kindern im anderen Container. Bis spät in die Nacht – leistete das Wasser seinen Dienst!

Tag darauf hatte mich die Essensausgabe. Schwarztee-Kaffee-Saft-Wasser, Reisfleisch-Bananen-Äpfel-Paradeiser-Gurken herrichten. Abendessen stand bevor. Feldküche Neulengbach sorgte für ordnungsgemäßen Verlauf, es solle an nichts fehlen, da von all dem genug auf Lager war. So geschah es auch. Ohne Probleme, fast unvorbereitet, 900 Mäuler stopfen? Unglaublich, aber wahr. Wir schafften es. Kinder spielten, malten, tanzten rundherum. Es war Freude/Erleichterung bei Geflüchteten spürbar. Wie denn auch nicht?! Geduscht, gegessen, ausgeruht und vor allem, wir nahmen sie auch als Menschen auf. Ich beobachte gerne und ich beobachtete diese Tage auch. Egal wen meine Augen gerade fokussierten, egal ob es bekannte hochangesehene oder unbekannte einfache Tullner Gesichter waren, bei jedem entdeckte ich dieses ehrliche Geben. Ob es die Hand, das Lächeln oder der Blick war -  an dem Tage gaben wir alle das Gleiche. Ein schöner Anblick. Wenn es uns nur öfter so geben könnte?! Nicht die Menschen, welche in Not geraten, sondern uns als Gemeinschaft, die Gleiches verfolgen, die das Gefühl tun lassen, als Mensch für den Menschen da zu sein. Ach ja..! Auch dieser Tag endete. Zwar spürte ich meine Beine von den Knien abwärts sehr wohl noch, aber sehr müde schlapp und träge waren sie. Doch ich ignorierte sie, denn es gab den morgigen Tag auch noch. Und ich weiß, morgen bin ich wieder hier vor Ort und Stelle.

!Das Ziel!

Es kam dieses morgen, an welchem es hieß, heute müssen die Hallen leer geräumt werden. Die Abreise wird vorbereitet. Mein Dienst endete um 17.00 Uhr, viertel Stunde später saß ich wieder im Shuttlebus Richtung Messegelände. Nach kurzem Herumirren befand ich mich außerhalb des Messegeländes mit paar anderen beim Verteilen des Proviants an die Flüchtlinge, welche sich auf dem Weg nach Linz/Schärding machten. Der erste Bus füllte sich, fuhr davon, der zweite kam, füllte sich, fuhr davon, der dritte, vierte, fünfte, zehnte und schließlich der zwölfte und gleichzeitig der letzte fuhr davon. Je mehr Busse schon Richtung OÖ unterwegs waren, umso stiller kam mir das Messegelände vor. Nein, es kam mir nicht nur so vor – es wurde stiller, leiser.

Wir hatten es geschafft. Mit Überzeugung kann ich nur sagen, worauf ich auch sehr stolz bin, wir haben die Flüchtlinge, welche sich in Tulln kurzzeitig aufhielten würdevoll empfangen und auch verabschiedet. Dieses war eines meiner Ziele und ich bin mehr als zufrieden, dieses Ziel erreicht zu haben. Das Ziel, den Menschen als Menschen zu behandeln, ihm das Gefühl geben, - egal welches Schicksal ihm gerade einen Streich spielt – du bist ein Mensch und als solchen behandle ich dich auch. Unabhängig davon, wer du gestern warst, wer du heute bist, woher du kommst, wohin du morgen gehen magst, wie viel du besitzt oder an was es dir mangelt!!!

!Der DANK!

Fühle den Dank meiner Wenigkeit – wenn du an diesen Tagen so wie auch vielen anderen keinen Hass gegen Menschheit verbreitet hast – wenn dich das Leid der Menschen nicht so was von kalt lässt – fühle den Dank meiner Wenigkeit – wenn dir das „Hilfe leisten“ nie schwer gefallen ist – wenn du Hilfe gibst und nichts verlangst!!!

 !!!Verbeuge mich dankend und beende diesen Bericht!!!

 Wir haben immer weniger Zeit, nicht einmal Zeit unseren Kinder würdige Erziehung zu bieten, sie auf das Leben vorzubereiten  – unserem Alltag fehlen immer wieder ein paar Stunden mehr, je knapper der Tag wird, umso unguter werden wir – arbeiten, sparen, kaufen - wir stapeln zu Hause etwas – was wir nicht einmal auf die Flucht – kaum zu Schweigen ins Grab mitnehmen können…

Die Prioritäten ändern sich wider unseren Willen und wir bemerken es nicht einmal!!!

Tulln, 26.09.15 - Milli

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