Family News Nr. 04/09, Dezember 2009
Ein Informations-Service des Suchdienstes des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK)
Inhalt:
I. Suchdienst
- 10 Jahre Krisenintervention in Österreich
- Suchdienstspiel im Generalsekretariat
- Ein Spiel eröffnet eine fremde Welt
- Suche nach dem Vater, einem ehemaligen französischen Kriegsgefangenen
- Kompetenzzentrum Familienzusammenführung – Bilanz 2009
II. Suchdienst International:
- IKRK macht einen Aufruf, Binnenflüchtlingen außerhalb von Lagern zu helfen
- Besetzter Golan: Das IKRK hilft syrischen Arabern den Kontakt zu ihren Familien in Syrien zu halten
I. Suchdienst Österreich
10 Jahre Krisenintervention in Österreich
Diese Einladung wurde gerne angenommen. Die Teilnehmer dieses Workshops, die aus verschiedenen Bundesländern bzw. auch aus Südtirol von den verschiedensten Organisationen teilgenommen haben, wurden in die Bereiche des Suchdienstes: Suche nach vermissten Angehörigen weltweit, Familienzusammenführung von Flüchtlingsfamilien in Österreich sowie die nachfolgende Unterstützung bei der Integration eingeführt. Anschließend diskutierte man die Schwerpunkte der Arbeit mit den Interessierten.
Suchdienstspiel im Generalsekretariat
Insgesamt konnten sich 43 Personen aus allen Abteilungen im Haus für die Veranstaltung begeistern.
Ein Spiel eröffnet eine fremde Welt
Beim Praxistag des Katastrophenhilfs- und Sonderdienstes (KHD) des Landesverbandes Wien, am 18. Oktober im Schulungszentrum Wien-Erdberg, wurde wie schon oft das Suchdienstspiel angeboten. Etliche der Kursteilnehmer, vielfach neue Mitarbeiter des KHD, wurden neugierig und spielten mit.
Das Suchdienst-Team, Katharina Strassl und Johannes Veßel, führte durch das Spiel und informierte bei dieser Gelegenheit die Kolleginnen und Kollegen ausführlich über die Tätigkeit beim Suchdienst. Es konnten fast alle Teilnehmer des KHD Praxistages als Mitspieler gewonnen werden, die auf diese vergnügliche Art ein sehr ernstes Thema näher kennen lernten.
Suche nach dem Vater, einem ehemaligen französischen Kriegsgefangenen
Stephanie G., Erichs Mutter, eine 38jährige attraktive Frau, die in Kaindorf lebte, lernte 1944 den um 9 Jahre jüngeren französischen Kriegsgefangenen Pierre, der bei einem Landwirt beschäftigt war, kennen. Mit Kriegsende kehrte Pierre in seine Heimat zurück, was mit dem Ende der Beziehung einherging, da es danach keinerlei Kontakt mehr gab. Pierre D. wusste nichts von der Geburt seines Sohnes Erich, hatte er doch nicht einmal Kenntnis von Stephanies Schwangerschaft gehabt.
Da Erich G. von seinem Vater sowohl das genaue Geburtsdatum als auch den Geburtsort wusste, standen die Aussichten auf erfolgreiche Ermittlungen recht gut.
Tatsächlich erhielt der Suchdienst schon wenige Monate später, im September, von den französischen Kollegen die Nachricht, dass Pierre D. am 14. Februar 1992 in Marmande verstorben sei. Gleichzeitig wurde in dem Brief aber mitgeteilt, dass zwei Töchter des Verstorbenen mit Erich G. gerne in Verbindung treten würden.
Mittlerweile steht Erich G. mit seinen Halbschwestern in brieflichem Kontakt und erwägt, im nächsten Jahr eine Reise nach Frankreich zu unternehmen.
Kompetenzzentrum Familienzusammenführung – die Bilanz für 2009
Seit Dezember 2006 wurden von den ProjektmitarbeiterInnen österreichweit über 650 KlientInnen beraten, 223 Familien wurden wieder vereint. Etwa 120 eigens geschulte Freiwillige betreuten zuletzt in den Bundesländern Wien, Steiermark, Niederösterreich, Oberösterreich und Tirol zusammengeführte Familien und boten diesen diverse Integrationsleistungen an.
Das ÖRK ist bemüht, zumindest Basisberatungsleistungen im Familienverfahren weiterhin anzubieten. Gleichzeitig versuchen wir das gesammelte Wissen der letzten Jahre zu vermitteln - wir sind daher weiterhin Ansprechpartner für alle Fragen (von FlüchtlingsberaterInnen, KlientInnen oder Interessierten) rund um das Familienverfahren nach § 35 AsylG 2005.
Für Wien können Termine für Beratungsgespräche mit Angela Huber oder mit unserer neuen Kollegin Veronika Weissenböck vereinbart werden. Sprechstunden finden immer Dienstag und Donnerstag nachmittags statt.
Außerdem können wir freudig mitteilen, dass unsere LandesverbandsmitarbeiterInnen zum größten Teil (Tirol, OÖ, NÖ und Steiermark) weiterhin anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte im Familienverfahren unterstützen. Das Suchdienst-Team kann daher auch in Zukunft eine österreichweite Beratungsleistung garantieren. Dies beruht nicht zuletzt auf dem freiwilligen Engagement der MitarbeiterInnen.
Leider ist es nicht mehr möglich die ressourcenintensiven Integrationsleistungen anzubieten. Nur die Landesverbände Tirol und Steiermark sehen sich im Stande dies im redimensionierten Umfang weiterhin anzubieten. Unser Projektpartner, der Diakonie Flüchtlingsdienst, kann diese Aufgaben aus finanziellen Gründen bedauerlicherweise nicht mehr wahrnehmen. So froh wir auch über die Aufrechterhaltung und Weiterführung des Kompetenzzentrums Familienzusammenführung sind, wollen wir betonen, wie wichtig und erfolgreich diese Integrationsangebote für die vom ÖRK und dem Diakonie Flüchtlingsdienst betreuten Familien waren und weiterhin sein würden.
Seit Projektende (Sept. 2009) wurden bereits 67 KlientInnen im Familienverfahren beraten, 18 Familien wurden innerhalb dieser vier Monate in Österreich wieder vereint.
II. Suchdienst International
IKRK macht einen Aufruf, Binnenflüchtlingen außerhalb von Lagern zu helfen
In Pakistan, zum Beispiel, ist die große Mehrzahl der 2 Millionen Vertriebenen durch die diesjährigen kriegerischen Auseinandersetzungen nicht in Flüchtlingslager gegangen. Diese Menschen sind oft am ungeschütztesten, da sie auf Unterstützung der Gastgemeinschaften angewiesen sind, die oft selbst extrem arm sind. Daher besteht die Herausforderung darin, nicht nur den Vertriebenen zu helfen sondern auch den Menschen, die die Flüchtlinge aufnehmen.
Das IKRK sieht es als sehr wichtig an, den Vertriebenen zu helfen, ihr normales Leben wieder aufzunehmen und ihnen ihre Unabhängigkeit und ihren Lebensunterhalt zu bewahren. Das Ziel, ihnen nahezu das Leben wieder zu ermöglichen, welches sie vor ihrer Vertreibung hatten, wird am besten in Gastgemeinden erreicht.
2008 unterstützte das IKRK ungefähr 3,77 Millionen Binnenvertriebener unter anderem mit Essen, wichtigen Haushaltsgegenständen, Wasseraufbereitung, sanitären und gesundheitlichen Dienstleistungen.
Quelle: IKRK News No. 09/223
Besetzter Golan: Das IKRK hilft syrischen Arabern den Kontakt zu ihren Familien in Syrien zu halten
Quelle: IKRK News
Die nächsten Family News erhalten Sie im März 2010
Die Family News des Suchdienstes des ÖRK informieren Sie über Aktivitäten des Suchdienstes im In- und Ausland, über aktuelle Veranstaltungen sowie Kampagnen. Damit erhalten Sie jeden Monat neue Nachrichten über die Suchdienst-Arbeit. Abonnieren Sie diesen kostenlosen Dienst und informieren Sie auch Ihre interessierten KollegInnen darüber!
Detailinformationen zu unserer Arbeit finden Sie unter: http://suchdienst.roteskreuz.at
Rückfragen:
Österreichisches Rotes Kreuz
Internationale Beziehungen und Suchdienst
Tel.: +43/1/58900-125
Fax.: +43/1/58900-349
E-Mail: tracing@roteskreuz.at
