18.12.2009

Family News Nr. 04/09, Dezember 2009

Ein Informations-Service des Suchdienstes des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK)

Inhalt:

 

I. Suchdienst

  • 10 Jahre Krisenintervention in Österreich
  • Suchdienstspiel im Generalsekretariat
  • Ein Spiel eröffnet eine fremde Welt
  • Suche nach dem Vater, einem ehemaligen französischen Kriegsgefangenen
  • Kompetenzzentrum Familienzusammenführung – Bilanz 2009

 

II. Suchdienst International:

  • IKRK macht einen Aufruf, Binnenflüchtlingen außerhalb von Lagern zu helfen
  • Besetzter Golan: Das IKRK hilft syrischen Arabern den Kontakt zu ihren Familien in Syrien zu halten

 



I. Suchdienst Österreich


10 Jahre Krisenintervention in Österreich

Das Suchdienst-Team des Landesverbandes Tirol wurde eingeladen, anlässlich der am 2. und 3.10.2009 stattfindenden 8. internationalen Kriseninterventionstage in Innsbruck einen Workshop zu gestalten.
Diese Einladung wurde gerne angenommen. Die Teilnehmer dieses Workshops, die aus verschiedenen Bundesländern bzw. auch aus Südtirol von den verschiedensten Organisationen teilgenommen haben, wurden in die Bereiche des Suchdienstes: Suche nach vermissten Angehörigen weltweit, Familienzusammenführung von Flüchtlingsfamilien in Österreich sowie die nachfolgende Unterstützung bei der Integration eingeführt. Anschließend diskutierte man die Schwerpunkte der Arbeit mit den Interessierten.

 



Suchdienstspiel im Generalsekretariat

Am 7. Oktober fand das Suchdienstspiel im Generalsekretariat statt; gestaltet wurde der Tag vom Suchdienst zusammen mit den Kolleginnen der Personalentwicklung. Ziel war es, den MitarbeiterInnen die Möglichkeit zu geben, einander kennen zu lernen und mehr über Arbeitsbereiche und Tätigkeiten von KollegInnen sowie über den Suchdienst zu erfahren.
Insgesamt konnten sich 43 Personen aus allen Abteilungen im Haus für die Veranstaltung begeistern.

 


 

Ein Spiel eröffnet eine fremde Welt

Beim Praxistag des Katastrophenhilfs- und Sonderdienstes (KHD) des Landesverbandes Wien, am 18. Oktober im Schulungszentrum Wien-Erdberg, wurde wie schon oft das Suchdienstspiel angeboten. Etliche der Kursteilnehmer, vielfach neue Mitarbeiter des KHD, wurden neugierig und spielten mit.

 

Das Suchdienst-Team, Katharina Strassl und Johannes Veßel, führte durch das Spiel und informierte bei dieser Gelegenheit die Kolleginnen und Kollegen ausführlich über die Tätigkeit beim Suchdienst. Es konnten fast alle Teilnehmer des KHD Praxistages als Mitspieler gewonnen werden, die auf diese vergnügliche Art ein sehr ernstes Thema näher kennen lernten.

 



Suche nach dem Vater, einem ehemaligen französischen Kriegsgefangenen

Anfang März wandte sich Erich G., geboren im November 1945, mit der Bitte an den Suchdienst, ihm bei der Suche nach seinem Vater, Pierre D., behilflich zu sein.

 

Stephanie G., Erichs Mutter, eine 38jährige attraktive Frau, die in Kaindorf lebte, lernte 1944 den um 9 Jahre jüngeren französischen Kriegsgefangenen Pierre, der bei einem Landwirt beschäftigt war, kennen. Mit Kriegsende kehrte Pierre in seine Heimat zurück, was mit dem Ende der Beziehung einherging, da es danach keinerlei Kontakt mehr gab. Pierre D. wusste nichts von der Geburt seines Sohnes Erich, hatte er doch nicht einmal Kenntnis von Stephanies Schwangerschaft gehabt.

 

Da Erich G. von seinem Vater sowohl das genaue Geburtsdatum als auch den Geburtsort wusste, standen die Aussichten auf erfolgreiche Ermittlungen recht gut.

 

Tatsächlich erhielt der Suchdienst schon wenige Monate später, im September, von den französischen Kollegen die Nachricht, dass Pierre D. am 14. Februar 1992 in Marmande verstorben sei. Gleichzeitig wurde in dem Brief aber mitgeteilt, dass zwei Töchter des Verstorbenen mit Erich G. gerne in Verbindung treten würden.

 

Mittlerweile steht Erich G. mit seinen Halbschwestern in brieflichem Kontakt und erwägt, im nächsten Jahr eine Reise nach Frankreich zu unternehmen.



Kompetenzzentrum Familienzusammenführung – die Bilanz für 2009

Zu unser aller Bedauern wird das erfolgreich etablierte Projekt „Kompetenzzentrum Familienzusammenführung“ inklusive der Erweiterung um die Integrationskomponente „Elongó “ (in Zusammenarbeit mit dem Diakonie Flüchtlingsdienst) seit September 2009 nicht mehr vom eff (Europäischer Flüchtlingsfonds) und dem BM.I gefördert. Dies trotz Erfüllung aller geforderter Zielvorgaben in den Projektjahren 2006, 2007 und 2008.

 

Seit Dezember 2006 wurden von den ProjektmitarbeiterInnen österreichweit über 650 KlientInnen beraten, 223 Familien wurden wieder vereint. Etwa 120 eigens geschulte Freiwillige betreuten zuletzt in den Bundesländern Wien, Steiermark, Niederösterreich, Oberösterreich und Tirol zusammengeführte Familien und boten diesen diverse Integrationsleistungen an.

 

Das ÖRK ist bemüht, zumindest Basisberatungsleistungen im Familienverfahren weiterhin anzubieten. Gleichzeitig versuchen wir das gesammelte Wissen der letzten Jahre zu vermitteln - wir sind daher weiterhin Ansprechpartner für alle Fragen (von FlüchtlingsberaterInnen, KlientInnen oder Interessierten) rund um das Familienverfahren nach § 35 AsylG 2005.

 

Für Wien können Termine für Beratungsgespräche mit Angela Huber oder mit unserer neuen Kollegin Veronika Weissenböck vereinbart werden. Sprechstunden finden immer Dienstag und Donnerstag nachmittags statt.

Außerdem können wir freudig mitteilen, dass unsere LandesverbandsmitarbeiterInnen zum größten Teil (Tirol, OÖ, NÖ und Steiermark) weiterhin anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte im Familienverfahren unterstützen. Das Suchdienst-Team kann daher auch in Zukunft eine österreichweite Beratungsleistung garantieren. Dies beruht nicht zuletzt auf dem freiwilligen Engagement der MitarbeiterInnen.

 

Leider ist es nicht mehr möglich die ressourcenintensiven Integrationsleistungen anzubieten. Nur die Landesverbände Tirol und Steiermark sehen sich im Stande dies im redimensionierten Umfang weiterhin anzubieten. Unser Projektpartner, der Diakonie Flüchtlingsdienst, kann diese Aufgaben aus finanziellen Gründen bedauerlicherweise nicht mehr wahrnehmen. So froh wir auch über die Aufrechterhaltung und Weiterführung des Kompetenzzentrums Familienzusammenführung sind, wollen wir betonen, wie wichtig und erfolgreich diese Integrationsangebote für die vom ÖRK und dem Diakonie Flüchtlingsdienst betreuten Familien waren und weiterhin sein würden.

 

Seit Projektende (Sept. 2009) wurden bereits 67 KlientInnen im Familienverfahren beraten, 18 Familien wurden innerhalb dieser vier Monate in Österreich wieder vereint.



II. Suchdienst International


IKRK macht einen Aufruf, Binnenflüchtlingen außerhalb von Lagern zu helfen

Es bedarf gesteigerter Aktivitäten, um Menschen zu helfen und zu unterstützen, die in ihren eigenen Ländern durch bewaffnete Auseinandersetzungen vertrieben werden. Das IKRK macht auf die Tatsache aufmerksam, dass die meisten Binnenvertriebenen nicht in Lagern landen, sondern von Gastgemeinden und Familien aufgenommen werden.

 

In Pakistan, zum Beispiel, ist die große Mehrzahl der 2 Millionen Vertriebenen durch die diesjährigen kriegerischen Auseinandersetzungen nicht in Flüchtlingslager gegangen. Diese Menschen sind oft am ungeschütztesten, da sie auf Unterstützung der Gastgemeinschaften angewiesen sind, die oft selbst extrem arm sind. Daher besteht die Herausforderung darin, nicht nur den Vertriebenen zu helfen sondern auch den Menschen, die die Flüchtlinge aufnehmen.

 

Das IKRK sieht es als sehr wichtig an, den Vertriebenen zu helfen, ihr normales Leben wieder aufzunehmen und ihnen ihre Unabhängigkeit und ihren Lebensunterhalt zu bewahren. Das Ziel, ihnen nahezu das Leben wieder zu ermöglichen, welches sie vor ihrer Vertreibung hatten, wird am besten in Gastgemeinden erreicht.

 

2008 unterstützte das IKRK ungefähr 3,77 Millionen Binnenvertriebener unter anderem mit Essen, wichtigen Haushaltsgegenständen, Wasseraufbereitung, sanitären und gesundheitlichen Dienstleistungen.
Quelle: IKRK News No. 09/223

 



Besetzter Golan: Das IKRK hilft syrischen Arabern den Kontakt zu ihren Familien in Syrien zu halten

Am 24. September durften 560 drusische Pilger den Grenzübergang zwischen Israel und Syrien ordnungsgemäß überqueren. Da zwischen Israel und Syrien keine diplomatischen Beziehungen bestehen, diente das IKRK als neutraler Vermittler zwischen den beiden Staaten, um die Pilgerreise der Gläubigen zu erleichtern. Die Arbeit des IKRK am Golan konzentriert sich vor allem auf die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung von Familienbanden zwischen den syrischen Arabern, die im besetzten Golan leben und ihren Verwandten jenseits der Demarkationslinie. Aus Sicht des IKRK handelt es sich beim Golan um ein besetztes Territorium, auf welches daher die Vierte Genfer Konvention 1949 sowie andere gewohnheitsrechtliche Regeln anwendbar sind.
Quelle: IKRK News



 
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Detailinformationen zu unserer Arbeit finden Sie unter: http://suchdienst.roteskreuz.at

Rückfragen:

Österreichisches Rotes Kreuz
Internationale Beziehungen und Suchdienst
Tel.: +43/1/58900-125
Fax.: +43/1/58900-349
E-Mail: tracing@roteskreuz.at

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