Herny Dunant

Die Gründung des Roten Kreuzes als Organisation geht auf den Kaufmann Henry Dunant zurück, der nach einer verheerenden Schlacht bei Solferino erkannte, dass Helfer schon in Friedenszeiten ausgebildet werden müssen, um im Kriegsfall bereit zu sein. Durch ihn und seine Mitstreiter kamen auch die Genfer Konventionen zustande, denen Österreich 1866 beitrat.   Eine Verbesserung der Hilfe für verwundete und kranke Soldaten durch organisierte freiwillige Hilfstätigkeiten wurde im 19. Jahrhundert auch in Österreich gefordert. Dies führte zur Gründung von patriotischen Hilfsvereinen und Hilfskomitees in allen Kronländern. Am 28. April 1859 wurde in Wien der „Patriotische Hilfsverein während der Kriegsdauer“ gegründet. Wie schon der Name sagt, sollte die Hilfe lediglich den eigenen Soldaten und nur auf Kriegsdauer zugute kommen. Mit Beginn des Feldzuges gegen Preußen am 18. Juni 1866 hat sich der Verein neuerlich konstituiert. Diesmal kam es nach Kriegsende aber nicht zur Auflösung des Vereins. Die vernichtende Niederlage der k.k. Armee, die enorme Anzahl von Toten und Verwundeten erfordert die tatkräftige Hilfe über das Kriegsende hinaus. Mit Entschließung des Kaisers erfolgt 1867 die Umwandlung in einen permanenten Hilfsverein mit dem Namen „Österreichischer Patriotische Hilfsverein für verwundete Krieger – Militärwitwen und –Waisen“. Fast ein Jahr davor erfolgte der Beitritt zu den Genfer Konventionen und damit zum Roten Kreuz. Der patriotische Hilfsverein bekannte sich zwar noch zu seinem Namen, erhielt aber den Zusatz „Zugleich Landeshilfsverein vom Roten Kreuz Niederösterreich“. Bereits ein Jahr nach seine Gründung zählte der neue Verein 1193 Mitglieder und 357 Gönner. Da viele dieser Hilfsvereine selbstständig  wirkten, wurde 1879 der Beschluss gefasst, einen Bund dieser Vereine unter dem Titel „Österreichische Gesellschaft vom Rothen Kreuze“ zu gründen. Während der kommenden 50 Jahre gibt es für den Verein viele Feuerproben zu bestehen: sei es die Versorgung der Verwundeten im Krieg Frankreich gegen Preußen  oder auch im Ersten Weltkrieg; sei es der Kampf gegen die Tuberkulose oder auch im organisatorischen Bereich die Gründung des Jugendrotkreuzes 1922.

 

Altes Rotkreuz-Logo

Am 23. Mai 1938 wurde die Österreichische Gesellschaft vom Roten Kreuz – darunter der Landesverband für Wien und Niederösterreich - aufgelöst und die Mitglieder sowie der gesamte Besitz dem Deutschen Roten Kreuz eingegliedert. Das Deutsche Rote Kreuz und seine Bediensteten waren der SS unterstellt, die Ausbildung enthält nun unter anderem Schießübungen, Trageexerzieren und Feldübungen. Erst mit der Unabhängigkeitserklärung von 1945 wurden die Rotkreuz-Bediensteten von ihrem Diensteid gegenüber der SS entbunden. Wien und Niederösterreich waren von dem Krieg besonders betroffen. Die Rettungsfahrzeuge waren verschleppt, die Dienststellen geplündert oder durch den Krieg zerstört. Doch die Mitarbeiter und Freiwilligen begannen sofort nach der Befreiung Österreichs, ihre Hilfstätigkeit wieder aufzunehmen, ohne Geld, ohne Fahrzeuge, unter primitivsten Verhältnissen.   Das Staatsamt für Inneres, heute Bundesministerium für Inneres, genehmigte 1945 die Wiedereinrichtung des Vereins "Landesverein vom Roten Kreuz für Wien, Niederösterreich und Burgenland". 1946 wurden die Satzungen beschlossen, der Name des Vereins in „Landesverband vom Roten Kreuz für Wien und Niederösterreich“ umbenannt.  In den nächsten 2 Dekaden herrschte in autoritärer Führungsstil vor, doch in den unruhigen 70er Jahren kam es zu einem weiteren Umbruch. 1970 wurde die Erstellung neuer demokratischerer Statuten  beschlossen. So wurden die Bezirksstellenleiter seither nicht mehr vom Präsidenten bestellt sondern von einem Komitee gewählt. 1972 wurde die Namensänderung auf das heute gebräuchliche „Österreichisches Rotes Kreuz, Landesverband für Niederösterreich“ genehmigt.

 

Zeichung des Landesverbandsgebäudes
Zeichung des gebäudes des Landesverbandes Niederösterreich

Die Änderungen der 80er Jahre konzentrieren sich auf die Reorganisation des Katastrophendienstes und die Ausbildung der freiwilligen Mitarbeiter. In der Katastrophenhilfe werden von nun an Bereichskommandanten für jedes Landesviertel vorgesehen, das Lager Mödling wird neu organisiert. Die Aufstellung einer eigenen Sondereinheit für den technischen Dienst und eine Feldküche wird durchgeführt. Das desolate Funksystem wird vom störungsanfälligen AM System auf FM Frequenz umgestellt. Die Hilfsstelle Kaiserebersdorf, die vom Roten Kreuz, Landesverband für Niederösterreich, in enger Kooperation mit der Jewish Agency zur Aufnahme und Weiterleitung jüdischer Auswanderer aus der UDSSR eingerichtet wurde, ist nicht mehr frequentiert. Sie wird in eine Rotkreuz Schule für die neu vorgeschriebene erweiterte Ausbildung der Zivildiener, aber auch für Kurse für freiwillige Mitarbeiter, umgewandelt. 1988 wird beschlossen dem Wunsch der Landesregierung nachzukommen und die Verwaltungszentrale, aber auch die Rotkreuz-Schule im Zuge der Regionalisierung von Wien nach Niederösterreich zu verlegen. Für alle Hilfsorganisationen ist als Standort die Stadt Tulln vorgesehen. 1993 war der Neubau des Verwaltungsgebäudes und des Schulungsgebäudes fertig gestellt und der Landesverband zog um.

 

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