16.03.2010

Sozialmarkt Sierning

Erster Rotkreuz-Sozialmarkt des Bezirks Steyr-Land eröffnet Ende März seine Türen     Die Vorbereitungen für den ersten Rotkreuz-Sozialmarkt im Bezirk Steyr-Land sind bereits in der Endphase und ab 27. März kann die von Armut betroffene Bevölkerung kostengünstig Lebensmittel und Hygieneartikel einkaufen. Erforderlich ist lediglich eine schriftliche Bestätigung der Wohnsitzgemeinde oder der Bezirkshauptmannschaft, dass das aktuelle Einkommen die gültigen Ausgleichszulagenrichtsätze nicht überschreitet.           Armut in Österreich – die Situation in Oberösterreich und im Bezirk Steyr-Land

Laut STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2008, sind ca. 12,4% der Gesamtbevölkerung armutsgefährdet. Als armutsgefährdet oder von Armutsrisiko betroffen werden jene Personen bezeichnet, deren äquivalisiertes Haushaltseinkommen unter einer Armutsgefährdungsschwelle von 60% des Medians liegt. Für 2008 liegt der Median des Äquivalenzeinkommens bei 19.011 Euro. Die Armutsgefährdungsschwelle betrug 2008 somit 11.406 Euro für einen Einpersonenhaushalt, das sind rund 950 Euro pro Monat.

In ganz Österreich sind laut STATISTIK AUSTRIA 1.018.000 Menschen armutsgefährdet, in Oberösterreich sind es immerhin 145.000 Menschen. Umgerechnet auf den Bezirk Steyr-Land ergibt sich eine Zahl von ca. 7.300 Einwohnern, die somit als armutsgefährdet einzustufen sind.

 

Die Idee und deren Umsetzung

 

Grundsätzlich hat sich die Gesamtsituation in den letzten Jahren kaum geändert, da der prozentuale Anteil der armutsgefährdeten Bevölkerung konstant bei etwa 12% liegt. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Initiativen in ganz Österreich gestartet, entsprechende Sozialmärkte zu eröffnen. Der Bezirk Steyr-Land ist einer der wenigen Bezirke in Oberösterreich, die bisher kein entsprechendes Angebot hatten. Zwar besteht eine Einkaufsmöglichkeit im SOMA Steyr, der durch pro mente betrieben wird, allerdings sind hier für die Bewohner des Bezirkes teilweise weite Wege zurückzulegen und so hat sich das Rote Kreuz zur Eröffnung eines ersten Sozialmarktes in Sierning entschieden. „Mit diesem Angebot können wir den Betroffenen zumindest eine gewisse Erleichterung der prekären Situation schaffen, da diese Bevölkerungsschichten überdurchschnittlich viel ihres Einkommens für Lebensmittel und Energie aufwenden müssen“, so Bezirkshauptfrau und Bezirksstellenleiterin des Roten Kreuzes Mag. Cornelia Altreiter-Windsteiger.

NRAbg. Johann Singer betont, dass man grundsätzlich alle Initiativen zur Linderung der Armut befürwortet, allerdings hat man sich im Bezirk Steyr-Land für einen nachhaltigen Weg eines fix installierten Sozialmarktes entschieden und möchte ganz bewusst die Lebensmittel nicht wie Almosen verschenken sondern zu fairen Preisen verkaufen. „Wir möchten den Kundeninnen und Kunden ein möglichst würdiges und normales Einkaufen ermöglichen“, so NRAbg. Johann Singer.

Da es sich weitestgehend um Produkte handelt, die nahe am Mindesthaltbarkeitsdatum sind oder zB. Verpackungsfehler aufweisen liegt das Preisniveau bei ca. 30% der üblichen Diskonterpreise. In der Anfangsphase werden ca. 30 bis 40 KundenInnen je Öffnungstag erwartet. Mit derzeit schon mehr als 40 freiwilligen Helfern werden überschüssige Lebensmittel von Supermärkten oder direkt von den Herstellern abgeholt und im Rotkreuz-Sozialmarkt angeboten. Weitere Unterstützung bekommt das Projekt durch die örtlichen Vereine und den Sozialhilfeverband Steyr-Land sowie die Gemeinde Sierning.

 

Aktionstag

 

Da prinzipiell nur Warenspenden von Lebensmittelgeschäften, Händlern oder Herstellern zum Verkauf angeboten werden, die aufgrund von Beschädigungen oder nur mehr kurzer Frist bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum zur Verfügung gestellt werden, sind beispielsweise Grundnahrungsmittel wie Mehl, Reis, Zucker oder Hygieneartikel und Babywindeln kaum bis gar nicht verfügbar. Um auch hier ein entsprechendes Angebot verfügbar zu machen, wurde durch die Ortsstelle Sierning vor kooperierenden Lebensmittelgeschäften in Sierning, Aschach und Neuzeug ein Aktionstag unter dem Motto „Kauf ein Stück mehr“ veranstaltet. Freiwillige Rot-Kreuz Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informierten die Kunden vor den Geschäften über den Rotkreuz-Sozialmarkt und baten um den Kauf eines zusätzlichen Stückes, um dies am Ausgang als Warenspende zu übergeben.

Das große Interesse an diesem Thema bestätigte sich zum einen an den teils intensiven Gesprächen und der breiten Zustimmung zur Eröffnung und an der überwältigenden Zahl an Warenspenden, die einen Gegenwert von mehreren Tausend Euro erreichte. „Wir können dank dieser Warenspenden auch wichtige Produkte wie Babywindeln anbieten, die auf anderem Wege kaum zu bekommen sind“, so Bezirksgeschäftsleiter Stephan Schönberger.

 

Weitere Unterstützung

 

„Wir haben insbesondere durch den tollen Aktionstag „Kauf ein Stück mehr“ eine gute Grundausstattung bekommen“, so Bezirkshauptfrau und Bezirksstellenleiterin des Roten Kreuzes Mag. Cornelia Altreiter-Windsteiger, „ aber wir können weitere Unterstützung im Bereich der Lebensmittel und insbesondere im Bereich der Hygieneartikel dringend brauchen“. Ab Ende März werden auch Lebensmittelgeschäfte im gesamten Bezirk regelmäßig abgefahren und ausgeschiedene Produkte von den freiwilligen Rotkreuz-Helfern im Sozialmarkt angeboten.

 

Einkaufsberechtigung und Einkaufslimit

 

Einkaufsberechtigt sind grundsätzlich alle Personen, deren Einkommen die gültigen Ausgleichszulagenrichtsätze im Monat der Antragstellung nicht überschreitet. Diese Richtsätze liegen für das Jahr 2010 bei 783,99 € für Alleinstehende, 1.175,45 € für Ehepaare und zusätzlich 111,23 € je Kind. Um dem eingeschränkten Warensortiment und der Gefahr von Hamsterkäufen Rechnung zu tragen, kommt wie in anderen Sozialmärkten ebenfalls Praxis ein Einkaufslimit zu tragen. Je Öffnungstag dürfen maximal Waren im Wert von 10,- € eingekauft werden und für gewisse Produkte gibt es Mengenbeschränkungen. Somit sollen die Waren allen Kunden zur Verfügung stehen.

 

Antragstellung

 

Anträge können bei der jeweiligen Wohnsitzgemeinde im Bezirk oder an der Bezirkshauptmannschaft Steyr-Land, Sozialabteilung gestellt werden. Mit dem ausgefüllten und bestätigten Antragsformular sowie einem aktuellen Passfoto können die Kunden dann zum ersten Einkauf kommen. Vor Ort wird durch Rotkreuz-Mitarbeiter ein Ausweis ausgestellt. Dieser Ausweis ist bei Mindestpensionisten unbefristet gültig, bei allen anderen ist eine neuerliche Antragstellung nach 12 Monaten erforderlich. Bezirkshauptfrau Mag. Cornelia Altreiter-Windsteiger betont, dass man mit dieser Regelung den administrativen Aufwand für alle Beteiligten so gering wie möglich halten möchte. „Mit der Anlehnung an die gültigen Ausgleichszulagenrichtsätze bei der Berechnung des Einkommens richten wir uns nach den gängigen Definitionen in Österreich und machen auch den Betroffenen die Antragstellung transparent“, so NRAbg. Johann Singer.

 

Öffnungszeiten

 

Der Rotkreuz-Sozialmarkt ist ab 27.März jeden Dienstag von 10 bis 13 Uhr und jeden Samstag von 14 bis 17 Uhr geöffnet, ausgenommen sind Feiertage. Zu finden ist das Verkaufslokal in der Bahnhofstrasse 5 in Sierning. Unter Telefon 0664/8234330 können sich Kunden und Lieferanten informieren.

 

Informationstag

 

Am Donnerstag, den 25. März 2010 kann sich die Bevölkerung in der Zeit von 15 bis 20 Uhr in den Räumlichkeiten des Rotkreuz-Sozialmarktes informieren. Es werden u.a. Ansprechpartner zu Fragen der Antragstellung sowie der Warenspenden anwesend sein.

 

Ausblick

 

„Nach der Startphase in Sierning denken wir über eine Ausweitung des Angebotes in die übrigen Gemeinden des Bezirkes nach“, so Bezirksgeschäftsleiter Stephan Schönberger. Hier wird in erster Linie ein mobiles Konzept angedacht um eine Flächendeckung zu erreichen. Ergänzend dazu werden auch weitere Aktionstage zu ganz speziellen Produkten, w.z.B. Babyartikel in Erwägung gezogen.

 

Weitere Informationen zum Rotkreuz-Sozialmarkt und zur Einkaufsberechtigung erhalten Sie unter 07252 / 52195.

 

Foto: Abdruck honorarfrei, Credit: ÖRK/LV OÖ.

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