07.12.2017 11:37

Kauf ein Stück mehr! OÖ. Rotkreuz-Sozialmarkt-Sammelaktion half den rund 220.000 armutsgefährdeten Menschen im Bundesland

Vor acht Jahren gründete das OÖ. Rote Kreuz den ersten Sozialmarkt, um armutsgefährdete Menschen zu unterstützen. Heute gibt es in Oberösterreich bereits 23 Rotkreuz-Sozialmärkte – die Nachfrage steigt ungebremst. Die in diesen Wochen veranstaltete Sozialmarkt-Aktion „Kauf ein Stück mehr!“ stieß im gesamten Bundesland auf positive Resonanz.

Kauf ein Stück mehr! OÖ. Rotkreuz-Sozialmarkt-Sammelaktion half den rund 220.000 armutsgefährdeten Menschen im Bundesland
Über ein Rekord-Spendenergebnis bei der Aktion „Kauf ein Stück mehr!“ freuten sich auch die Sozialmarkt Mitarbeiter im Bezirk Freistadt. Credit: OÖRK/Freistadt

Edith (74) wohnt in einer kleinen Mietwohnung am Stadtrand. Sie arbeitete als Näherin und brachte bereits in jungen Jahren drei Kinder zur Welt. Edith hat nie geheiratet, der Kontakt zu ihren Kindern ist sporadisch. Seit ihr Lebensgefährte vor zwei Jahren verstorben ist, muss Edith von der Mindestpension leben. Ihr Einkommen liegt unterhalb der Armutsgrenze. Obwohl es in finanziellen Dingen vielen Menschen besser geht, beschwert sie sich deswegen nie. „Geld alleine macht nicht glücklich, es verdirbt bei dem Einen oder Anderen höchstens den Charakter“, meint Edith dann und lächelt. Trotzdem: Mit einem geringen Einkommen sein Auslangen zu finden ist schwer. Deshalb besorgte sich Edith auch eine Einkaufsberechtigung für einen der 23 Rotkreuz-Sozialmärkte.

16 Prozent der Oberösterreicher armutsgefährdet
220.000 Menschen gelten laut Statistik Austria in Oberösterreich als armutsgefährdet, bundesweit sind es 1,5 Millionen. Sie müssen jede Kaufentscheidung sorgsam überlegen und sind speziell in der Weihnachtszeit neben den großen finanziellen auch von seelischen Sorgen geplagt. „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, menschliches Leid zu lindern, egal in welchen Lebenslagen. Viele Menschen sind in Oberösterreich armutsgefährdet, so war die Gründung unserer Sozialmärkte eine logische Konsequenz“, erklärt OÖ. Rotkreuz-Präsident Dr. Walter Aichinger.

Aktive Armutsbekämpfung
Dass Armut und die vielen dahinterstehenden Schicksale den Oberösterreichern nicht egal ist, zeigte die Aktion „Kauf ein Stück mehr!“, welche die landesweit größte humanitäre Hilfsorganisation Anfang Dezember veranstaltete. An den Parkplätzen vor den Lebensmittelmärkten sammelten Freiwillige aus allen Teilen des Landes Waren für die Sozialmärkte. Die Rotkreuz-Mitarbeiter leisteten an diesem Tag auch Aufklärungsarbeit in punkto Sozialmärkte. Sie widerlegten viele Vorurteile und erklärten, warum unsere Gesellschaft Sozialmärkte braucht. „Die Resonanz war positiv. Einige Bezirke berichteten von einem Rekord-Spendenergebnis. Ich danke den freiwilligen Mitarbeitern und den vielen Spendern für ihren Einsatz für Menschen mit geringen Einkommen“, freut sich Aichinger.

Daten und Fakten zu den Sozialmärkten des OÖ. Roten Kreuz

  •  23 Sozialmärkte betreibt das OÖ. Roten Kreuz derzeit im gesamten Bundesland
  • Im vergangenen Jahr verzeichnete das OÖ. Rote Kreuz 91.672 Einkäufe, im Jahr davor waren es 69.323
  • Einkaufsberechtigt sind Personen, die über ein Einkommen von maximal 950 Euro (1-Personen Haushalt) verfügen.
  • Die landesweit 938 freiwilligen Mitarbeiter in den Sozialmärkten leisteten gemeinsam 75.660 freiwillige Stunden.
  • Sozialmärkte bieten Waren des täglichen Gebrauchs zu stark reduzierten Preisen an. So tragen sie einen wesentlichen Beitrag zur Menschenwürde bei. „Arme und armutsgefährdete Personen sind nicht auf Spenden angewiesen und fühlen sich nicht als Bittsteller“, erklärt Präsident Aichinger.
  • Weitere Informationen: www.roteskreuz.at/ooe
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