Hilfe für Äthiopien
Wo Wasser keine Selbstverständlichkeit ist
Innerhalb der nächsten zwei Jahre werden in Äthiopien 15 Brunnen und Wasserstellen mit Hilfe des Österreichischen Roten Kreuzes errichtet. Finanziert wird das Projekt von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und dem Landesverband Oberösterreich.
Sefiya Nebi ist Mutter von vier Mädchen. Gemeinsam mit ihrem Mann Kasim und den vier Kindern lebt sie in einer kleinen Lehmhütte in Curissa, einer winzigen Siedlung im Zentrum von Äthiopien. Curissa ist etwa fünf Autostunden und einen 30minütigen Fußmarsch von der Hauptstadt Addis Abeba entfernt. Straße führt keine zu Sefiyas Haus – von einer Strom- oder Wasserleitung ganz zu schweigen. Sauberes Trinkwasser gibt es für sie und ihre Familie trotzdem - allerdings erst seit kurzem. Im Juli wurde vom Roten Kreuz eine Quellfassung fertig gestellt. Bis dahin mussten Sefiya und ihre Nachbarn eine steile Böschung hinabklettern und Wasser aus einer schmutzigen Quelle schöpfen. „An der gleichen Stelle trank damals auch das Vieh“, erzählt Sefiya. „Dadurch war das Wasser verunreinigt und bereitete uns schwere gesundheitliche Probleme – aber es gab einfach keine Alternative.“
Durchfallepidemie im Jahr 2006
Am schlimmsten war die Situation vor vier Jahren. 2006 wurden Curissa und die umliegenden Dörfer von einer Durchfallepidemie heimgesucht. Von den insgesamt rund 8.000 Einwohnern erkrankten 600 schwer. 50 Menschen, darunter viele Kinder, starben. Ein Projekt des Österreichischen Roten Kreuzes, das von der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und dem Landesverband Oberösterreich mitfinanziert wird, schafft diesen gesundheits- und lebensgefährlichen Zuständen Abhilfe.
15 Wasserstellen geplant
Bis 2012 werden insgesamt 15 Wasserstellen eingefasst, oder neue Brunnen gebaut. Die Quellfassung in der Nähe von Sefiyas Haus ist die erste dieser 15 Wasserstellen.
Hygienetrainings als wichtige Ergänzung
„Ein wichtiger Bestandteil unseres Projektes sind zusätzlich so genannte Hygienetrainings“, erklärt Omar Diouf, Delegierter des Österreichischen Roten Kreuzes. „In diesen Schulungen lernen die Menschen, wie die Wasserstellen sauber gehalten werden und mit welch einfachen Mitteln sie sich vor Krankheiten schützen können.“ Omar Diouf ist Experte auf diesem Gebiet. Aus dem Senegal stammend hat er Wasseringenieurswesen in Deutschland studiert. Seine Wahlheimatstadt Hall in Tirol verlässt der Techniker immer dann, wenn er für das Rote Kreuz im Einsatz ist. Derzeit eben in Äthiopien. „Ich arbeite hier sehr eng mit dem Äthiopischen Roten Kreuz zusammen, aber auch mit Baumeistern, Arbeitern und vor allem mit den betroffenen Menschen in den Dörfern“, sagt Diouf. „Wir gehen stark auf ihre Bedürfnisse ein. Denn sie sind es, die die Quellen und Brunnen instand halten müssen. Wird zum Beispiel die Pumpe eines Brunnens kaputt, müssen die Betroffenen sie selbst reparieren können. Wir wollen ihnen ja nachhaltig helfen und keine neuen Abhängigkeiten schaffen.“Dass sie von nun an für die Instandhaltung der Quelle verantwortlich sind, ist für Sefiya, Kasim und ihre Nachbarn eine Selbstverständlichkeit. „Jetzt haben wir einen Zaun um die Quelle errichtet und außerhalb eine Viehtränke gebaut“, berichtet Kasim. „So bleibt unser Wasser rein. Dafür tragen wir Verantwortung.“
Facts
- In Äthiopien haben nur 41% der Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser
- Lediglich 21% der Menschen haben Zugang zu sanitären Anlagen.
- Fast die Hälfte aller Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren ist auf Durchfall zurückzuführen. Ursache für die Erkrankungen sind verunreinigtes Wasser und ein Mangel an sanitären Anlagen.
- Mehr als drei Viertel der Äthiopier leben in absoluter Armut. Das bedeutet, sie müssen mit weniger als zwei US-Dollar ihr Auslangen finden.
Ansprechpartner
Direktor Mag. Erich Haneschläger
Tel.: 0732/76 44-104
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