Wozu wird ein Defibrillator eigentlich benötigt?
Ein Defi wird eingesetzt, um das so genannte „Kammerflimmern“ zu behandeln. Dabei handelt es sich um einen lebensbedrohenden Zustand, bei dem der normale Herzrhythmus, z.B. in Folge eines Herzinfarkts, gestört ist. Durch einen kurzen Stromimpuls mit einem Defibrillator kann dieser normale Rhythmus wiederhergestellt und somit die Überlebenschance des Patienten/der Patientin erhöht werden.

Wie ist die Idee der Ersthelferdefibrillation geboren worden?
Das Rote Kreuz ist ständig bemüht, die Sicherheit jedes Einzelnen zu erhöhen. Durch eine Änderung der Gesetzeslage ist es nun auch für Laien möglich zu defibrillieren, bisher war dies nur Ärzten und speziell ausgebildeten RettungssanitäterInnen gestattet. Da es außerdem nun Geräte auf dem Markt gibt, die für Laien komplett ungefährlich sind, initiierte das Rote Kreuz gemeinsam mit Partnern ein so genanntes „Ersthelfer-Defibrillationsprojekt“, das die Verteilung von Defibrillatoren an Firmen, Institutionen, usw. zum Inhalt hat.

Ist die Anwendung/Bedienung des Defis schwierig?
Nein! Das Schwierigste ist das Wort „Defibrillator“ selbst. Die Anleitung erfolgt durch klar verständliche Sprache bzw. Displayaufforderungen, die in kleinen Schritten die einfache und korrekte Handhabung des Defis während dem Einsatz erklärt.

Wer darf einen Defi anwenden?
Grundsätzlich jeder! Durch eine Änderung der Gesetzeslage dürfen nun eben auch Laien, d.h. Personen ohne entsprechende Ausbildung, jederzeit defibrillieren. (Nach Auskunft des Bundesministeriums für soziale Sicherheit und Generationen vom 13.12.2001 ist
„Die Verwendung eines halbautomatischen Defibrillators in einer Notsituation durch Laien […] als rechtlich zulässig und unproblematisch zu qualifizieren.“ Da neben der Defibrillation meist aber auch weitere Erste-Hilfe-Maßnahmen durchzuführen sind, ist es sinnvoll, sich nicht nur auf dem Gerät ausreichend einschulen zu lassen. Diese zusätzlichen Schulungen werden vom Österreichischen Roten Kreuz durchgeführt und sind im Gesamtpaket inkludiert.

Wie weiß man, was im Notfall zu tun ist?
In speziellen Erste-Hilfe-Kursen werden grundlegende Maßnahmen gelehrt und verschiedene Zwischenfälle praxisnah durchgespielt. Weiters geben die Geräte während des gesamten Einsatzes detaillierte akustische bzw. optische Anweisungen, die durch die Reanimation führen.

Braucht jetzt niemand mehr Erste Hilfe lernen?
Ganz im Gegenteil. Die richtige Beatmung und Herzmassage ist eine ebenso wichtige lebensrettende Maßnahme wie die Defibrillation selbst. Beides muss so rasch wie möglich durchgeführt werden, denn nur das Zusammenspiel beider Maßnahmen ermöglicht das Überleben.

Kann man aufgrund einer Fehleinschätzung der Situation mit einem Defi dem Patienten/der Patientin Schaden zufügen?
Das Gerät erkennt automatisch, ob eine Herzrhythmusstörung vorliegt oder nicht. Nur wenn dies der Fall ist wird eine entsprechende Schockabgabe möglich. Somit ist das Gerät 100%ig vor Missbrauch sicher und lässt auch keine Fehlanwendung zu.

Können Laien nach erfolgloser Anwendung des Defibrillators evtl. rechtlich belangt werden?
Nein. Für den Fall, dass eine Defibrillation erfolglos ist und der Patient verstirbt, kann der/die ErsthelferIn nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

Warum wartet man für die Defibrillation nicht auf geschulte Rettungsleute?
Für eine erfolgreiche Defibrillation ist es notwendig, dass sie so früh wie möglich durchgeführt wird. Im Idealfall in den ersten drei Minuten, danach verringert sich die Überlebenschance eines Patienten jede Minute um 10 %. Auch bei rascher Verständigung des Notrufs 144 ist die Einhaltung dieser Zeitspanne für die Rettungsmannschaft nicht immer möglich und daher ist die Überlebenschance nach einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leider noch sehr gering (ca. 5 bis 10%).

Besteht für den Anwender eigentlich die Möglichkeit sich mit einem Defi selbst zu verletzten?
Grundsätzlich besteht diese Gefahr nicht. Zu beachten ist allerdings, dass man im Moment der Schockabgabe nicht mit dem/der Patient/in in leitendem Kontakt steht (zB Wasserlache) oder sich in explosionsgefährdeter Umgebung befindet. In diesem Fall kann unter Umständen eine gewisse Risikosituation für den/die Ersthelfer/in entstehen, das Gerät weist auf diese Gefahr aber ausdrücklich hin. Bei ordnungsgemäßer Anwendung gibt es allerdings keinerlei Bedenken für die eigene Sicherheit!

Was sagen Ärzte zur Idee der Ersthelfer-Defibrillation?
Obwohl es noch einige Ärzte gibt, die dem Projekt eher kritisch gegenüber stehen, sprechen sich die führenden Fachärzte der Kardiologie offiziell für den Einsatz von Ersthelfer-Defibrillatoren aus.

Gibt es ähnliche Projekte in anderen Ländern?
Eine flächendeckende Versorgung mit Defibrillatoren, wie sie in Oberösterreich zum Teil schon der Fall ist, ist weltweit einzigartig! In den USA sind zwar seit einiger Zeit vereinzelt Defibrillatoren im Einsatz. So sind z.B. der Flughafen in Chicago oder die Casinos in Las Vegas mit den Geräten ausgestattet. Auch in Europa gibt es mehrere Länder, die diese Idee erfolgreich umsetzen.

Müssen die Geräte zur Aufladung ständig an einen Stromkreis angeschlossen werden?
Nein, die Geräte verfügen über eine eigene Stromversorgung und sind daher netzunabhängig! Im Rahmen des Wartungs- und Betreuungsvertrages stellt das Österreichische Rote Kreuz die Einsatzbereitschaft Ihres Gerätes durch regelmäßigen Austausch der Verbrauchsteile sicher. Es wäre daher auch möglich, z.B. einen Defibrillator auf Dienstreisen oder ähnliches mitzunehmen.

Warum bietet das Österreichische Rote Kreuz nur diese drei Geräte an?
Die drei Geräte LifePak CR+ der Firma Medtronic, Heartstart FRx der Firma Philips sowie FRED Easy der Firma Chemomedica wurden im Rahmen eines speziellen Ausleseverfahrens von einer Kommission aus mehreren Anbietern ausgewählt. Dabei wurden vom Österreichischen Roten Kreuz strenge Richtlinien vorgegeben, die von diesen drei Geräten erfüllt werden.

Besteht durch die öffentliche Zugänglichkeit nicht eine große Diebstahlsgefahr für die Geräte?
Da es für die Geräte keinen wirklichen Absatzmarkt gibt, würde ein Diebstahl eines Defibrillators nicht viel Sinn machen. Ein potentieller Dieb hätte also damit nicht sehr viel angefangen. Auf der anderen Seite wäre es aus Gründen der Sicherheit auch möglich, bei der Anbringung eine Art Diebstahlsicherung einzuplanen, wenn dies gewünscht wird.

Was verdient das Rote Kreuz an den Geräten?
Gar nichts. Wir sind auch keine „Defihändler“, sondern wir verfolgen ein Gesamtziel, das in der Kernkompetenz des Roten Kreuzes liegt – wir wollen mehr Menschen in Österreich eine bessere Überlebenschance bieten. Der günstige Defitarif wird an unsere Kunden weiter gegeben. Lediglich 3 % Bearbeitungsgebühr werden aufgeschlagen.

Wie ist bis jetzt das Interesse in der Bevölkerung?
Von Mitte Jänner bis Mitte Februar 2003 lief in Zusammenarbeit mit dem ORF und weiteren Partnern des Roten Kreuzes eine groß angelegte Kampagne für das Ersthelfer-Defibrillationsprojekt. Im Rahmen dieser Kampagne meldeten sich bereits zahlreiche Interessenten aus verschiedenen wirtschaftlichen Bereichen, aber auch einige Privatpersonen. In weiterer Folge werden nun vom Oberösterreichischen Roten Kreuz VertreterInnen von unterschiedlichen Sparten wie Gastgewerbe, Handel, Industrie, usw. aktiv kontaktiert. Besonders sinnvoll erscheint es, sämtliche Gebäude, Institutionen o. ä. mit hoher Kundenfrequenz bzw. zentraler Lage mit Defis auszustatten (z. B. alle Gemeindeämter Oberösterreichs).

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