Kinderbetreuung
IN ARBEIT
Unter 3-Jährige
Bundesweit werden nicht einmal 12 % der unter 3-Jährigen institutionell betreut. Vom „Barcelona-Ziel“ der EU (bis 2010 soll es für jedes 3. Kind unter 3 Jahren einen Betreuungsplatz geben) ist Österreich weit entfernt. In Wien ist die Betreuung am besten, was den Durchschnitt erhöht. Bei den 3- bis 5-Jährigen ist die Situation etwas besser – 84,5 % der Kinder werden institutionell betreut –, aber das Barcelona-Ziel (90 % der Kinder haben bis 2010 einen Betreuungsplatz) ist noch nicht ganz erreicht. Der Bund stellt derzeit 15 Millionen Euro für den Ausbau der Kinderbetreuungsangebote für die unter 3-Jährigen zur Verfügung.
Trotz dieser Maßnahmen kann der Bedarf nicht gedeckt werden.

Dr. Werner Kerschbaum
Stv. Generalsekretär, ÖRK
Kommentar
Je länger Frauen dem Erwerbsleben fernbleiben, umso schwieriger ist es, in die alten Karrierepfade zurückzukehren und das Einkommen, das man vorher hatte, wieder zu erreichen. Nur zur Information: Frauenpensionen sind in Österreich im Durchschnitt um 50 % niedriger als Männerpensionen. Deshalb gehört das Kindergeld flexibler gestaltet – was bereits geschehen ist (siehe Seite 145 des Regierungsprogramms). Ohne ein flächendeckendes Angebot an Kindertagesbetreuung nützt diese Maßnahme aber wenig, denn die Räder in der Familienpolitik müssen ineinandergreifen. Im Wesentlichen fehlen in Österreich bei den unter 3-Jährigen noch etwa 50.000 Betreuungsplätze. Nicht von heute auf morgen, aber in einem mittelfristigen Transformationsprozess müssen diese Plätze entstehen.
Bei den 3-bis 5-Jährigen steht Österreich gut da, was die Anzahl der Tagesbetreuungsplätze angeht (hier fehlen laut dem Europäischen Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung nur noch zwischen 5000 und 10.000 Plätze bis zum Barcelona-Ziel). In dieser Altersgruppe muss sich vielmehr bei den Öffnungszeiten etwas bewegen. Denn ein Viertel der Kindergärten hat nur bis 14 Uhr offen, auf der anderen Seite nur ein Viertel bis 17 Uhr. Tagesmütter sind da um vieles flexibler.
Qualitätssicherung
Der Bund stellt für den bedarfsgerechten Ausbau der Kinderbetreuungsangebote mit dem Schwerpunkt auf die unter 3-Jährigen für die Jahre 2008 bis 2010 jährlich 15 Mio. Euro zur Verfügung, d.h. insgesamt 45 Mio. Euro. Diese Maßnahmen werden von den Ländern mit jährlich 20 Mio. Euro kofinanziert. Für die sprachliche Frühförderung werden für die Jahre 2008 bis 2010 jährlich 5 Mio. Euro zur Verfügung gestellt, d.h. insgesamt 15 Mio. Euro.
Neben der Bereitstellung finanzieller Mittel für die Bundesländer, in deren Kompetenz die Kinderbetreuung liegt, erarbeitet das Familienministerium unter Federführung von Familienstaatssekretärin Christine Marek gemeinsam mit den Bundesländern und dem Charlotte-Bühler-Institut derzeit zum bundesländerübergreifenden Bildungs-Rahmenplan ein zusätzliches Modul für 5-Jährige, das im Herbst 2010, wenn die Verpflichtung in allen Bundesländern in Kraft tritt, implementiert wird. Darin geht es unter anderem auch um die Stärkung der grundlegenden Kompetenzen des Kindes. Es werden dabei insbesondere die Unterstützung der Schulreife und der Übergang zur Volksschule beachtet. Die Kosten dafür trägt der Bund. Für die häusliche Betreuung sowie die Betreuung durch eine Tagesmutter/einen Tagesvater wird im Einvernehmen mit den Ländern ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem Charlotte-Bühler-Institut bis Juni 2010 ein Leitfaden entwickelt, an den sich diese Betreuerinnen und Betreuer halten müssen. Die Kosten dafür trägt auch der Bund.
Passage aus dem Regierungsprogramm (S. 146)
Kinderbetreuung
- Bedarfsgerechter und kontinuierlicher Ausbau der Kinderbetreuung vor allem für Unter-3-Jährige und unter Berücksichtigung flexibler Formen der Kinderbetreuung wie Tageseltern mit dem Ziel eines flächendeckenden Angebotes
- Forcierung von Ganztagesbetreuungsplätzen, weniger Schließtage und Verlängerung der täglichen Betreuungszeiten
- Qualität der Kinderbetreuung sichern – grundlegende Standards (inklusive Evaluierung und allfällige Verbesserung der sozialrechtlichen Situation von Tageseltern), pädagogische Konzepte und Ausbildungserfordernisse für Betreuer/innen
- Einführung eines verpflichtenden, kostenlosen letzten Kindergartenjahres (vormittags)


