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Die nationale Selbstversorgung mit labilen Blutprodukten funktioniert in Österreich hervorragend, da die Aufbringung auf dem Regionalprinzip beruht. In der Ostregion wird die zu geringe Aufbringungsrate innerhalb Wiens durch ausreichende Aufbringung in Niederösterreich und dem Burgenland abgesichert. Andererseits kommen Patienten aus diesen Bundesländern in den Genuss von Spitzenmedizin in Wiener Spitälern. In allen anderen Bundesländern besteht ebenfalls eine lokale Selbstversorgung durch regionale Blutspendeeinrichtungen. Der Austausch von Blutprodukten innerhalb Österreichs funktioniert bei Bedarf bestens (Konservenpool).

Bedingung für das Funktionieren dieses Prinzips in Österreich und ganz Europa ist die Pflege eines über Jahre gewonnenen Stammes von freiwilligen, unbezahlten Blutspendern (die freiwillige und unbezahlte Blutspende ist im Arzneiwareneinfuhrgesetz, AWEG, und im Blutsicherheitsgesetz bereits gesetzlich verankert). Sollte es durch den Import von labilen Blutprodukten zum Ausschalten dieses Prinzips der nationalen Selbstversorgung kommen, würde ein großer Teil dieser Spender plötzlich nicht mehr benötigt werden und sich demotiviert zurückziehen. Sind die Schleusen einmal geöffnet, würde vermutlich der Großteil der Spitalserhalter in ganz Österreich Blutimporte durchführen. Das wäre das Ende der Fähigkeit Österreichs, seinen Bedarf an Blutkonserven aus eigener Kraft aufzubringen. Die Versorgungssicherheit wäre in einem solchen Fall nicht mehr gewährleistet. Das Rote Kreuz könnte die Rolle des Generalversorgers 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr nicht mehr wahrnehmen. Eine ununterbrochene Lieferfähigkeit bei einzelnen Blutgruppen und seltenen Bluteigenschaften wäre nicht mehr gewährleistet. Zudem wäre ein Import etwa bei pandemischen Grippewellen, Konkurs des Anbieters, akut erhöhtem Bedarf wegen Großunfällen oder Katastrophen nicht mehr möglich.

Auch die Blutsicherheit wäre beeinträchtigt. Zurzeit sorgen getestete Mehrfachspender für sichere Blutprodukte. Aufgrund des hohen Anteils an Wiederholungsspendern (ca. 80 Prozent) ist ihre epidemiologische Anamnese bekannt, und die Gesundheitsbehörden erhalten darüber auch in periodischen Abständen Auskunft. Das Rote Kreuz kann sicherstellen, dass Blutspenden und die Herstellung von Blutprodukten auf der Grundlage der österreichischen Gesetzgebung, Vorschriften und Verordnungen durchgeführt werden. Für eingeführte Blutprodukte kann dies weder garantiert noch adäquat kontrolliert werden. Es wäre a priori unbekannt, welchen epidemiologischen Hintergrund die Blutprodukte haben bzw. ob sie aus einem der Gebiete mit bekanntermaßen erhöhtem Risiko kommen. Der Import von Blutprodukten birgt die Gefahr in sich, dass neue, noch unbekannte Viren und Virusmutanten, deren Existenz bekannt ist und die jederzeit auftreten können, nach Österreich gebracht werden. Aus diesen Gründen sollte die nationale Selbstversorgung mit labilen Blutprodukten in Österreich gesetzlich verankert werden.

Warum kein kommerzieller Bluthandel?

Innerhalb und außerhalb Europas zeigt sich, dass nicht gewinnorientierte Blutspendedienste eine über Jahrzehnte dauernde Versorgung mit Blutprodukten sicherstellen können. Nicht gemeinnützige Institutionen könnten sich bei unattraktiven Marktbedingungen binnen kürzester Zeit aus dem österreichischen Markt zurückziehen. Unbezahlte  Blutspender lassen sich aber nicht im selben Ausmaß zurückgewinnen.

Freiwillige, unbezahlte Blutspenden können in ausreichender Menge nur von nicht gewinnorientierten Organisationen aufgebracht werden. Eine rasche und verlässliche Abwicklung von Look-back-Verfahren wird aus plausiblen Gründen derzeit nur von nach dem Regionalprinzip tätigen Blutspendeeinrichtungen gewährleistet. Die Bedienung von Regressansprüchen wäre durch private Einrichtungen nicht gesichert. Das derzeitige österreichische System der Aufbringung von Blut und der Versorgung mit Blutprodukten entspricht der Empfehlung der EU–RL 2002/98/EG (Zi. 20 Erwägungsgründe, Art. 4 [2] und 20) vollinhaltlich. Die Zerstörung einer bestens funktionierenden Versorgung mit labilen Blutprodukten infolge von Kommerzialisierungstendenzen soll durch klare Vorgaben vonseiten unserer nationalen und regionalen Gesundheitsbehörden verhindert werden. Das Österreichische Rote Kreuz schlägt eine gesetzliche Verankerung (zumindest aber eine Unterstützungserklärung durch die politischen Repräsentanten) betreffend das Sammeln von Blutspenden ausschließlich durch Organisationen, die nicht auf Gewinn ausgerichtet sind, vor.

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