Österreich hat ein bestens funktionierendes Blutspendewesen auf freiwilliger, unentgeltlicher Basis, betrieben von Blutspendeeinrichtungen ohne Gewinnabsichten. Für eine Vollversorgung 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr (Versorgungssicherheit) mit sicheren Blutprodukten (Produktsicherheit) ist gesorgt.

 

Das österreichische Blutspendewesen folgt dabei einer Drei-Säulen-Strategie (die auch in einem Beschluss der Landeshauptleutekonferenz vom 25. 5. 2005 vollinhaltlich unterstützt wurde):
Freiwillige und unbezahlte Blutspenden werden auf der Basis nationaler Selbstversorgung von nicht auf Gewinn ausgerichteten Einrichtungen aufgebracht.

 

Nur die freiwillige und unbezahlte Blutspende für Blutprodukte ist allerdings bisher im Blutsicherheitsgesetz (BSG) und im Arzneiwareneinfuhrgesetz (AWEG) verankert. Daraus ergeben sich die folgenden Forderungen des Österreichischen Roten Kreuzes.

Nationale Selbstversorgung gesetzlich verankern

Die nationale Selbstversorgung mit labilen Blutprodukten funktioniert hervorragend, da die Aufbringung auf dem Regionalprinzip beruht. In der Ostregion wird die zu geringe Aufbringungsrate innerhalb Wiens durch ausreichende Aufbringung in Niederösterreich und dem Burgenland abgesichert, andererseits kommen Patienten aus diesen Bundesländern in den Genuss von Spitzenmedizin in Wiener Spitälern. In allen anderen Bundesländern besteht ebenfalls eine lokale Selbstversorgung durch regionale Blutspendeeinrichtungen. Der Austausch von Blutprodukten innerhalb Österreichs funktioniert bei Bedarf bestens (Konservenpool).

 

Bedingung für das Funktionieren dieses Prinzips in Österreich und ganz Europa ist das Pflegen eines über Jahre gewonnenen Stammes von freiwilligen, unbezahlten Blutspendern. Sollte es durch den Import von labilen Blutprodukten zum Ausschalten dieses Prinzips der nationalen Selbstversorgung kommen, würde ein großer Teil dieser Spender plötzlich nicht mehr benötigt werden und sich demotiviert zurückziehen.

 

Sind die Schleusen einmal offen, würden Blutimporte vermutlich durch den Großteil der Spitalserhalter in ganz Österreich erfolgen. Das wäre der Beginn des kommerziellen Bluthandels, der sich nicht mehr aufhalten ließe. Die Versorgung würde in einem solchen Fall aber zusammenbrechen, wenn

  • der Import aus diversen Gründen plötzlich nicht mehr möglich ist (z. B. bei einer pandemischen Grippewelle),
  • bei Konkurs oder Neuausrichtung des Anbieters,
  • bei akut erhöhtem Bedarf nach Großunfällen oder Katastrophen,
  • bei seltenen Blutgruppen.


Aufgrund des hohen Anteils an Wiederholungsspendern (ca. 80 %) ist die Epidemiologie unserer Blutspender bekannt, und die Gesundheitsbehörden erhalten darüber auch in periodischen Abständen Auskunft. Für eingeführte Blutprodukte wäre diese Sicherheit nicht gegeben. Es wäre a priori unbekannt, aus welchem epidemiologischen Background die Blutprodukte stammen bzw. ob sie aus einem der Gebiete mit bekannt erhöhtem Risiko kommen.

 

Der Import von Blutprodukten birgt in sich die Gefahr, neue noch unbekannte Viren und Virusmutanten, deren Existenz bekannt ist und die jederzeit auftreten können, nach Österreich zu bringen.

Sammeln von Blutspenden nur durch Nonprofit-Organisationen

Eine gesetzliche Verankerung (zumindest aber eine Unterstützungserklärung durch die politischen Repräsentanten) betreffend das Sammeln von Blutspenden ausschließlich durch Organisationen, die nicht auf Gewinn ausgerichtet sind. Nicht gewinnorientierte Blutspendedienste garantieren eine optimale Versorgungssicherheit für die österreichische Bevölkerung. Eine gewinnorientierte „Bluthandelsfirma“ könnte sich bei unattraktiven Marktbedingungen binnen kürzester Zeit aus dem österreichischen Markt zurückziehen. Die dadurch entstehende Versorgungslücke könnte dann nicht „auf Knopfdruck“ mit unbezahlten Blutspendern aufgefüllt werden.

 

Freiwillige, unbezahlte Blutspenden können in ausreichender Menge nur von nicht gewinnorientierten Organisationen aufgebracht werden.

 

Eine rasche und verlässliche Abwicklung von Look-back-Verfahren wird aus plausiblen Gründen derzeit nur von nach dem Regionalprinzip tätigen Blutspendeeinrichtungen gewährleistet. Die Bedienung von Regressansprüchen wäre durch private Einrichtungen nicht gesichert.

 

Das derzeitige österreichische System der Aufbringung von Blut und der Versorgung mit Blutprodukten entspricht der Empfehlung der EU–RL 2002/98/EG (Zi. 20 Erwägungsgründe, Art4 [2] und 20) vollinhaltlich. Die Zerstörung einer bestens funktionierenden Versorgung mit labilen Blutprodukten infolge von Kommerzialisierungstendenzen soll durch klare Vorgaben unserer nationalen und regionalen Gesundheitsbehörden verhindert werden.

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