Die Forderungen im Überblick

GSD

Gesundheit und Pflege sind, vom österreichischen System aus gesehen, zwei grundverschiedene Bereiche. Komplexe Organisations- und Finanzierungsstrukturen führen zu einem Übermaß an Bürokratie und unübersichtlichen Leistungsangeboten, die noch dazu von Bundesland zu Bundesland verschieden sind. Aus Patientensicht ist ohnehin schwer verständlich, wo die medizinische Betreuung aufhört und die Pflege beginnt bzw. wie der Informationsaustausch zwischen Behandelnden und Pflegenden stattfindet.

 

Das erste Ziel – und damit die erste Forderung an die Regierung – kann nur lauten: Pflege und Gesundheit müssen aus einer Hand kommen. Darüber hinaus ist Pflegebedürftigkeit – ebenso wie Arbeitslosigkeit oder Krankheit – ein solidarisch zu tragendes Risiko. Pflege und Betreuung zählen zur Daseinsvorsorge und müssen solidarisch finanziert werden.

 

Es ist klar, dass so eine Forderung nicht über Nacht umgesetzt werden kann. Selbst bei abgeschlossener Willensbildung wären die Kompetenzen dafür zu verstreut. Das Österreichische Rote Kreuz schlägt daher Maßnahmen vor, die – den politischen Willen vorausgesetzt – durchführbar sind und das System in die richtige Richtung bewegen – in Richtung eines einheitlichen und qualitätsvollen Angebots für alle Gesundheitsaspekte.

 

Für eine gemeinsame Steuerung von Pflege und Gesundheit sollten Vertreter der Pflegeheime und der mobilen Pflege in die Landesgesundheitsplattformen aufgenommen werden. Die Hauskrankenpflege gehört ins ASVG, damit ihre Leistungen durch die Krankenversicherung gedeckt werden, auch Palliative Care muss jeder Person zustehen und daher ins ASVG aufgenommen werden. Eine weitere Selbstverständlichkeit ist die Inflationsanpassung des Pflegegeldes.

 

Statt unterschiedlicher Dienstleistungen braucht Österreich Standards, das sind bundesweit gültige Definitionen und Kriterien für Sozialdienstleistungen. Auf Basis dieser zu schaffenden Standards soll auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten eingegangen werden, damit jeder im Rahmen der Standards die für ihn optimale Pflege bekommt. Entscheidend dafür ist auch die Kommunikation zwischen den Nahtstellen, wie sie bereits 2005 festgelegt, aber noch nicht umgesetzt worden ist.

 

All diese Maßnahmen ändern nichts daran, dass der Anteil älterer Menschen in der Gesellschaft weiter steigt. Das Rote Kreuz sieht diese Entwicklung als Chance für die Zivilgesellschaft, denn wir sehen ältere Menschen als enormes Potenzial vor allem in der ehrenamtlichen Arbeit und auch in der Pflege und Betreuung. Eine klare Regelung, wie diese Mitarbeit aussehen kann und darf, fehlt und ist dringend gefragt.

 

Unsere Forderungen gehen aber über die bestmögliche Betreuung der Patienten hinaus. Denn diese kann nur gewährleistet werden, wenn auch die betreuenden Personen die nötige Unterstützung bekommen. Das sind in erster Linie die pflegenden Angehörigen. Sie sind unersetzlich für das Pflege- und Betreuungssystem und daher auch sozialversicherungsrechtlich abzusichern: durch kostenlose Mit- und Weiterversicherung und durch die Möglichkeit einer Pflegekarenz.

 

In der professionellen Pflege wollen wir eine Aufwertung der Tätigkeiten durch bessere Ausbildung für die neuen Herausforderungen in diesem Bereich.

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