Wie sagt man nicht schiessen?

Fragen und Antworten zum zusätzlichen Zeichen für die Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung.

 

 

1. Warum wurde 2006 ein zusätzliches Schutzzeichen beschlossen?nach oben ...

 

Das Rote Kreuz und der Rote Halbmond schützen in mehr als 190 Ländern der Welt humanitäre Helfer, medizinisches Personal, Gebäude und Equipment der nationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften sowie die militärischen Sanitätsdienste in Zeiten von bewaffneten Auseinandersetzungen.

 

Leider werden die Zeichen nicht überall frei von jeder religiösen, kulturellen oder politischen Bedeutung gesehen. Das erschwert oder behindert die Arbeit der neutralen Helfer, vor allem in Kriegsgebieten. Aus diesem Grund gibt es seit Dezember 2005 ein zusätzliches Zeichen: den Roten Kristall.

 

Außerdem ermöglicht die Annahme des zusätzlichen Zeichens die Anerkennung nationaler Hilfsgesellschaften, die sich bisher weder für das Kreuz noch für den Halbmond entschieden haben, und ihre Aufnahme in die internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung. Ein Beispiel dafür ist die israelische Gesellschaft Magen David Adom (Roter Davidstern). Universalität ist ein Grundsatz der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung. Der Rote Kristall als Zeichen, das weiteren Nationalen Gesellschaften die Aufnahme in die Rotkreuz- und Rothalbmondfamilie ermöglicht, rückt die Bewegung diesem Ziel näher.

 

 

2. Wird aus dem Österreichischen Roten Kreuz der Österreichische Rote Kristall?nach oben ...

 

Nein. Das Österreichische Rote Kreuz wird sowohl seinen Namen als auch sein Zeichen beibehalten. Mit dem Roten Kristall könnte das Österreichische Rote Kreuz Personal, Gebäude und Fahrzeuge kennzeichnen. Das ÖRK bleibt aber beim roten Kreuz auf weißem Grund – ohne den zusätzlichen „Kristall“.

 

 

3. Wer beschließt das zusätzliche Zeichen? nach oben ...

 

Die vier Genfer Konventionen von 1949 und ihre Zusatzprotokolle sind Abkommen zwischen 192 Staaten für den Kriegsfall. Darin ist festgelegt, was im Krieg erlaubt ist und was nicht. Die in diesen Verträgen festgeschriebenen Zeichen Rotes Kreuz, Roter Halbmond dienen Helfern, Opfern und militärischen Sanitätsdiensten im Krieg als Schutzzeichen. Sie zeigen an, dass bestimmte Personen und Einrichtungen den besonderen Schutz der Genfer Konventionen genießen.

Im Frieden kennzeichnen sie die Angehörigen der nationalen Gesellschaften wie das Österreichische Rote Kreuz eine ist. Auch die Sanitätsdienste der Armeen dürfen das Zeichen verwenden.

Im Dezember 2005 haben die Mitgliedsstaaten der Genfer Konventionen ein drittes Zusatzprotokoll zu diesen Abkommen beschlossen. Es regelt Design und Name des zusätzlichen Zeichens sowie deren Verwendung.

 

 

4. Wird der Rote Kristall auch in Österreich anerkannt?nach oben ...

 

Ja. Österreich ist Vertragspartei der Genfer Konventionen und ihrer Zusatzprotokolle. Die Verwendung der Zeichen ist in Österreich zudem durch ein eigenes Rotkreuzgesetz (BGBl. 33/2008) geregelt.

 

 

5. Was gibt es nun für Schutzzeichen und wer darf sie verwenden? nach oben ...

 

Seit Dezember 2005 sind die drei Zeichen Rotes Kreuz, Roter Halbmond und Roter Kristall in den Genfer Konventionen als Schutzzeichen verankert. Jede nationale Hilfsgesellschaft, die eines der Zeichen annimmt, kann Teil der internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung werden.

Innerhalb des Kristalls können in Friedenszeiten außerdem die bisher anerkannten Zeichen beziehungsweise "jedes Zeichen, das vor der Entstehung des 3. Zusatzprotokolls tatsächlich verwendet wurde" (so der Text des Protokolls) verwendet werden. Letzteres trifft nur auf den Roten Davidstern zu. Nationale Gesellschaften, die für den Konfliktfall den roten Kristall als Schutzzeichen annehmen, können ihn also als Kennzeichen in Friedenszeiten oder zusammen mit ihrem „traditionellen“ Zeichen verwenden.

Rotes Kreuz, Roter Halbmond und Roter Kristall dürfen ausschließlich von militärischen Sanitätsdiensten und von nationalen Hilfsgesellschaften – wie das Österreichische Rote Kreuz eine ist – verwendet werden.

In Friedenszeiten sind die Zeichen Kennzeichen der Zugehörigkeit von Personen oder Sachen zu einer Nationalen Gesellschaft – zum Beispiel zum Österreichischen Roten Kreuz.

Die Verwendung der Zeichen ist in Österreich zudem durch ein eigenes Rotkreuzgesetz, (BGBl. 33/2008) geregelt. Missbrauch ist strafbar!

 

 

6. Warum gibt es überhaupt mehrere Zeichen? Wie entstand der Rote Halbmond?nach oben ...

 

In der 1. Genfer Konvention von 1864 wurde als Schutzzeichen der nationalen Hilfsgesellschaften für die Pflege Verwundeter im Krieg das Rote Kreuz auf weißem Grund bestimmt. Die Wahl des Zeichens war eine Reverenz an die Schweiz, die das zustande kommen der Konvention von Beginn an unterstützt hatte (es ist das umgekehrte Schweizer Wappen). Im Russisch-Türkischen Krieg (1876-1878) verwendete das Osmanische Reich den Roten Halbmond als Schutzzeichen für seine Sanitätskräfte. Obwohl das Osmanische Reich der Genfer Konvention von 1864 ohne Vorbehalte beigetreten war, wurde der Gebrauch des Roten Halbmonds zur Gewohnheit. 1929 anerkannte eine diplomatische Staatenkonferenz den Roten Halbmond.

 

 

 

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