Interview GS Kopetzky
Rotes Kreuz: Neues Zeichen, neue Mitglieder, neuer Name?
Die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung hat ein zusätzliches Zeichen, den "roten Kristall", und bald neue Mitglieder. Die israelische Hilfsgesellschaft und der Palästinensische Rote Halbmond könnten zwei davon sein. Wird das Rote Kreuz bald auch einen neuen Namen haben?
Ein Gespräch mit dem Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes Dr. Wolfgang Kopetzky, bevor die internationale Rotkreuz-Konferenz am 21. Juni die Annahme des zusätzlichen Zeichens und die Aufnahme der zwei neuen Gesellschaften beschlossen hat.
Herr Generalsekretär, im vergangenen Dezember hat sich die Staatengemeinschaft auf die Einführung eines neuen zusätzlichen Zeichens zu Rotem Kreuz und Rotem Halbmond geeinigt. Warum war das notwendig?
Kopetzky: Das Rote Kreuz steht seit mehr als 140 Jahren für neutrale und unparteiliche Hilfe. Leider wird das Zeichen aber nicht überall frei von religiöser, politischer oder kultureller Bedeutung gesehen. Das erschwert die Arbeit unserer Helfer, vor allem in Kriegsgebieten. Deshalb gibt es ab Juni ein zusätzliches Zeichen, den roten Kristall ...
... der dasselbe bedeutet wie Kreuz und Halbmond?
Kopetzky: Richtig. Im Krieg werden dadurch alle Kämpfenden darauf hingewiesen, dass jeder, der mit Kreuz, Halbmond oder Kristall gekennzeichnet ist, den besonderen Schutz der Genfer Konventionen, also des Kriegsrechts, genießt.
Welche Schritte müssen noch gegangen werden, damit dieser "Rote Kristall" überall angenommen wird?
Kopetzky: Es geht dabei nicht um ein neues Zeichen, sondern um ein zusätzliches. Alle Mitglieder des weltweiten Netzwerks, die mit Rotem Kreuz und Rotem Halbmond glücklich sind, werden diese ja weiterhin verwenden. So auch das Österreichische Rote Kreuz. Bei der internationalen Konferenz am 20. und 21. Juni nehmen alle 192 Unterzeichnerstaaten der Genfer Konventionen, alle 183 nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften sowie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) teil.
Vorrangiges Ziel dieser hoffentlich erfolgreichen Veranstaltung ist die Verankerung des zusätzlichen Zeichens in den Statuten der Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung. Sobald diese erfolgt ist, kann das IKRK die nationale Gesellschaft Israels, den Roten Davidstern, anerkennen. Das hat wiederum zur Folge, dass der Rote Davidstern Vollmitglied der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften werden kann.
Wie sieht es mit Anerkennung und Aufnahme des Palästinensischen Roten Halbmonds aus?
Kopetzky: Ein weiteres Ziel dieser internationalen Konferenz ist es, eine juridische Lösung zu finden, um eine Anerkennung und Mitgliedschaft des Palästinensischen Roten Halbmonds zu ermöglichen. Nationale Gesellschaften müssen für ihre Anerkennung zehn Voraussetzungen erfüllen. Ein eigenes Staatsgebiet, auf dem sie operieren, ist eine davon. Wenn diese Lösung gefunden ist, könnte der palästinensische Rote Halbmond bald anerkannt sein
Wird die Einführung des "Roten Kristalls" die Arbeit des Roten Kreuzes - vor allem in Kriegsgebieten - erleichtern?
Kopetzky: Dieser Schritt ist vor allem im Hinblick auf die Grundsätze des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds und für die Glaubwürdigkeit der Bewegung enorm wichtig. Da es für jene Gesellschaften, die weder das Kreuz noch den Halbmond als Zeichen führen wollen, keine adäquate Alternative gibt, war eine Universalität der Bewegung bis heute nicht gewährleistet. Mit der Einführung dieses zusätzlichen Zeichens ist es möglich, diese Gesellschaften zu Vollmitgliedern der Bewegung zu machen.
Wird sich dadurch die humanitäre Arbeit im Nahen Osten vereinfachen?
Kopetzky: Ohne Zweifel. Außerhalb dieser Region wird es jedoch bedeutend schwieriger sein, sich Anerkennung zu verschaffen. Es ist anzunehmen, dass in Zukunft auch andere Nationale Gesellschaften den Roten Kristall führen werden, aber viele werden es nicht sein. Zunächst ist es sogar nur eine einzige, eben die israelische.
Wird die Bedeutung des "Roten Kristalls" dadurch nicht bloß sehr langsam bekannt?
Kopetzky: Es wäre nicht sehr ehrlich zu behaupten, dass die Bekanntheit des Kristalls innerhalb weniger Jahre jene des Roten Kreuzes erreichen könnte, das es immerhin bereits seit 140 Jahren gibt. Aber wir haben uns vorgenommen, dieses Zeichen zu verbreiten, und wir werden unser Möglichstes dafür tun, dass auch der Rote Kristall angenommen wird.
Wird aus dem Österreichischen Roten Kreuz der Österreichische Rote Kristall?
Kopetzky: Nein, das Österreichische Rote Kreuz wird sowohl seinen Namen als auch sein Zeichen behalten.
Herr Generalsekretär, im vergangenen Dezember hat sich die Staatengemeinschaft auf die Einführung eines neuen Zeichens zu Rotem Kreuz und Rotem Halbmond geeinigt. Warum war das notwendig?
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