RETTUNGSDIENST

136 Bezirksstellen
2.102 Fahrzeuge
3.038.470 Einsatzfahrten
98.249.511 Gefahrene Kilometer

Eine Rettung für alle Fälle

Das Netz an Rotkreuz-Dienstposten ist durch mehr als 42.000 Freiwillige so dicht, dass jeder Patient durchschnittlich in zirka acht bis 15 Minuten mit der Rettung und in 12 bis 20 Minuten mit einem Notarzteinsatzfahrzeug erreichbar ist.
©ÖRK /LV Tirol/Dokuteam Schwaz /A. Mader

Flugretter Wolfgang Frühwirt kommt zum Einsatz, wenn es richtig eilt und ein Hubschrauber nötig ist. Aber auch sonst garantiert das Rettungsverbundsystem des Österreichischen Roten Kreuzes eine effiziente Versorgung für alle. Es ist gemeinnützig und greift in seinen Teilen verlässlich ineinander. Das war nicht immer so.

Gerade hat Wolfgang Frühwirt noch Kaffee getrunken und den Vormittag genossen. Es ist sein freier Tag, er hat Zeitausgleich. Jetzt sitzt er neben dem Piloten im Cockpit eines Airbus Helicopter 135 und donnert über die niederösterreichische Landschaft hinweg. Hügelkämme, Bauernhöfe. Amstetten und die Donau ziehen vorbei. "Weibliche Patientin, 96, mit zerebralem Geschehen", hat die Leitstelle Perg gefunkt. In aller Ruhe gibt der Flugretter die Zielkoordinaten ein. Auch der Notarzt verzieht keine Miene unter seinem Helm. Das Team des Christophorus 15 kann so schnell nichts erschüttern. Der Hubschrauber wird gerufen, wenn es wirklich eilt und ein Notarztfahrzeug länger brauchen würde. Jeder bekommt passende Hilfe, auch in entlegenen Regionen: Dafür steht das Rettungsverbundsystem, das in seinen Bestandteilen verlässlich ineinandergreift. Das war nicht immer so.

System kann wachsen

"Eintreffen in drei Minuten", sagt Frühwirt über Funk. "Seid ihr schon da?" Die Ortsstelle Waldhausen hat ein Fahrzeug geschickt. Mit mehr als 39.000 Freiwilligen im Rettungsdienst ist das Netz an Rotkreuz-Dienststellen so dicht, dass jeder Patient in 15 Minuten mit der Rettung und in 20 Minuten mit einem Notarzteinsatzfahrzeug erreichbar ist. Diese Strukturen nützen auch jenen, die nur leicht verletzt sind oder einfach ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Deshalb bilden die Notfallrettung mit oder ohne Arzt, Sanitätseinsätze und Ambulanztransporte ein Verbundsystem, dessen Teile voneinander profitieren. Es ist zudem "aufwuchsfähig": Viele Mitarbeiter haben eine Zusatzausbildung und können rasch herangezogen werden, wenn es eine Katastrophe gibt.

Medikamente in Holzkisten

Frühwirt, 50 Jahre alt, ist Bezirkskommandant in Amstetten und Geschäftsführer der Rotkreuz-Bezirksstelle Waidhofen an der Ybbs. Als er mit 17 Jahren einen Erste-Hilfe-Kurs machte und bald in einem Rettungsauto saß, ging es nur darum, die Menschen rasch ins Krankenhaus zu bringen. Meist landeten die Patienten medizinisch unversorgt auf den OP-Tischen der Chirurgen. "Wenn wir dachten, dass es schlimm wird, haben wir einen Arzt gefragt, ob er Zeit hat", erinnert sich Frühwirt. "Die sind dann mit Holzkisten voller Medikamente im Straßengraben gestanden." Erst allmählich verbesserten sich die Hilfsmittel, die Länder begannen ein Notarztwesen zu etablieren und die Sanitäterausbildung wurde vereinheitlicht.

Was nun neben dem Misthaufen eines Bauernhofes in Kollrossdorf aufsetzt, ist eine fliegende Hightech- Ambulanz. Es gibt Entwarnung: Kein Schlaganfall, offenbar hat die Frau nur Kreislaufprobleme. Frühwirt verlässt die Stube und tritt ins Freie. Schon der nächste Einsatz könnte ihn an seine Grenzen bringen. "Die Herausforderung fasziniert mich", sagt er. "Und ja, es ist toll, wenn man im Rettungsdienst die letzte Instanz ist."

Wertvolle Gemeinnützigkeit


Sanitäter, Notfallsanitäter, Katastropheneinsätze: Als Rotkreuz-Helfer hat er alle Stationen des Verbundsystems durchlaufen. Früher wurde es intuitiv gelebt, von engagierten Vorkämpfern, wohingegen große Teile davon heute besser organisiert und rechtlich definiert sind - auch wegen der Abrechnung der Kosten. Nur ein gemeinnütziges System aus einer Hand bietet den Vorteil, dass Sicherheit und Versorgungsqualität insgesamt hoch bleiben. Letzte Abstimmungen mit den Kollegen, dann ist Christophorus 15 wieder in der Luft. Der Ausblick ist spektakulär. Schloss Grein sieht aus wie eine Playmobil-Burg. "Sightseeing-Flug", grinst der Pilot. Über das Bordnetz rennt der Schmäh. Die drei Männer haben auch Spaß bei ihren Einsätzen.

Gutes Gefühl zu helfen


Diesen Einsatz wird er schnell vergessen. Andere haben sich dem Vater von drei Kindern förmlich eingebrannt. Der kleine Bub zum Beispiel, dem sein Bruder mit dem Traktor über den Kopf gerollt war. "In heiklen Situationen funktionierst du", sagt Frühwirt. "Aber schlimm ist es immer, wenn man für einen Patienten nichts mehr tun kann." Dafür sei das Gefühl helfen zu können umso schöner. Eine steile Rechtskurve, die Rotoren knattern. Dann landet Christophorus 15 wieder auf dem Stützpunkt bei Ybbsitz. Checklisten, Papierkram. Frühwirt schnappt sich den Tankschlauch und Kerosin gurgelt in den Bauch des Hubschraubers. Die Crew ist bereit für den nächsten Einsatz.

socialshareprivacy info icon