03.12.2009 10:28

Der Freiwillige, das umhegte Wesen

Freiwilligkeit ist ein Rotkreuz-Grundsatz im Wandel. Das Rote Kreuz auf dem Weg von der Selbstverständlichkeit des Ehrenamtes zur Anerkennung der Freiwilligkeit.

Der Freiwillige, das umhegte Wesen

Die Menschen werden anständiger“, hält der Zukunftsforscher Matthias Horx in seinem Trendbericht 2007 fest. Das Bedürfnis, neben dem normalen Brotjob Gutes zu tun, orten Personalberater in allen Altersgruppen und Bevölkerungsschichten.

 

Die „sinnvolle Freizeitbeschäftigung“ nannten folgerichtig 54,3 Prozent der Rotkreuz-Freiwilligen in einer Umfrage des Landesverbands Oberösterreich als ihre Motivation. Die meisten Befragten lockt die „Freude an ihrer Tätigkeit“ (knapp 80 Prozent) und ihre „soziale Grundeinstellung“ (58,9 Prozent) in das Ehrenamt.

 

Bei jungen Menschen steht „Erfahrung sammeln“ in Verbindung mit „Welt verbessern“ ganz oben auf der Motivationsskala.

 

Der Grazer Stefan Divjak zum Beispiel, im Hauptberuf TU-Student, ist Teil einer

Emergency Response Unit für Trinkwasser. Sein erster Einsatz führte ihn in den Sudan. „Etwas Elementares wie Trinkwasser herzustellen gibt einem das Gefühl, die Welt ein bisschen besser zu machen“, sagt er.

 

Wichtige Erfahrungen sammeln Berufseinsteiger aus dem BereichPsychologie, wenn sie sich in den Kriseninterventionsteams des Roten Kreuzes engagieren.

Im Gegenzug zu ihrem Einsatz erhalten sie auch eine weit über die heimischen

Grenzen hinaus anerkannte Ausbildung. „Es ist klar zu erkennen, dass die Ausbildung beim Roten Kreuz ein Anreiz ist“, sagt Oberösterreichs

Landesfreiwilligenreferent Rudolf Brettbacher, „auch weil zum Beispiel

die Führungskräfte-Ausbildung über das reine Fachwissen hinausgeht und

dadurch für die Berufskarriere außerhalb des Roten Kreuzes nützlich ist.“

 

Projektbezogene Arbeit

 

Ebenso wie die bezahlte Arbeitswelt ändert sich der unentgeltliche Dienst an der Gesellschaft. Das gemeinnützige Engagement gehört zwar immer

noch zum österreichischen Selbstverständnis, aber das Interesse an kurzfristiger projektbezogener Tätigkeit steigt. Lang andauerndes Engagement

in fest zementierten Strukturen passt bei vielen Familien nicht mehr zur Lebensplanung.

 

Ein Modell, das diesem Bedürfnis entgegenkommt, ist das im Sommer 2007 ins Leben gerufene Projekt „Team Österreich“.

 

Die Zahl der Ehrenamtlichen steigt zwar immer noch leicht – etwa um 1,5

Prozent pro Jahr – gleichzeitig wächst die Bereitschaft zum Wechsel in andere

Organisationen. Um das Rote Kreuz für Ehrenamtliche weiter attraktiv zu

halten, werden überall im Land Anreize geschaffen.

 

Im Burgenland zum Beispiel haben die ersten Koordinatoren ihre Arbeit aufgenommen, und in Niederösterreich wird mit Partnern aus der Wirtschaft an einer Führungskräfteausbildung gefeilt.

 

Anerkennung

 

In Oberösterreich hat sich das Rote Kreuz schon Ende der 90er-Jahre die

Frage gestellt: Was kann die Organisation für ihre Freiwilligen tun? „Anerkennung ist das Schlüsselwort und bedeutet auch, den Freiwilligen eine

Stimme zu geben. Bei uns sind die Koordinatoren von der Ortsstelle bis in

den Landesverband eine Informations-Drehscheibe und ein essenzielles Bindeglied zwischen den Fachbereichen“, erklärt Rudolf Brettbacher.

 

„Ebenso wie bei hauptberuflichen Mitarbeitern sind im Bereich der Freiwilligen

professionelle Strukturen und echtes Freiwilligen-Management gefragt“,

sagt Susanne Ebner, die im Generalsekretariat für Personalentwicklung

zuständig ist. „Der erste Eindruck entscheidet: Bereits bei der Kontaktaufnahme

durch einen Interessenten sind kompetente Auskunft, klare Informationen

über mögliche Arbeitsfelder und die Organisation unerlässlich.“

 

Für bestehende Freiwillige sind Anreize auf sozialer und informeller Ebene

wichtig. Ein gutes Klima auf der Dienststelle, Anerkennung und gegenseitiger Respekt sind oft wertvoller als finanzielle Entlohnung.

 

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