junge Frau bei der Defibrillation als Ersthelferin

Minuten entscheiden über Leben und Tod – dass Ersthelfer Lebensretter sind, ist keine Übertreibung, sondern Tatsache:
Wenn unser Gehirn durch einen Atem-Kreislaufstillstand nicht mit Sauerstoff versorgt wird, so kann es nur kurze Zeit ohne schwere Schädigungen überleben. Bis Rettung und Notarzt eintreffen, dauert es trotz gut ausgebautem Rettungssystem durchschnittlich zwischen 8 und 15 Minuten, die einzige Überlebenschance in dieser Zeit ist – Ihre Hilfe.

In Österreich sterben pro Jahr 15.000 Menschen an plötzlichem Herztod, das sind zehnmal mehr Menschen als bei Verkehrsunfällen (2006 – 720 Verkehrstote) http://www.kfv.at (Unfalldatenbank) ums Leben kommen. In den meisten Fällen könnten durch sofortiges Handeln von gut ausgebildeten Ersthelfern die Betroffenen überleben.

Doch die Realität sieht anders aus: Drei (28 %) von zehn Österreichern trauen sich zu, im Notfall sofort zu handeln, 33 % sagen eher doch. 64 % der österreichischen Bevölkerung haben irgendwann einen Erste Hilfe Kurs besucht http://www.erstehilfe.at. Die neue erste Hilfe soll durch ihre Einfachheit dazu beitragen, dass dies anders wird.

Schnelle Erste Hilfe

Nach dem Stellen der Notfalldiagnose Atem-Kreislaufstillstand muss der Ersthelfer (wenn alleine) den Notruf durchführen und sofort mit Herzdruckmassage und Beatmung (Verhältnis 30 HDM : 2 Beatmungen) beginnen. Der Notruf vor Beginn der Maßnahme ist deshalb abzusetzen, damit durch den Rettungs- bzw. Notarztdienst ein Defibrillator zum Notfallort gebracht wird.

Nachdem der Brustkorb des Patienten freigemacht wurde, wird mit 30 Herzdruckmassagen (HDM) begonnen. Der Druckpunkt befindet sich in der Mitte des Brustkorbes, welcher mit durchgestreckten Armen 4 bis 5 cm tief  eingedrückt wird. Eine effiziente HDM erfordert eine Frequenz von mindestens 100 Massagen pro Minute, bei der der Notfallpatient unbedingt auf einer harten Unterlage wie zum Beispiel auf dem Fußboden liegen muss.
Sollten mehrere Helfer vor Ort sein, so beginnt ein Helfer mit HDM und Beatmung (Ein-Helfer-methode), der andere Helfer setzt den Notruf ab und nimmt, wenn unmittelbar vorhanden, einen Verbandkasten und einen Ersthelferdefibrillator mit.

Es ist sinnvoll und für eine effiziente HDM und B maßgeblich, dass sich die Ersthelfer abwechseln. Die Grundintention einer erfolgreichen Reanimation liegt darin, dass die Herzdruckmassagen so wenig wie möglich unterbrochen werden.

Beatmung

Die anschließenden 2 Beatmungen können beim Erwachsenen sowohl Mund-zu-Mund als auch Mund-zu-Nase durchgeführt werden:

  1. Beatmungsfolie über Mund und Nase des Patienten legen (Bild Mund zu Mund)
  2. Neben den Patienten niederknien und Kopf überstrecken, damit die Atemwege frei werden; bei Mund-zu-Mund-Beatmung mit Daumen und Zeigefinger die Nase, bei Mund-zu-Nase-Beatmung mit dem Daumen die Lippen verschließen.
  3. Notfallpatienten über den leicht geöffneten Mund bzw. über die Nase beatmen. Zur Kontrolle einer ausreichenden Beatmung das Ausströmen der Luft aus der Lunge kontrollieren. Eine Beatmung soll maximal 1 Sekunde betragen.


Bei der Beatmung muss auf die exakte Überstreckung des Kopfes geachtet werden, sobald sich der Brustkorb hebt und senkt ist von einer optimalen Beatmung zu sprechen.

Herzdruckmassage und Beatmung werden so lange durchgeführt, bis

  • Der Patient wieder eine normale Atmung hat
  • Der Ersthelfer abgelöst wird durch andere Ersthelfer oder Rettungspersonal
  • Der Ersthelfer erschöpft ist und außer Stande ist, die Maßnahmen weiter durchzuführen.

Ist der Verletzte eingeklemmt ist, bleibt dem Ersthelfer nur die Möglichkeit der Absicherung und Verständigung von Spezialkräften mittels Notruf.
Die Entscheidung für oder gegen die Durchführung der Bergung muss der ausgebildete Ersthelfer stets situationsgerecht entscheiden und kann somit nicht pauschal beantwortet werden. 

Mit den nachfolgend gezeigten Techniken können Patienten schnell, schonend und ohne Hilfsmittel aus akuten Gefahrensituationen geborgen werden. Personen, die bei Bewußtsein sind, soll stets erklärt werden, welche weiteren Schritte unternommen  und diese gegebenfalls mit ihm abgesprochen werden.

Wegziehen

Eine der einfachsten Bergemethoden für Verunglückte, die am Boden liegen, ist das Wegziehen. Beide Arme des Verletzten werden überkreuzt und sein Kopf darauf gelagert. Unter leichtem Anheben des Oberkörpers –so wenig wie möglich, um die Wirbelsäule einschließlich Halswirbelsäule zu schonen- kann so der Patient so weit wie nötig transportiert werden. (Fotos Wegziehen)
Tipp für den Helfer: Achten Sie stets auf rückenschonendes Arbeiten. Dazu ist es notwendig, den Körperschwerpunkt so tief wie möglich zu verlagern, in die Knie zu gehen und somit auch beim Heben die ganze Last nicht der eigenen Wirbelsäule zuzumuten.

Rautekgriff

Sind nach einem Verkehrsunfall eine oder mehrere Personen aus einem Fahrzeug zu bergen, ermöglicht der nach seinem Erfinder benannte Rautekgriff  ein rasches Aufnehmen und Transportieren des Verletzten über kurze Distanzen. Vor allem für bewusstlose und/oder sehr schwere Patienten bewährt sich seine Anwendung, die von einem oder zwei Helfer durchgeführt werden kann:

  • nach dem Öffnen der Fahrzeugtür, Kontaktaufnahme und Bewusstseinskontrolle des Verletzten wird gegebenenfalls ein noch laufender Motor abgestellt.
  • Eine Kontrolle der Arme und Beine stellt sicher, das sie frei und nicht eingeklemmt sind.
  • Anschließend ist der Sicherheitsgurt zu öffnen – dabei darauf achten dass der Verunglückte gestützt wird, um ein nach vorne Fallen des Oberkörpers und des Kopfes zu verhindern.
  • Einen Unterarm des Verletzten quer vor dessen Oberkörper legen, dann von rückwärts unter seinen Achseln durchgreifen und den Unterarm erfassen. Hierbei ist darauf zu achten, alle fünf Finger nach vorne schauen zu lassen, um dem zu Bergenden beim anschließenden Herausheben keinen zusätzlichen Schaden zuzufügen.
  • Unter Bedachtnahme auf den Kopf des Patienten wird er nun leicht gedreht, auf den gebeugten Oberschenkel des Ersthelfers gesetzt und rasch aus der Gefahrenzone gebracht.
  • Sind zwei Helfer verfügbar, so unterstützt dieser die Bergemaßnahme durch Umfassen und Tragen der Beine.



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