05.03.2018 08:03

„Diabetiker müssen keine Angst vor Sport haben“

Sport betreibt Thomas Haas eigentlich schon immer. Warum er im Juni beim härtesten Radrennen der Welt antritt und so ein Zeichen gegen setzt, ist jedoch eine längere Geschichte.

„Diabetiker müssen keine Angst vor Sport haben“

Im Juni findet das „Race Across America“ statt. Der diplomierte Krankenpfleger Thomas Haas wird an dem Radrennen, das 5000 Kilometer lang ist und durch ganz Amerika führt teilnehmen und hat sich fest vorgenommen, als erster Typ1-Diabetiker überhaupt ins Ziel zu kommen. „Das schaffen pro Jahr nur ungefähr 20 Menschen in den vorgegebenen 12 Tagen“, erklärt er. Schaffen möchte er das aber vor allem, um aufzuzeigen, dass man auch mit Diabetes sportliche Höchstleistungen erbringen kann – wenn man es nur richtig anstellt.

„Ich war früher eher nur läuferisch unterwegs“, erzählt Thomas Haas von seinem sportlichen Werdegang. Sport ist für ihn Hobby und Ausgleich zum Alltag – vor allem das Laufen machte ihm in jungen Jahren sehr viel Spaß. „Ich bin bei uns in der Region sämtliche Volksläufe mitgelaufen“, erzählt der Diplomierte Krankenpfleger, der im Seniorenwohnhaus St. Gilgen arbeitet. Im Jahr 2003 stellt eine Diagnose dann jedoch sein ganzes Leben auf den Kopf: Haas hat Diabetes Typ 1. „Mir ist die Decke auf den Kopf gefallen, ich hatte wahnsinnige Angst, dass ich meinen Sport nicht mehr ausüben kann“, erzählt er. Doch Thomas Haas hatte Glück und traf Sportler mit Diabetes, die trotz Krankheit alles gut unter einen Hut bekamen. „Natürlich muss man aufpassen und gewisse Parameter im Auge behalten, aber prinzipiell ist Diabetes kein Hindernis für Sport – ganz im Gegenteil: Bewegung ist sogar eine sehr wichtige Therapieform für Diabetes“, erklärt der Sportler.

Vom Laufen zum Triathlon

Im Jahr 2008 beginnt Thomas Haas auch sportlich umzudenken. „Irgendwie hat mich der Triathlon gereizt. Das größte Problem war aber, dass ich vorher gar nicht schwimmen konnte – aber mit viel Ehrgeiz hat das dann alles irgendwann funktioniert“, erzählt Haas schmunzelnd. Danach absolvierte er Triathlon um Triathlon und als das nicht mehr genug Herausforderung bietet, beginnt er für den Iron Man zu trainieren. „Mein Blutzucker wird kontinuierlich gemessen und ich habe außerdem eine Insulinpumpe, mit der ich die Insulinzufuhr sehr gut steuern kann – das erleichtert das Training natürlich extrem“, erzählt Haas. „Mir ist es das allerwichtigste, dass ich dabei gesund bleibe, da will ich kein Risiko eingehen. Deswegen habe ich medizinische Betreuung und alles, was ich benötige immer zur Verfügung“, sagt er.

Nach dem Iron Man war Haas wieder auf der Suche nach neuen Herausforderungen – und kam so zum Langstreckenradfahren. „Ich hab dann beim „Race around Austria“ teilgenommen, bei dem ich knapp 26 Stunden durchgehend auf dem Radsattel saß. Da ist es mir wirklich schlecht gegangen. Am nächsten Tag war aber dann gleich klar: ja, das macht Spaß – da mach ich weiter“, erzählt er.  Somit war der Entschluss, beim „Race across America“  teilzunehmen, gefasst. Dort geht es mit dem Rad 5.000 Kilometer am Stück durch die USA.  „Etwa 50.000 Höhenmeter sind zu bewältigen; man kommt während dem Rennen durch 12 Bundesstaaten und vier Zeitzonen mit Temperaturen von 0 bis 45 Grad – das wird sicher mein größtes Projekt, das alles andere in den Schatten stellt“, erzählt der 53-Jährige.

Kilometer für Kinder kaufen

Bisher hat noch kein Typ1-Diabetiker das „Race across America“ erfolgreich abgeschlossen – und hier der erste sein, das ist das Ziel von Thomas Haas. „Da geht es weniger um mich oder um das persönliche Erfolgserlebnis – ich möchte ein Zeichen setzen und im besten Fall ein paar Leuten helfen. Es gibt immer mehr Diabetiker auf der Welt – man redet viel von neuen Medikamenten und Technologien, aber man redet so wenig über die Wichtigkeit von Bewegung. Mir ist ein ganz großes Anliegen, hier Aufklärungsarbeit zu leisten und zu zeigen, dass Diabetes zwar eine Beeinträchtigung ist, aber dass es Möglichkeiten gibt, sehr gut damit zu leben und sich selbst zu motivieren. Durch diese Aktion will ich zeigen, dass wir keine Angst haben müssen, Sport zu betreiben“, sagt Thomas Haas.

Um weiter Aufklärungsarbeit leisten zu können, verkauft Thomas Haas seine Rennkilometer beim „Race across America“ um je zwei Euro. „Wenn alle Kilometer verkauft werden, können so 10.000 Euro zusammenkommen, die ich dann gemeinsam mit dem Österreichischen Diabetesverein in die Unterstützung von Kindern mit Diabetes investieren möchte. Das ist für mich auch eine Möglichkeit, ein bisschen was zurückzugeben, für das, was ich damals erhalten habe“, sagt er.

Beim Rennen im Juni wird Thomas Haas mit einem Team von zehn Menschen nach Amerika fahren – bis dahin heißt es: Sechs Tage die Woche hartes Training, manchmal auch mehrmals am Tag. „Das Ziel ist es einfach, beim Wettkampf möglichst lange ohne Probleme im Sattel sitzen zu können“ sagt er zuversichtlich.

 

Weitere Informationen zu Thomas Haas, seiner Aktion und seinem Werdegang gibt es auf: www.diabetes-sport.net

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